Zum Hauptinhalt springen
„Wir konnten nur ziemlich dilettantisch vorgehen“

Wie 9/11 das deutsche Fernsehen lahmlegte – und für immer veränderte

Shows verschwanden, Musiksender verstummten und Millionen Menschen suchten vor dem Fernseher nach Antworten: Die Anschläge vom 11. September 2001 versetzten auch das deutsche TV vor 25 Jahren in einen Ausnahmezustand – und veränderten es nachhaltig.

 Am Morgen des 11. September 2001 sind zwei Passagierflugzeuge in die Türme des Word Trade Centers gerast und explodiert. Eine schwarze Rauchsäule zeigt auf.
Die Bilder der Terroranschläge vom 11. September haben sich in die Köpfe der Menschen eingebrannt. Auch auf die deutsche Fernsehlandschaft hatte der Tag, der sich nun zum 25. Mal jährt, einen nachhaltigen Einfluss. Foto: © RTL II

Es ist auf den Tag genau 25 Jahre her, dass um 15.09 Uhr bei RTL plötzlich „Der Schwächste fliegt“ mit Sonja Zietlow unterbrochen wird. Peter Kloeppel erscheint auf dem Bildschirm und berichtet von einem Anschlag auf das World Trade Center in New York. Zu diesem Zeitpunkt ist noch völlig unklar, welches Ausmaß die Katastrophe annehmen wird – und dass auch das deutsche Fernsehprogramm für Stunden nahezu zum Erliegen kommt.

Nach knapp sechs Minuten kehrt RTL tatsächlich noch einmal zum Quiz zurück. Doch nur 13 Minuten später, um 15.28 Uhr, ist endgültig Schluss mit Unterhaltung. Kloeppel übernimmt erneut und bleibt schließlich rund siebeneinhalb Stunden auf Sendung.

Wie plötzlich auch die RTL-Redaktion von den Ereignissen überrollt wird, zeigt Peter Kloeppels Erinnerung an diesen Nachmittag. Gegen 14.53 Uhr erreichen die ersten Meldungen aus New York die Redaktion, Kloeppel sitzt zu diesem Zeitpunkt noch in seinem Büro. Während er sich kurz darauf für die Sondersendung in der Maske vorbereitet, sieht er im Fernsehen, wie das zweite Flugzeug in den Südturm rast – und hält die Bilder zunächst für eine Wiederholung des ersten Einschlags. Wenig später sitzt er im Studio. Dass daraus eine mehr als siebenstündige Live-Moderation und die bis dahin längste RTL-Sondersendung werden würde, kann zu diesem Zeitpunkt niemand ahnen. Für die Berichterstattung werden Kloeppel und das RTL-Team später mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Adolf-Grimme-Preis.

11. September 2001: Plötzlich schauen 80 Prozent Nachrichten und Sondersendungen

Eine alte Aufnahme zeigt Peter Kloeppel (links) im Februar 1992 an der Seite von Peter Pit Kleim (rechts) vor den Twin Towers des World Trade Centers
Eine alte Aufnahme zeigt Peter Kloeppel (links) im Februar 1992 an der Seite von Peter Pit Kleim (rechts) vor den Twin Towers des World Trade Centers. Er war von 1990 bis 1992 USA-Korrespondent in New York für RTLplus, bevor er im selben Jahr als Chefmoderator zu RTL Aktuell nach Deutschland wechselte. Foto: IMAGO / teutopress

Nicht nur auf RTL ist das, was am 11. September 2001 passiert, der außergewöhnlichsten Tage der deutschen Fernsehgeschichte.

Wie radikal sich das Fernsehen an diesem Tag verändert, zeigen Zahlen der damaligen AGF/GfK-Auswertung: 60 Prozent des TV-Angebots bestehen am 11. September aus Information und Infotainment. Bei der tatsächlichen Fernsehnutzung sind es sogar 80 Prozent.

RTL berichtet bis 22.30 Uhr durchgehend. ZDF und Das Erste steigen noch am Nachmittag in die Sonderberichterstattung ein, später folgen Sat.1, RTL II, ProSieben und Vox.

Selbst Sender ohne klassisches Nachrichtenprofil reagieren: 9Live stoppt seine Telefongewinnspiele und übernimmt N24. VIVA stellt sein Musikprogramm ein.

Und das Publikum schaut zu. Die „Tagesschau“ erreicht am 11. September 9,91 Millionen Zuschauer, „heute“ im ZDF 7,89 Millionen und „RTL Aktuell“ 5,66 Millionen. Allein in der Woche der Anschläge kommen im deutschen Fernsehen mehr als 156 Stunden Nachrichten- und Sonderberichterstattung zusammen.

Nach 9/11 verschwinden Shows und Filme

Auch Tage später ist an normales Fernsehen kaum zu denken. Sender überprüfen ihre Programme darauf, ob Bilder und Inhalte angesichts der Anschläge unangemessen wirken könnten.

Comedyshows wie „TV Total“, „Die Harald Schmidt Show“, „Bullyparade“, „Switch“, „7 Tage, 7 Köpfe“ und „Freitag Nacht News“ pausieren. Katastrophenfilme werden gestrichen, RTL tauscht sogar eine Episode von „Der Clown“ aus, weil darin ein Giftgasanschlag vorkommt.

Selbst der Fußball gerät in eine bizarre Situation: Die UEFA lässt ihre Spiele stattfinden. Der damalige Pay-TV-Anbieter Premiere World muss übertragen – doch Reporter weigern sich zu kommentieren. Einige Begegnungen laufen deshalb ohne Kommentar.

Stefan Raab kehrt schließlich am 17. September mit „TV Total“ zurück und kündigt etwas an, das man so nicht von ihm kennt: eine zurückhaltendere Sendung. Harald Schmidt wartet bis zum 25. September. Seine zentrale Frage bei der Rückkehr: „Sind wir schon wieder so weit, dass wir lachen?“

9/11 verändert die Strukturen der ARD

Doch der 11. September legt nicht nur das reguläre Fernsehprogramm lahm. Die Anschläge offenbaren auch, dass manche Sender auf eine derartige Nachrichtenlage organisatorisch kaum vorbereitet sind.

Besonders deutlich zeigt sich das bei der ARD. Während private Sender bereits über die Anschläge berichten, läuft im Ersten zunächst noch ein Tierfilm. Der damalige „Tagesthemen“-Moderator Ulrich Wickert erinnert sich zehn Jahre später im Gespräch mit MEEDIA: „Ich setzte mich ins Studio und wusste nichts Genaues.“

Das Problem liegt nicht nur an der Geschwindigkeit, mit der sich die Ereignisse überschlagen. Die damaligen Strukturen der ARD verhindern, dass die Redaktion von ARD-Aktuell in Hamburg einfach selbst das laufende Programm unterbrechen kann. Wickert urteilt rückblickend ungewöhnlich deutlich:

„Wir waren überhaupt nicht auf solch ein Ereignis vorbereitet. Heute würde ich sagen, da konnten wir nur ziemlich dilettantisch vorgehen.“
Ulrich Wickert blickt 2011 gegenüber „MEEDIA“ zurück

Auch technisch wirkt die Situation aus heutiger Sicht beinahe aus der Zeit gefallen. Agenturmeldungen werden Wickert während der Sondersendung noch ins Studio gereicht. Gleichzeitig muss er mehrere Stunden live moderieren, ohne zu wissen, welche der eintreffenden Informationen tatsächlich stimmen.

Gerade deshalb entscheidet er sich bewusst für Zurückhaltung. „Ich habe daraus gelernt, dass man sehr vorsichtig sein muss, was man als Fakt verkauft“, erklärte Wickert später. Auch die eigenen Gefühle hätten dabei zurückzustehen: „Ein Journalist sollte sich in solch einem Moment hüten, die Nachricht auch noch zu emotionalisieren.“

Das Erste zog aus 9/11 Lehren und Konsequenzen

Der 11. September hat für die ARD schließlich konkrete Folgen. Die Entscheidungsstrukturen werden überarbeitet. ARD-Aktuell kann fortan selbst entscheiden, wann ein außergewöhnliches Ereignis eine Unterbrechung des laufenden Programms rechtfertigt. Auch technisch wird nachgebessert: Moderator können Agenturmeldungen nun direkt über einen Monitor verfolgen.

Wickert bezeichnete das neue Recht zur Programmunterbrechung später als „eine ganz wesentliche Veränderung“. 9/11 veränderte damit nicht nur das deutsche Fernsehprogramm für einige Tage – sondern sogar die Art, wie die ARD bis heute auf außergewöhnliche Nachrichtenlagen reagieren kann.

Ed Sheeran Game of Thrones - Foto: HBO
Stars
Ed Sheerans Vermögen: So reich ist der Sänger!

Er zählt zu den erfolgreichsten Musikern seiner Zeit – und ist damit reich geworden. Wie hoch das Vermögen von Ed Sheeran ist, erfahrt ihr hier.

Mia hält im Vordergrund einen Fahrradlenker. Hinter ihr steht Markus in gelber Jacke vor einem Holzhaus mit roten Fensterläden. - Foto: ZDF/Sabine Finger Fotografie
Folge 2
„Die Bergretter“, Staffel 18: Mia verunglückt mit dem Auto! Wie schlimm ist sie verletzt?

In Folge 2 von „Die Bergretter“ steht Katharinas schwere Erkrankung im Fokus. Doch auch die Sorge um Mia ist groß.

Carolin Kebekus hält im gelben Jumpsuit ein Mikrofon am Kabel. Neben ihr steht „Die Carolin Kebekus Show“ vor orangefarbenen Wolken. - Foto: WDR/btf/Frederike Wetzels
Prominente Unterstützung!
„Die Carolin Kebekus Show“ 2026: Alle Gäste der neuen Staffel im Überblick

Carolin Kebekus meldet sich mit sieben neuen Folgen ihrer ARD-Comedyshow zurück. Welche prominenten Gäste in der neuen Staffel auftreten und wann die Folgen zu sehen sind.

Katrin Sass hält ein Schild „Einmal Mörder, immer Mörder!“. Neben einem leeren Stuhl sitzt Wolfgang Michael mit Handschellen. - Foto: (S2+). NDR Presse und Information
Mysteriöser Fund
„Usedom-Krimi: Mörder unter uns“ heute: Handlung & Vorschau auf die nächste Folge

Eine rätselhafte Blutspur versetzt Usedom in Angst und Schrecken. Warum die Insel einen Serienmörder fürchtet – und welcher Fall Karin Lossow nächste Woche erwartet.

Dr. Ben Ahlbeck und Dr. Julia Berger gehen in weißen Kitteln durch einen verglasten Gang. Sie hält ein Tablet, er gestikuliert. - Foto: © ARD/Michael Kremer
Turbulente Wochen am JTK
„In aller Freundschaft – Die jungen Ärzte“-Vorschau: Pfusch-Vorwurf gegen Moreau – und Olli träumt von Julia

Dr. Moreau muss plötzlich um seinen Ruf fürchten, während Olli ausgerechnet Julia nicht mehr aus dem Kopf bekommt. Und dann schaut auch noch eine Ärztin aus der Sachsenklinik am JTK vorbei.

Jenke von Wilmsdorff mit grauen Haaren und kurzem grauem Bart lächelt in die Kamera. Er trägt ein dunkles Hemd vor dunklem Hintergrund. - Foto: Imago/Rainer Unkel
Abseits der Kameras
„JENKE. Report“-Star Jenke von Wilmsdorff im Steckbrief: Ex-Frau, Freundin, Krankheit

Für seine TV-Experimente geht Jenke von Wilmsdorff regelmäßig an seine Grenzen. Doch wie lebt der Journalist privat und was ist über seine Ex-Frau Mia Bergmann bekannt? Die wichtigsten Fakten im Steckbrief.