„Team Wallraff“ deckt auf: Schockierende Zustände bei Jugendreisen
In der neuen Folge von „Team Wallraff“ nimmt die Redaktion einen Anbieter für Jugendreisen unter die Lupe. Im Fokus stehen vor allem Partyreisen für Jugendliche – und die Frage, ob die jungen Teilnehmer:innen dort ausreichend geschützt werden. Ein geschilderter Vorfall lässt die Undercover-Reporterin besonders aufhorchen.

„Team Wallraff“ ist wieder undercover unterwegs. Dieses Mal führt die Recherche in die Welt der Jugendreisen. Das Angebot reicht von Städte- und Sprachreisen bis zu Feriencamps und Partyurlauben. Vor allem Letztere nimmt das Team genauer unter die Lupe.
Denn wo viele junge Menschen gemeinsam feiern und Alkohol konsumieren, stellt sich auch die Frage nach Aufsicht und Jugendschutz. „Team Wallraff“-Reporterin Sophia will herausfinden, wie der untersuchte Veranstalter mit solchen Situationen umgeht – und stößt dabei auf einen Fall, bei dem es um heimliche intime Aufnahmen einer minderjährigen Teilnehmerin geht.
„Team Wallraff“ recherchiert undercover bei Jugendreisen
Im Gespräch berichtet eine minderjährige Teilnehmerin der Reporterin von einem Vorfall während einer Partyreise. Demnach soll es zwischen ihr und einem Jungen zum Oralsex gekommen sein. Ihre beste Freundin soll die Situation heimlich gefilmt haben – offenbar mit der Absicht, das Video anschließend weiterzuverbreiten. Nach Schilderung der Jugendlichen griff ein Teamer ein. Die Freundin habe das Video daraufhin gelöscht. Weitere Konsequenzen soll es jedoch nicht gegeben haben.
Der geschilderte Fall ist auch rechtlich brisant. Paragraph 184c StGB stellt zwar nicht pauschal das Filmen von 14- bis 17-Jährigen unter Strafe, betrifft aber jugendpornografische Inhalte und regelt unter anderem deren Herstellung, Besitz und Verbreitung. Ob eine konkrete Aufnahme darunter fällt und welche weiteren Straftatbestände möglicherweise einschlägig sind, hängt vom Inhalt und den genauen Umständen des Einzelfalls ab. Für die Recherche stellt sich damit vor allem die Frage, wie ein Jugendreise-Veranstalter reagieren muss, wenn ihm ein solcher Vorfall bekannt wird.
Sophia konfrontiert die Reiseleitung mit dem Fall. Die Reaktion lässt sie allerdings mit weiteren Fragen zurück: „Da ist es dann halt immer wichtig, dass wir sagen, ok, der Teamer redet erstmal mit den betroffenen Gästen darüber und erklärt ihnen, warum das nicht geht. Und dann kann man bisschen schauen und sie sich einfach ein bisschen wohler mit der Situation fühlen, wenn sie nicht direkt beim Chef sitzen müssen“, erklärt die Reiseleitung.
Für Sophia stellt sich daraufhin die Frage, ob ein möglicherweise strafrechtlich relevanter Vorfall mit einer solchen Reaktion ausreichend ernst genommen wird.
Bundesbeauftragte kritisiert Umgang bei Jugendreisen
Im weiteren Verlauf der „Team Wallraff“-Folge wird auch Kerstin Claus, Unabhängige Bundesbeauftragte gegen sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen, mit den Ergebnissen der Recherche konfrontiert. Ihr Urteil fällt deutlich aus: „Das ist die organisierte Verantwortungslosigkeit und das ist dramatisch.“
Claus kritisiert insbesondere die Verbindung aus hohem Alkoholkonsum und fehlenden Schutzmechanismen. Sie erklärt gegenüber „Team Wallraff“: „Das heißt, ich muss davon ausgehen, dass auf solchen Reisen mit einem so hohen Alkoholkonsum es auf jeder Reise Mädchen gibt, die Sexualkontakte bis hin zu Vergewaltigungen erlebt haben, die sie im nüchternen Zustand keinesfalls zugelassen hätten.“ Für die Bundesbeauftragte liegt die Verantwortung dabei nicht allein bei den Jugendlichen. „Hier muss man ganz klar sagen, Anbieter sind in der Verantwortung und stehen in der Haftung“, betont sie.
„Team Wallraff“: Sind junge Teamer ausreichend vorbereitet?
Ein weiteres Problem sieht Claus bei der Betreuung der Jugendlichen. Die sogenannten Teamer seien teilweise selbst noch sehr jung und nach ihrer Einschätzung nicht ausreichend für die Verantwortung ausgebildet, die ihnen während solcher Reisen übertragen werde. Doch warum werden nicht verstärkt ausgebildete Fachkräfte eingesetzt? Claus sieht dahinter auch wirtschaftliche Gründe.
„Weil es um Geld geht. Das ist ein Riesen-Markt und wir haben nicht nur bei Jugendreisen [...] sehr viele kommerzielle Anbieter, die bisher in keiner gesetzlichen Verpflichtung sind und die wollen ganz klassisch Geld verdienen“, erklärt sie. Qualifiziertes Personal würde für Veranstalter höhere Kosten bedeuten. „In dem Moment, wo ich eine Fachkraft bezahlen muss, habe ich höhere Ausgaben, also habe ich am Ende weniger Gewinn für meine Reise oder aber, ich kann die teils extrem günstigen Preise nicht halten.“
Die neue „Team Wallraff“-Recherche wirft damit eine grundsätzliche Frage auf: Wie müssen kommerzielle Jugendreisen organisiert sein, damit Party und Freiheit nicht zulasten des Schutzes minderjähriger Teilnehmer:innen gehen?







