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ZDF | „Liebe auf Persisch“ Interview mit Felix Klare: „Der Iran ist eine komplett andere Welt“

Im Film „Liebe auf Persisch“ dreht sich alles um eine unbezahlte Teppichmaschine, einen verschollenen Vater und einen etwas verklemmten Spießer, der im Iran die Liebe kennenlernt.

„Liebe auf Persisch“ mit Felix Klare: „Der Iran ist eine komplett andere Welt“
Felix Klare spielt Robert im Film "Liebe auf Persisch" / Matthias Nareyek/Getty Images

Von seiner alarmierten Mutter erfährt Robert (Felix Klare), dass sich sein Vater Achim (Günther Maria Halmer) im Iran, in Teheran befindet. Um ihn zurückzuholen, reist Robert in das weit entfernte Land. Um durch den Iran reisen zu können geht er sogar eine Zeit-Ehe mit seiner Gefährtin Shirin (Mona Pirzad) ein. Zusammen sind die der Vergangenheit seines Vaters auf der Spur.

Die Liebeskomödie wird am Freitag den 19.10.2018 auf ARD gezeigt. Es ist der erste deutsche TV-Film, der seit den 1970er Jahren im Iran gedreht wurde. Entstanden ist eine Mischung aus Familiendrama und romantischer Komödie, die mit herrlich erfrischendem Humor versucht mit Vorurteilen aufzuräumen.

Felix Klare spricht im Interview mit Michelle Welsing über die Herausforderung der Dreharbeiten zu „Liebe auf Persisch“ in dem fremden Land und was ihn am Iran und den Menschen beeindruckt hat.

© ARD Degeto/Olaf Raymond Benold

Robert ist ein Einzelkind und hat keinen guten Draht zu seinen Eltern. Sie kennen das Leben in einer großen Familie. War es schwer sich in Robert hineinzuversetzen?

Nein eigentlich gar nicht. Die Rolle ist als starke Figur angelegt. Nicht im Sinne von starken Muskeln, sondern Robert ist eine sehr extreme Figur. Ich habe mir schon lange gewünscht endlich mal eine Komödie spielen zu können. Ich bin froh, dass es kein Schenkelklopfer Film ist, sondern ein Film mit einem sehr feineren Humor. Robert ist ein verklemmter Spießer und genau das macht großen Spaß  zu spielen. In der Schauspielschule habe ich am liebsten Komödien gespielt. Das war eigentlich mein Steckenpferd. Bisher konnte ich es nur leider noch nicht zeigen.

Hatten Sie mit anderen Herausforderungen zu kämpfen beim Dreh?

Mit der Rolle nicht. Die Herausforderung war eigentlich sich in dem Land zu Recht zu finden. Ich habe mich im Vorfeld absichtlich nicht zu viel über den Iran informiert. Das hat mir bei der Rolle geholfen. Robert und ich wurden quasi in die Situation geworfen. Im Film befand Robert sich auch von heute auf morgen in einem fremden Land.

Welche Vorstellung hatten Sie vom Iran bevor Sie dort waren?

Ich habe eine sehr gute Freundin, die halbe Iranerin ist. Sie hat mir einiges erzählt.  Ich wusste also schon, dass die Küche sehr gut sein soll. Das kann ich nur bestätigen. Dann war natürlich ganz klar, dass es ein Land mit einer Jahrtausend Jahre alten Kultur ist. Das spiegelt sich in allem wieder. Deswegen kann ich es nur empfehlen dort einmal hinzufahren. Die Bauwerken, die Parks und Kulturschätze, die das Land hat und die Landschaft allgemein sind faszinierend! Ganz besonders spürt man die Kultur auch in Bezug auf die Menschen. Unser Team war fast 80 Mann stark. Davon waren sechs Deutsche und drei davon Schauspieler. Es waren also ziemlich viele Iraner und Iranerinnen um mich herum. Ich denke, dass ich dadurch das Land ziemlich gut kennen gelernt habe.

© ARD Degeto/Olaf Raymond Benold

Inwieweit konnte man den Iranern ihre Jahrtausend Jahre alte Kultur anmerken?

Die Menschen kommen einem mit einer enormen Achtung entgegen. Auch untereinander . Sie haben eine sehr höfliche Art miteinander zu sprechen. Das hat mir total gut gefallen. Im Gegensatz zu Amerika, wo man fragt „How do you do?“ und keinen interessiert die Antwort. Im Iran ist es das genaue Gegenteil. Es ist ein sehr höflicher und vorsichtiger Umgang miteinander. Das fand ich schön. Ich denke das kommt auch durch den kulturellen Hintergrund.

Was hat sie an dem Land am meisten beeindruckt?

Das waren eher viele kleine Details. Wenn man im Iran ankommt, ist es eine komplett andere Welt. Vor zwei Jahren habe ich in Island gedreht. Das war auch ziemlich beeindruckend. Vor  fünf Jahren war ich in Brasilien für den Film „Fluss des Lebens – Verloren am Amazonas“. Da dachte ich auch schon, das seien andere Welten. Waren sie auch, aber der Iran hat das noch mal getoppt. Da gibt es kein H&M. Coca Cola, wenn man überhaupt irgendwo eine findet, erkennt man nur an den Farben. Denn das typische Logo besteht aus den schön geschwungenen arabischen Schriftzeichen von rechts nach links. Außerdem gibt es zehnspurige Straßen - einfach ohne Markierung. Selbst das Licht ist anders. Die Gerüche. Die Luftfeuchtigkeit ist gleich Null. Es ist eine komplett andere Welt.

Sie sagten einmal menschliche Beziehungen faszinieren Sie. Was konnten Sie bei dem Filmprojekt über menschliche Beziehungen lernen?

Dazu fällt mir etwas ganz Entscheidendes ein. Frauen dürfen in der Öffentlichkeit nicht berührt werden. Doch die Männer gehen viel körperlicher miteinander um, als bei uns. Das krasseste Beispiel erlebte ich schon am zweiten Tag. Es gingen zwei Soldaten an mir vorbei. Händchenhaltend und mit aufgesetztem Pokerface. Dieses typisch ernste Gesicht, das alle Soldaten weltweit drauf haben. Das war ein absurdes, aber auch wahnsinnig lustiges Bild. Denn ich glaube Homosexualität wird dort nicht wirklich toleriert. Auch am Set gab es viele Berührungen und Umarmungen. Es war sehr herzlich dort drüben. Außerdem ist das Konkurrenzdenken dort nicht so groß. Ich denke das kommt aus der westlichen Welt. Dort gibt es nur einen Sieger und einen Verlierer. Das habe ich im Iran gar nicht so wahrgenommen. Also als Mann. Als Frau ist das wieder was komplett anderes.

© ARD Degeto/Olaf Raymond Benold

Würden Sie sagen das ist etwas was wir von den Iranern lernen können?

Ja irgendwie schon. Wie gesagt, darf man die Frauen nicht berühren. Außer sie reicht dir die Hand zum Guten Tag sagen. Ansonsten sind sie unantastbar. Das Thema Kopftuch hat mich lange beschäftigt. Ich habe es versucht als gesetzmäßig zu akzeptieren. Doch ich habe auch etwas Schönes daran entdecken können. Es rahmt das Gesicht sehr schön ein. Es ist wie ein Bilderrahmen. Dadurch schaut man noch fokussierter in die Gesichter und die Ausstrahlung des Menschen ist noch deutlicher. Der ganze Körper ist so unter Tüchern und Schleiern verhangen, dass man eine Figur nur erahnen kann. Das hat auch was Schönes. Doch die andere Seite wurde deutlich, als wir in der Stadt Kaschan waren. Dort ist es sehr religiöser und konservativ. Man merkte, dass dieses geknotete Kopftuch den Kopf nach vorne schiebt. Man hat das Gefühl da sitzt etwas im Nacken. Das zeigt leider doch, dass die Frauen in dem Land nicht wirklich frei sind.

Der Film thematisiert die Ehe auf Zeit. Was denken Sie darüber?

Ich glaube das ist eine Art Ausflucht für manche, um sich ein bisschen besser kennenzulernen oder um es miteinander zu probieren. Ich kenne die Gesetzmäßigkeit nicht wirklich. Dadurch, dass wir das etwas komödiantisch behandeln, habe ich mich damit nicht so sehr auseinander gesetzt.

Gab es große Unterschiede bei den Dreharbeiten im Gegensatz zu Deutschland?

Ja auf jeden Fall. Die Umstände waren nie einfach. Es kam manchmal vor, dass Spielwagen nicht wie verabredet vor Ort waren. Bei den Iranern gibt es kein „Nein“. Da gibt es nur ein „Ja“ und ein „Vielleicht“. Bei vielleicht kann man ziemlich sicher gehen, dass man keine Chance hat. Das mussten wir lernen. Außerdem war die Technik jeden Tag sehr gefordert. Wir haben zum Beispiel in einem Bazar gedreht, in dem tausende Leute herumliefen. Selbst die Iraner haben gesagt, sie würden niemals im Bazar drehen. Das wäre ja Wahnsinn. Aber es hat Spaß gemacht mit den Leuten zusammenzuarbeiten. Wenn der iranische Maskenbildner an mir wochenlang rumpinselt, kommt man natürlich ins Gespräch. Das war sehr interessant.

Es ist der erste deutsche TV-Film, der im Iran gedreht wurde. Können Sie sagen wie es dazu kam?

Ich weiß nur, dass Ivo Beck, der Produzent, die Idee hatte das Land zu zeigen. Ihn hat es fasziniert. Es gab keinen Kontakt von irgendeinem europäischen Team zum Iran. Höchstens mal eine Dokumentation. Vielleicht sollten durch den Film Vorurteile aus dem Weg geräumt werden. Klar, man hätte auch einen Arthaus-Film oder einen politischen Film drehen können. Doch ich finde es für eine erste Annäherung an das Land gar nicht schlecht, wenn man mit einer feinen Komödie anfängt und sich langsam heran tastet.

© ARD Degeto/Olaf Raymond Benold

Was hat an den Dreharbeiten am meisten Spaß gemacht?

Morgens aufzuwachen, den Vorhang vom Hotelzimmer wegzuziehen und in dieser anderen Welt zu sein. Jedes Mal wenn ich aufgewacht bin dachte ich: Was passiert heute? Die Orte, die Menschen, die Gespräche; das war ein Geschenk. Ich weiß nicht, wie es ist, als Tourist dorthin zu fahren. Aber vor den Menschen muss man überhaupt keine Angst haben. Trotzdem sollte man sich vor dem Urlaub über einige Sachen genauer informieren. Denn als Schauspieler waren wir durch das Team sehr behütet und geschützt.

Würden Sie zum Urlaub machen gerne noch mal in den Iran reisen?

Ja entweder Urlaub oder noch mal dort drehen. Jetzt weiß ich ja, was mich dort erwartet. Das kann ich nur empfehlen.

War es schwer für Sie so lange von zu Hause weg zu sein?

Auf der einen Seite natürlich schon. Auf der anderen Seite ist jeden Tag so viel passiert und es gab so viele Eindrücke, da hatte ich gar nicht die Gelegenheit meine vertraute Umgebung stark zu vermissen. Außerdem war ich jeden Tag sehr gefordert beim Drehen. Der Regisseur war stark damit beschäftigt, dass die Technik funktioniert. Ich konnte mir keine großen Texthänger erlauben, damit ich die Dreharbeiten nicht auch noch bremse. Das hat mich stark gefordert und mir viel abverlangt, aber das ist genau was ich will und suche.



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