HDMI 2.2 kommt 2027 – Chaos droht
Verdoppelung der Bandbreite und 4K mit 240 Hz – das ermöglicht der neue Standard HDMI 2.2. Doch es gibt Zweifel, ob der Name immer hält, was er verspricht.

Im Jahr 2027 sollen erste Fernseher mit HDMI 2.2 in den Handel kommen. Die ersten Kabel wird es schon in diesem Jahr geben. Ihr wisst, was das bedeutet: Es kann gut sein, dass das dann nicht zusammenpasst. Die Fehler bei der Einführung von HDMI 2.1 könnten sich wiederholen.
Nur ein Teil der Kabel, die das HDMI-2.2-Label tragen, werden auch eine Ultra96-Zertifizierung haben. Nur diese garantieren dir Bandbreiten von bis zu 96 Gbps. Mit etwas Pech bremst das HDMI-Kabel dann deinen neuen HDMI-2.2-Fernseher aus.
Das Problem liegt nicht nur bei den Herstellern und ihren Versprechen: Der neue HDMI-Standard wurde im Januar 2025 festgelegt, aber eindeutig ist er nicht.
Mehr Bandbreite mit HDMI 2.2 und bessere Bilder
Der neue Standard sieht Folgendes vor: HDMI 2.2 ermöglicht eine Übertragungsrate von maximal 96 Gbps ‒ das ist doppelt so viel wie HDMI 2.1 mit 48 Gbps. Die höhere Bandbreite wird dann vor allem genutzt werden, um die Bildqualität zu verbessern:
4K bei 240 Hz (unkomprimiert)
4K bei 480 Hz (mit DSC-Kompression)
8K bei 120 Hz (unkomprimiert)
12K (mit geringer Bildfrequenz)
16K (mit noch geringerer Bildfrequenz)
Wenn du eben beim Wort maximal gestutzt hast: HDMI 2.2 wird es in drei Bandbreiten geben: 64, 80 oder 96 Gbps. Alle drei dürfen das Label HDMI 2.2 tragen.
Wenn du zum Beispiel 4K bei 240 Hz ohne Kompression nutzen willst, kommst du mit 64 Gbps nicht hin. Das ist aber auf den ersten Blick beim Kauf des Kabels nicht zu erkennen. Die Hersteller werden das in den seltensten Fällen transparent kommunizieren.
Das Format der Stecker bleibt auf jeden Fall gleich. HDMI 2.2 ist deshalb abwärtskompatibel. Wenn eine Komponente im System nur HDMI 2.1 beherrscht, fällt die gesamte Übertragung auf HDMI 2.1 zurück.
Bild und Ton besser synchronisiert
Neu in HDMI 2.2 ist das Latency Indication Protocol (LIP). Es soll Bild und Ton in deinem Heimkino-Setup besser synchronisieren.
Aktuell entstehen noch Verzögerungen, wenn Bild und Ton über mehrere Geräte wandern – von TV zu Soundbar oder AV-Receiver. LIP behebt das Problem, indem die Geräte untereinander Informationen zum Timing austauschen.
Wer HDMI 2.2 nutzen wird
HDMI 2.1 ist schon ziemlich gut. Der neue Standard HDMI 2.2 wird also nur bei wenigen Anwendungen einen Qualitätsgewinn bringen. Diese Gruppen dürfen sich darüber freuen:
PC-Gamer profitieren am stärksten. Wer in 4K mit 240 Hz spielen will, war bisher auf DisplayPort angewiesen – HDMI konnte das nicht liefern. Mit HDMI 2.2 schließt sich diese Lücke.
Next-Gen-Konsolen werden folgen. Die PS5 braucht HDMI 2.2 nicht, aber ihre Nachfolger werden es nutzen – und dann wird der Standard an Bedeutung gewinnen.
Heimkino-Fans interessiert vor allem LIP. Wer TV, Soundbar und AV-Receiver kombiniert, könnte von der verbesserten A/V-Synchronisation profitieren – sofern alle Geräte in der Kette das Protokoll unterstützen.
Wer hauptsächlich streamt, braucht sich keine Gedanken zu machen. Netflix, Disney+ und Co. liefern kein Material, das mehr als HDMI 2.1 erfordert. Das wird sich in absehbarer Zeit nicht ändern.
Und 8K? Technisch ist es der offensichtlichste Nutznießer von 96 Gbps. Praktisch spielt es keine Rolle – 8K-Content bleibt eine Randerscheinung, 8K-Fernseher verschwinden eher vom Markt als dass sie zulegen.
Das HDMI-2.1-Chaos im Rückblick
Das Problem mit HDMI 2.1 bestand in der chaotischen Einführung ab 2019. Die vollständige Spezifikation sah 48 Gbps vor – und damit Features wie 4K bei 120 Hz, VRR für flüssiges Gaming und ALLM, den automatischen Niedriglatenz-Modus.
Das HDMI Forum stellte jedoch die Zertifizierung für HDMI 2.0 ein. Neue Geräte liefen damit automatisch unter dem Label HDMI 2.1 – unabhängig davon, wie viel vom Standard sie tatsächlich unterstützten. Es folgte eine jahrelange Verwirrung bei den Käuferinnen und Käufern.
So wurden viele Beamer mit HDMI 2.1 beworben, boten aber nur eARC – kein ALLM, kein VRR und kein 4K bei 120 Hz. Die PlayStation 5 liefert bis heute am HDMI-Ausgang maximal 40 Gbps, obwohl der Standard 48 Gbps vorsieht. Und bei Fernsehern variierte der Funktionsumfang je nach Modell erheblich, ohne dass der Hersteller darauf hinwies.
Niemand konnte dem Aufdruck HDMI 2.1 vertrauen. Wer sichergehen wollte, musste ins Datenblatt schauen – und das tun die wenigsten. Dieses Muster scheint sich mit der Einführung von HDMI 2.2 zu wiederholen. Mittelfristig wird das HDMI Forum die Zertifizierung für HDMI 2.1 wieder einstellen – genau wie damals mit HDMI 2.0.
Fazit: HDMI 2.1 reicht meist aus
Wer jetzt einen guten Fernseher mit HDMI 2.1 kauft, ist für viele Jahre gerüstet. Der Standard ist ausgereift. Die Geräte liefern, was sie versprechen – wenn man genau hinschaut.
Wer 2027 oder 2028 kauft, sollte sich das HDMI-2.1-Chaos in Erinnerung rufen. Das Label allein sagt dann wieder wenig aus. Du solltest ins Datenblatt schauen: Wie viele Gbps liefert dieser konkrete HDMI-Anschluss? Alles andere ist Marketing.







