„Raygun: Breaking Badly“ auf Netflix: Ruhm, Spott und Therapie - So steht Rachael Gunn heute zu ihrem viralen Olympia-Tanz
Zwei Jahre nach ihrem viralen Olympia-Tanz spricht Rachael Gunn erstmals offen über die Folgen.

Zwei Jahre ist es her, dass Rachael Gunn bei den Olympischen Spielen in Paris für weltweites Aufsehen sorgte. Die australische Breakdancerin, besser bekannt als Raygun, wurde mit ihrer ungewöhnlichen Performance zum viralen Phänomen – und zum Ziel globalen Spotts. Jetzt ist sie bereit, ihre Geschichte zu erzählen.
Am 1. September startet auf Netflix die Dokumentation „Untold – Raygun: Breaking Badly“. Der Film zeigt, wie Gunn zum Breakdance kam, ihren steinigen Weg zu den Olympischen Spielen und den enormen Preis, den sie für ihre virale Bekanntheit zahlte. „Ich kann nicht einfach ein Meme sein“, sagt sie im Film.
„Es war wie ein Autounfall in Zeitlupe“
Bei den Spielen in Paris trat Gunn gegen drei andere Tänzerinnen an. Sie versuchte, ihre Kreativität zu zeigen und bewegungen einzubauen, die ihre Heimat Australien ehren sollten – darunter den Sprinkler-Tanz und einen Känguru-Hüpfer. Doch sie verlor alle drei Runden mit 0:18 und wurde fast sofort zum Gegenstand von Online-Spott.
Ihre virale Berühmtheit wuchs schnell. Selbst Adele unterbrach eines ihrer Konzerte, um über sie zu sprechen. Die globale Aufmerksamkeit – die schnell in falsche Verschwörungstheorien über ihre Qualifikation umschlug – wurde für Gunn überwältigend.
„Es war ein Autounfall in Zeitlupe“, gibt sie heute zu. „Ich habe nur versucht, die Auswirkungen so gering wie möglich zu halten!“
Therapie und der Weg zurück
In der Zeit nach Olympia fiel Gunn in ein tiefes Loch. Viel Therapie war nötig, um damit umzugehen. „Ich habe verschiedene Dinge ausprobiert, um meiner mentalen Gesundheit zu helfen“, sagt sie. Achtsamkeit und Meditation mochte sie nicht. Stattdessen halfen ihr Dinge, die sie ablenkten.
„Ich bin lange nicht zurück ins Gym gegangen, weil ich Angst hatte, erkannt zu werden“, erklärt Gunn. Erst durch die Therapie lernte sie, zwischen dem zu unterscheiden, was sie kontrollieren kann und was nicht. „Ich kann nicht kontrollieren, was Leute über mich denken. Aber ich kann kontrollieren, was ich tue, denke und sage.“
Stolz auf die Performance

Trotz allem ist Gunn stolz auf ihre Performance. „Es war wichtig für mich, da rauszugehen und ich selbst zu sein, kreativ zu sein und keine Angst zu haben, anders zu sein“, sagt sie. „Keine Reue.“
Sie gibt zu, dass sie vor den Spielen sogar darüber nachdachte, aufzugeben. Doch sie entschied sich, es zu versuchen, weil es eine einmalige Chance war. „Paris ist jetzt nur ein Teil meiner Geschichte“, sagt sie. „Für mich geht es mehr um radikale Akzeptanz von allem, was passiert ist.“
Kritik von anderen Tänzern
Die Dokumentation zeigt auch andere australische Breakdancerinnen, die wütend auf Gunns Performance sind. „Ich war beleidigt davon“, sagt eine von ihnen, Flix. Gunn findet die Kritik enttäuschend, besonders von jemandem, mit dem sie befreundet war.
„Aber sie haben ihre Wahrheit gesprochen“, sagt Gunn. „Ich denke, es war eine wirklich harte Zeit für B-Girls, besonders australische B-Girls. Es gab viel Belästigung und kitische Blicke.“ Sie hofft, dass mit der Zeit die Gefühle weniger empfindlich sein werden.
Auf die Frage, warum sie anders behandelt wurde als andere sympathische Verlierer wie Eric the Eel oder Eddie the Eagle, hat Gunn eine klare Antwort. „Ich denke, weibliche Athleten sind eher einem kritischen Blick ausgesetzt“, sagt sie. „Es geht darum, wie sie performen, was sie tragen, welche Körperform sie haben – sie sind zu muskulös, nicht muskulös genug, zu dick, zu dünn.“
Sie hofft, dass die Dokumentation Leute zum Breakdance bringt. „Ich hoffe, dass sie mehr von Breakdance entdecken“, sagt Gunn. „Ich muss nicht die einzige Stimme für Breakdance sein. Das wollte ich nie.“
Rat an andere
Zum Abschluss gibt Gunn einen wichtigen Rat an alle, die Angst haben, sich auszuprobieren. „Online ist nicht die reale Welt“, sagt sie. „Ich werde online absolut verrissen, aber ich bekomme persönlich eine ganz andere Reaktion.“
Ihre Botschaft: „Hab keine Angst. Es ist nur das Internet. Es wird dich nicht beißen.“ Für Gunn war der Weg zurück lang und schmerzhaft. Doch heute kann sie sagen: „Du kannst rausgehen und du selbst sein. Nur weil Leute dich verrissen, heißt das nicht, dass du Angst haben solltest, du selbst zu sein.“






