„He's …“

„Invincible VS“ Karpaltunnelsyndrom: Was kann das Fighting-Game?

Wie fühlt es sich an, Omni-Man einen Kinnhaken zu verpassen? Kann Rexsplode wirklich Conquest bezwingen? Und ist „Invincible VS“ ein gutes Spiel?

Omni-Man und Invincible kämpfen in „Invincible VS“ gegeneinander.
Unbesiegbar? „Invincible VS“ schafft eine ganze neue Hierarchie im „Invincible“-Universum. Foto: © Skybound Games / TV Movie / PR

Meine Damen und Herren, hier ist sie: die wohl späteste Review zu „Invincible VS“, aber vielleicht auch die ausführlichste. Seit knapp einer Woche prügle, blocke und dashe ich mich durch das Fighting-Game und weiß nun, was die wahre Schwäche der Viltrumiten ist: Ich.

Aber kommt beim Spielen wirklich ein unbezwingbares Hoheitsgefühl auf oder ist das Spiel eher ein wirres Schlachtfeld, auf dem man nie weiß, was los ist?

„Invincible VS“: „Look what they need to mimic a fraction of our power“

Um die wichtigste aller Fragen zuerst zu klären: Wie mächtig fühlt man sich in „Invincible VS“? Sehr, sehr mächtig. Als jemand, der sonst in Brawlern eher weniger dominiert, konnte ich zumindest im Story-Modus alle Gegner und Gegnerinnen problemlos zerlegen. Egal, ob Lucan, Anissa, Cecil oder Conquest – niemand hatte eine Chance gegen mich.

In einer unfassbaren Geschwindigkeit treffen hier Fäuste auf Gesichter, Wurfgeschosse auf Torsos und Nasen auf die Knie. Dabei schmatzt in typischer „Invincible“-Manier das Blut, während man die wuchtigsten Schläge der Fighting-Game-Geschichte austeilt. Und das ist alles ganz nett, aber …

„Think, Mark, think!“: Das ambivalente Kampfsystem von „Invincible VS“

Ebenso wie Mark Grayson aka Invincible war ich zu Beginn etwas zu hochmütig. Plötzlich stand Omni-Man vor mir und ich wusste nicht, wie ich blocken kann. Ergo hat mir mein Spielvater eine mehr als schmerzhafte Lektion erteilt, die mich erst einmal zum Tutorial geführt hat, wo mir Robot das mehr als vielschichtige Kampfsystem erklärt hat.

Und, Herr im Himmel, gibt es viele Moves, die man auf dem Boden und/oder in der Luft ausführen kann. Auf dem Blatt klingt das alles super, aber es ergibt sich ein Problem: Sobald man erst einmal verstanden hat, was man tun kann oder muss und sich zurück aufs Schlachtfeld begibt, merkt man schlagartig, dass das Spiel vielleicht gar nicht so schwer ist, wie man anfänglich dachte. Von einer Sekunde auf die andere war Lucan nicht mehr das Schlimmste, was mir jemals in der Arena begegnet ist, sondern eher das geringste Übel. Um es noch einmal zu erwähnen: Ich habe keine Ahnung von Fighting-Games und war in der Lage, den Story-Modus in vierzig Minuten durchzuspielen.

Wenn die Engineers an der Story rumschrauben: Was erzählt „Invincible VS“

In der vierten Staffel sahen sich viele „Invincible“-Fans erstmalig mit einer durchwachsenen Folge konfrontiert: „Hurm“ war eine Episode, die sich nicht an die Comic-Vorlage hielt und für viele eher ein Showstopper war. Was man dieser Episode aber lassen muss, ist, dass sie sich dennoch in die Show einwebt und weiß, was sie sein will.

Wenn sich die Storyline von „Invincible VS“ in der Serie ereignen würde, dann wüsste man ehrlich gesagt nicht ganz, wo sie im Kanon einzuordnen wäre – und ob sie die Serie tatsächlich voranbringen würde. Ich verstehe das Problem, wenn man bestimmte Charaktere in seinem Roster hat und einen Weg finden muss, diese in einer Geschichte zusammenzubringen. Leider sind derartig erzwungene Umstände selten organisch – und das zeigt sich.

Darüber hinaus fühlt sich alles recht repetitiv an, da sich häufig die ewig gleiche limitierte Auswahl an Charakteren auf die Fresse haut. Gleichzeitig muss man dem Spiel absurderweise anrechnen, dass es sich sehr treu in Bezug auf die Serie anfühlt, da der steife Animationsstil der Charaktere beinahe nahtlos herübergehoben wurde.

Was sich hingegen weniger treu anfühlt, sind die Charaktere selbst – zumindest was ihre Stimmen angeht. Erstaunlicherweise sind mit J.K. Simmons, Gillian Jacobs oder Jason Mantzoukas viele Originalsprecher vertreten. Doch es gibt auch einige Personen, die ihr Bestes tun müssen, den nicht anwesenden Synchronsprechern gerecht zu werden, und das gelingt mal mehr und mal weniger. Am schlimmsten stechen hierbei die Sprecher für Allen und Powerplex hervor, die sich nicht einmal mit viel Fantasie wie die von Seth Rogen und Aaron Paul anhören.

„Invincible VS“: Nice to have – aber vielleicht eher im Sale

Als wirklich großer „Invincible“-Fan muss ich zugeben, dass viele meiner Kritikpunkte eher Nitpicking sind, aber andererseits sind die meisten „Invincible“-Fans wirklich tief in der Lore drin, was voraussichtlich dazu führen wird, dass viele dasselbe wie ich kritisieren werden.

„Invincible VS“ ist spaßig, aber man gerät immer wieder an Scheidepunkte, an denen man sich denkt: „Diese Mechanik oder diese Plotentwicklung könnte besser ausgearbeitet sein.“ Das Ende des Story-Modus macht klar, dass entweder ein DLC oder ein zweiter Teil die Geschichte fortführen werden, aber andererseits bin ich mir unsicher, wie viele „Invincible“-Fans sich jetzt wirklich darauf freuen, als Immortal spielen zu können.

Meiner Meinung nach sollte man warten, bis das Spiel im Sale ist, denn der Umfang, in dem „Invincible VS“ gerade erschienen ist, rechtfertigt nicht unbedingt den Preis.

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