„War damals schon nicht okay“: Markus Lanz kritisiert Thomas Gottschalk
Markus Lanz blickt auf die „Wetten, dass..?“-Ära von Thomas Gottschalk zurück – und findet überraschend deutliche Worte für dessen Umgang mit weiblichen Gästen.

Eigentlich spricht Markus Lanz voller Vorfreude über die Zukunft von „Wetten, dass..?“. Am 5. Dezember übernehmen Bill und Tom Kaulitz einmalig die traditionsreiche ZDF-Show – und ihr Vorgänger Lanz hält die ungewöhnliche Wahl für genau richtig.
Doch im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur geht es zwangsläufig auch um den Mann, der „Wetten, dass..?“ über Jahrzehnte geprägt hat: Thomas Gottschalk. Und bei dessen Vermächtnis schlägt Lanz überraschend kritische Töne an.
„Ich hatte immer das Gefühl, da gab es so einen großen Phantomschmerz eines ganzen Landes über den Verlust und den Abschied von Thomas Gottschalk“, sagt er über die enorme Bedeutung seines Vorgängers.
Dann folgt jedoch ein Satz, der aufhorchen lässt: „Der war anders, der war flapsig und immer schon ein bisschen übergriffig.“
„Das war damals schon eigentlich nicht mehr okay“
Gemeint ist vor allem Gottschalks körperlicher Umgang mit weiblichen Prominenten bei „Wetten, dass..?“. Alte Ausschnitte aus der Show sorgen bis heute regelmäßig für Diskussionen – etwa Szenen, in denen der Moderator weibliche Gäste berührt oder ihnen sehr nahekommt.
Gottschalk selbst hatte die Kritik 2024 zurückgewiesen. Gegenüber dem „Spiegel“ erklärte er damals: „Ich habe Frauen im TV rein dienstlich angefasst.“ Er verglich das mit Schauspielern, die sich für eine Rolle küssen.
Gleichzeitig sagte er, dass er sich heute anders verhalten würde, weil bestimmte Dinge inzwischen als politisch inkorrekt wahrgenommen würden.
Genau an diesem Punkt widerspricht Lanz. Denn seiner Ansicht nach ist die Vorstellung falsch, Gottschalks Verhalten werde nur mit heutigen Maßstäben kritisch betrachtet.
„Das wird heute diskutiert. Und das Interessante ist, dass man immer vergisst: Das war damals schon eigentlich nicht mehr okay“, stellt Lanz klar.
Tatsächlich gab es entsprechende Kritik schon während Gottschalks aktiver „Wetten, dass..?“-Zeit. Bereits Jahre vor der heutigen Debatte wurde sein Umgang mit weiblichen Gästen in Medien öffentlich hinterfragt.
Markus Lanz würdigt Thomas Gottschalk trotzdem
Zur kompletten Abrechnung wird Lanz' Rückblick allerdings nicht. Denn gleichzeitig macht er deutlich, warum Gottschalk für eine ganze Fernsehgeneration so wichtig wurde.
„Er hat eben anders geredet“, sagt Lanz. Statt des klassischen „Guten Abend, meine Damen und Herren“ habe Gottschalk eher für eine Haltung nach dem Motto „Hier sind wir und jetzt Rock ’n’ Roll“ gestanden.
Genau darin sieht Lanz sogar eine Verbindung zu Bill und Tom Kaulitz, die im Dezember die Neuauflage übernehmen.
„Ich freue mich auf jeden Fall sehr darauf“, sagt er über die beiden. „Ich mag die beiden sehr und wünsche ihnen, dass das klappt.“ Ihre Chance liege gerade darin, nicht ehrfürchtig das alte „Wetten, dass..?“ nachbauen zu wollen: „Ich glaube, so komplett anarchisch daranzugehen, ist genau das Richtige.“
Markus Lanz kennt den „Wetten, dass..?“-Druck selbst
Lanz weiß dabei aus eigener Erfahrung, wie schwer es ist, Gottschalk bei der ZDF-Show nachzufolgen. Er übernahm „Wetten, dass..?“ von 2012 bis 2014 und wurde während seiner Zeit als Moderator massiv kritisiert.
Der enorme Vergleich mit Gottschalk dürfte auch der Grund sein, weshalb Lanz heute von einem regelrechten „Phantomschmerz“ des Publikums spricht.
Bei den Kaulitz-Brüdern hofft er nun offenbar auf einen echten Neuanfang. Die Zwillinge moderieren am 5. Dezember 2026 live aus Halle (Saale) eine zunächst einmalige Ausgabe.


