„Babylon Berlin“ Staffel 5: Was ist wahr? Diese Geschichte hinter dem Finale gab es wirklich
„Babylon Berlin“ erzählt in Staffel 5 vom Untergang der Weimarer Republik und Hitlers Aufstieg. Doch was davon ist historisch belegt? Hinter der Krankenakte, dem Reichstagsbrand und den Nazi-Terror steckt teils erstaunlich viel Wahrheit.

Es ist der Anfang vom Ende – nicht nur für Gereon Rath (Volker Bruch) und Charlotte Ritter (Liv Lisa Fries), sondern für eine ganze Demokratie. Die fünfte und letzte Staffel von „Babylon Berlin“ spielt Anfang 1933, als Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt wird und die Nationalsozialisten innerhalb weniger Wochen ihre Macht ausbauen.
Seit dem 10. September 2026 stehen alle acht finalen Folgen in der ARD Mediathek. Im Ersten startet Staffel 5 am 19. September. Dabei vermischt die Serie erneut fiktive Kriminalhandlung mit historischen Ereignissen. Gerade diesmal verschwimmen die Grenzen besonders stark: Hitlers geheimnisvolle Krankenakte, sein Psychiater Edmund Forster, die Unterwanderung der Polizei und der Reichstagsbrand haben reale Vorbilder – aber längst nicht alles hat sich so abgespielt, wie „Babylon Berlin“ es erzählt.
„Babylon Berlin“ Staffel 5: So viel Wahrheit steckt hinter der Handlung
Der historische Rahmen ist real. Am 30. Januar 1933 ernannte Reichspräsident Paul von Hindenburg Adolf Hitler zum Reichskanzler. Für die Weimarer Demokratie begann damit ihre letzte Phase. Genau hier setzt „Babylon Berlin“ an. Während Charlotte und Gereon noch auf dem Berliner Presseball tanzen, verändert sich die politische Welt um sie herum dramatisch. Die Polizei wird zunehmend von nationalsozialistischen Kräften durchdrungen, Gegner des neuen Regimes werden verfolgt und verschwinden.
Die finale Staffel konzentriert sich auf die wenigen Wochen bis zum Reichstagsbrand in der Nacht vom 27. auf den 28. Februar 1933. Damit spielt die Serie in einer erschreckend kurzen Zeitspanne, in der demokratische Strukturen immer schneller beseitigt wurden.
Hitlers Krankenakte wird zum großen Geheimnis von „Babylon Berlin“
Im Zentrum der Kriminalgeschichte steht eine Mordserie an ehemaligen Soldaten des Ersten Weltkriegs. Eine entscheidende Rolle spielt dabei Dr. Edmund Forster (Ulrich Noethen), der brisante Informationen über Hitler besitzen soll. Charlotte sucht schließlich nach einer Krankenakte aus dem Jahr 1918. Dahinter steckt ein historischer Kern: Hitler wurde im Oktober 1918 tatsächlich in das Reservelazarett Pasewalk eingeliefert, nachdem er nach einem Gasangriff über Sehprobleme geklagt hatte.
In späteren Darstellungen entstand die Geschichte, Hitler sei dort psychiatrisch beziehungsweise mit Hypnose behandelt worden. Demnach soll die Behandlung sogar Einfluss auf seine spätere politische Selbstwahrnehmung genommen haben. Genau an dieser Stelle verlässt „Babylon Berlin“ jedoch den sicheren Boden historischer Fakten. Dass eine solche Behandlung tatsächlich stattgefunden hat, ist nicht zweifelsfrei belegt.
Die Serie macht aus dieser historischen Ungewissheit einen Thriller: Eine Akte über Hitlers Aufenthalt könnte das sorgfältig aufgebaute Bild des vermeintlich starken politischen Führers beschädigen – und wird dadurch lebensgefährlich für jeden, der von ihr weiß.
Gab es Hitlers Psychiater Edmund Forster wirklich?
Ja. Edmund Forster ist keine Erfindung von „Babylon Berlin“. Der Neurologe und Psychiater lebte von 1878 bis 1933 und leitete später die Universitäts-Nervenklinik in Greifswald. Deutlich schwieriger ist die Frage, ob er Hitler tatsächlich in Pasewalk behandelte. Dafür existieren Hinweise aus späteren Darstellungen, ein zweifelsfreier historischer Nachweis fehlt jedoch.
Gesichert ist hingegen, dass Forster nach der nationalsozialistischen Machtübernahme unter Druck geriet. 1933 verlor er seine Stellung und nahm sich wenig später das Leben. „Babylon Berlin“ verbindet damit eine reale historische Persönlichkeit mit einer fiktional ausgestalteten Geschichte um Hitlers Lazarettaufenthalt.
Die Nazis übernehmen die Polizei – auch das hat einen realen Hintergrund
Einer der bedrückendsten Aspekte der letzten Staffel ist die Veränderung innerhalb der Polizei. Charlotte muss erleben, wie „nationale Kräfte“ immer mehr Kontrolle gewinnen und ihre bisherigen Möglichkeiten als Ermittlerin schwinden. Auch dafür gibt es einen deutlichen historischen Hintergrund. Nach Hitlers Ernennung wurden staatliche Institutionen innerhalb kürzester Zeit umgebaut und politische Gegner verfolgt.
In „Babylon Berlin“ steht dafür unter anderem Regierungsrat Günter Wendt (Benno Fürmann). Die Figur ist fiktiv, erinnert in ihrer Funktion aber an reale Akteure jener Zeit. Eine wichtige Rolle spielte beispielsweise Magnus von Levetzow, der im Februar 1933 Berliner Polizeipräsident wurde. Wenige Tage später wurden zehntausende SA- und SS-Mitglieder zu sogenannten Hilfspolizisten ernannt. Die Serie verdichtet solche Entwicklungen auf ihre bekannten Figuren. Dass die Polizei zunehmend zu einem Instrument der neuen Machthaber wurde, ist jedoch keine Erfindung.
„Babylon Berlin“ und der Reichstagsbrand: Was geschah wirklich?
Der Reichstagsbrand am 27. Februar 1933 bildet schließlich einen entscheidenden historischen Fixpunkt des Finales. Am Tatort wurde der Niederländer Marinus van der Lubbe festgenommen. Bis heute wurde über mögliche Hintermänner und die genaue Entstehung des Feuers intensiv gestritten. „Babylon Berlin“ greift diese historische Debatte auf und entwickelt daraus seine eigene Interpretation. Unstrittig ist dagegen, was nach dem Brand passierte: Die Nationalsozialisten nutzten das Ereignis massiv für ihre politischen Ziele.
Bereits am 28. Februar wurde die sogenannte Reichstagsbrandverordnung erlassen. Sie setzte zentrale Grundrechte außer Kraft und erleichterte die Verfolgung politischer Gegner erheblich. Wenige Wochen später folgte am 23. März 1933 das Ermächtigungsgesetz, das die parlamentarische Demokratie faktisch beseitigte. Damit endet „Babylon Berlin“ an einem historischen Punkt, an dem für seine Figuren klar wird: Die Welt, in der ihre Geschichte begonnen hat, existiert nicht mehr.
„Babylon Berlin“ Staffel 5: Wann laufen die letzten Folgen im TV?
Wer das Ende sofort sehen möchte, kann bereits alle acht Folgen der fünften Staffel in der ARD Mediathek streamen. Im linearen Fernsehen teilt Das Erste das Finale auf zwei Abende auf. Die Folgen 1 bis 4 laufen am Samstag, 19. September, ab 20.15 Uhr. Die zweite Hälfte mit den Folgen 5 bis 8 folgt am Freitag, 25. September, ab 22.20 Uhr und reicht dabei bis nach Mitternacht.
Zusätzlichen Mehrwert bietet die begleitende Dokumentation „Babylon Berlin – Die Doku: Wie die Demokratie unterging“. Sie beschäftigt sich mit den realen Menschen und politischen Entwicklungen hinter der Serienhandlung und ist ebenfalls in der ARD Mediathek verfügbar. Wer nach Staffel 5 also wissen möchte, welche Ereignisse Charlotte und Gereon tatsächlich hätten erleben können und wo die Autoren historische Fakten für ihren Krimi verändert haben, findet dort die passende Ergänzung.







