Zeigt sie es am Ende allen?

ESC-Sieg für Sarah Engels realistisch: Warum der Fan-Hass ihr nicht im Weg stehen wird!

Sarah Engels erlebt vor dem ESC 2026 einen Gegenwind, wie ihn bislang nur wenige deutsche Kandidatinnen aushalten mussten. In sozialen Netzwerken wird über ihren Song „Fire“, ihre Outfits und ihre Performance heftig diskutiert. Doch all das dürfte kaum Auswirkungen auf ihr tatsächliches ESC-Ergebnis haben.

Sarah Engels gibt sich beim ESC-Auftakt in Wien in einem roten Flammenkleid siegessicher und zwinkert in die Kamera.
Beim ESC-Auftakt in Wien erschien Sarah Engels in einem roten Flammenkleid, das stark an Katniss Everdeens legendäres Outfit in „Die Tribute von Panem“ erinnert. Foto: IMAGO / SKATA

Sarah Engels geht beim „Eurovision Song Contest 2026“ für Deutschland an den Start. Doch schon seit ihrer Teilnahme am deutschen Vorentscheid polarisiert die einstige DSDS-Zweitplatzierte enorm. Unter ESC-Beiträgen auf Instagram häufen sich kritische Kommentare aus Deutschland. So sind in den Kommentarspalten immer wieder Bemerkungen wie „Stabiler letzter Platz“ oder „Überhaupt nicht meins“ zu lesen. Doch das sind nur die harmlosen Aussagen. Immer wieder wird die Sängerin stark angefeindet.

Teilweise ging die Kritik so weit unter die Gürtellinie, dass sie Sarah Engels deutlich an die Substanz ging. So veröffentlichte die 33-Jährige auf Instagram beispielsweise die Nachricht eines anonymen Nutzers, der behauptet hatte, sie hätte wegen ihrer angeblich fehlenden Oberweite ohnehin keine Chancen beim Eurovision Song Contest. In dem Bericht heißt es dazu: „Keine Brüste, keine Punkte“. Sexismus wie aus dem Lehrbuch also!

Die Sängerin reagierte darauf verständlicherweise emotional und erklärte in ihrer Instagram-Story: „Das macht mich so wütend! (...) Frauen existieren nicht, um Schönheitsidealen zu entsprechen oder Erwartungen zu erfüllen.“

Kommentare dieser Couleur sind Lichtjahre von ernstzunehmender Kritik entfernt. Doch es gibt auch gemäßigtere Stimmen, die sich gegen Engels aussprechen. Viele zeigen sich beispielsweise von der Sängerin und ihrer Song-Promo genervt, finden, es werde zu viel Aufhebens um „Fire“ und Engels’ Teilnahme gemacht.

Die Meinung der Deutschen spielt beim ESC womöglich kaum eine Rolle

So laut die Kritik in Deutschland aktuell auch ist: Beim Eurovision Song Contest entscheiden am Ende vor allem die Zuschauer:innen und Jurys im Ausland. Denn nach den offiziellen ESC-Regeln darf kein Land für sich selbst abstimmen. Deutsche Fans können Sarah Engels also weder im Televoting unterstützen noch sie Punkte kosten. Auch die deutsche Jury vergibt ihre Punkte ausschließlich an andere Länder.

Entscheidend wird deshalb, wie Sarah Engels international ankommt. Und genau dort scheint Deutschlands ESC-Hoffnung derzeit überraschend gut zu funktionieren.

Unter einem offiziellen „Eurovision“-Instagram-Clip mit Sarah Engels in einem goldenen Bühnenoutfit häufen sich positive internationale Reaktionen. Diese Stimmen gibt es aus dem Auslang (oder erwecken zumindest den Eindruck, nicht von Deutschen verfasst worden zu sein):

  • „Germany should be proud of you. Your stage performance, your singing, every aspect of your song is amazing. You are my number one this year.“ („Deutschland sollte stolz auf dich sein. Deine Bühnenperformance, dein Gesang, jeder Aspekt deines Songs ist unglaublich. Du bist meine Nummer eins in diesem Jahr.“)

  • „Another level and quality. Her live voice is incredible. Good job Germany. Top 10“ („Ein anderes Level und eine andere Qualität. Ihre Live-Stimme ist unglaublich. Gute Arbeit, Deutschland. Top 10.“)

  • „She is on fire. Bravo, Germany“ („Sie steht in Flammen. Bravo Deutschland.“)

  • „30 seconds is definitely not enough! We are craving the full performance! Sarah looks like a true pop goddess in red. The staging is absolute perfection!“ („30 Sekunden sind definitiv nicht genug! Wir wollen die komplette Performance sehen! Sarah sieht in Rot wie eine echte Pop-Göttin aus. Die Inszenierung ist absolut perfekt!“)

Sarah Engels bringt viele klassische ESC-Stärken mit

Dass Sarah Engels live performen kann, dürfte kaum bestritten werden. Bereits bei „Deutschland sucht den Superstar“ überzeugte sie als Zweitplatzierte mit starker Stimme und Bühnenpräsenz. Genau diese Mischung ist beim ESC oft entscheidend: ein eingängiger Popsong, eine auffällige Inszenierung und eine Sängerin, die live liefern kann.

Vor allem ihre Performance und ihre Outfits sorgen aktuell international für Aufmerksamkeit. Bei der offiziellen ESC-Eröffnungszeremonie in Wien erschien Sarah Engels in einem aufwendigen roten Kleid, das ganz offensichtlich ihren Song „Fire“ symbolisieren sollte. Das österreichische Portal heute.at schrieb dazu: „Großer Jubel, Selfies ohne Ende und ganz viel Fan-Nähe: Beim offiziellen Auftakt des ESC wurde vor allem eine Sängerin gefeiert: Sarah Engels.“ Weiter hieß es: „Für viele Fans vor Ort gehörte Sarah damit klar zu den Publikumslieblingen des gesamten ESC-Auftakts.“

Die britische ESC-Plattform Wiwibloggs schrieb auf Instagram: „Sarah Engels mit einer subtilen Anspielung auf Fire. Es lässt sich nicht leugnen, dass Deutschland seinen GLAM-A-Faktor auf den türkisfarbenen Teppich beim Eurovision 2026 in Wien mitgebracht hat.“ Wiwibloggs-Gründer William Lee Adams ergänzte außerdem: „Das ist absolut atemberaubend.“

Deutschlands ESC-Bilanz macht Hoffnung eigentlich schwierig

Gerade deshalb wäre ein gutes Ergebnis für Sarah Engels umso bemerkenswerter. Deutschland gehört beim Eurovision Song Contest seit Jahren eher zu den Außenseitern. Bislang konnte Deutschland den ESC nur zweimal gewinnen: 1982 mit Nicole und „Ein bisschen Frieden“ sowie 2010 mit Lena Meyer-Landrut und „Satellite“.

In den vergangenen Jahren landeten deutsche Beiträge dagegen häufig auf den hinteren Plätzen, mehrfach sogar auf dem letzten Rang. Entsprechend skeptisch reagieren viele deutsche Fans inzwischen auf neue ESC-Beiträge.

Auffällig ist außerdem, dass weibliche Pop-Acts für Deutschland oft erfolgreicher funktionieren als viele männliche Beiträge. Lena gewann 2010 den Wettbewerb, auch andere Sängerinnen konnten international stärker auffallen. Viele männliche Acts verschwanden dagegen schnell im Mittelfeld oder am Tabellenende.

Natürlich ist auch Sarah Engels nicht unumstritten. Einige internationale Fans vergleichen „Fire“ mit früheren ESC-Hits wie „Fuego“ oder „SloMo“. Doch selbst diese Diskussionen sorgen letztlich dafür, dass über Deutschland gesprochen wird.

Und genau das fehlte vielen deutschen ESC-Beiträgen zuletzt: Aufmerksamkeit.

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