„Precht“ im ZDF: Schafft sich unsere Demokratie gerade selbst ab?
In der neuen Ausgabe von „Precht“ spricht Richard David Precht mit dem Historiker Philipp Blom über eine beunruhigende Entwicklung: Die Ideale der Aufklärung geraten zunehmend unter Druck. Doch was passiert, wenn Menschen nicht mehr an eine bessere Zukunft glauben?

Demokratie, Freiheit und Gleichheit gehören zu den Grundwerten westlicher Gesellschaften. Doch wie selbstverständlich sind diese Errungenschaften heute noch? Und was geschieht, wenn immer mehr Menschen daran zweifeln, dass das politische System ihre Interessen ausreichend berücksichtigt?
Diesen Fragen widmet sich Richard David Precht in einer neuen Ausgabe seiner ZDF-Gesprächsreihe. Unter dem Titel „Ende der Aufklärung – Zeit der Willkür?“ begrüßt der Philosoph und Publizist den Historiker, Schriftsteller und Übersetzer Philipp Blom. Die Sendung ist am Sonntag, 8. November 2026, ab 10 Uhr im ZDF-Streaming-Portal verfügbar und wird am selben Abend um 23:40 Uhr im ZDF ausgestrahlt.
Im Mittelpunkt steht eine Frage, die weit über die Tagespolitik hinausgeht: Was hält eine Demokratie eigentlich zusammen – und was passiert, wenn ihre Bürger nicht mehr an sie glauben?
„Precht“: Warum Philipp Blom vor einer Krise der Demokratie warnt
Für Philipp Blom befinden sich die liberalen Demokratien in einer schwierigen Lage. Der Historiker beobachtet, dass das Vertrauen in Vernunft und rationale Argumente zunehmend unter Druck gerät. Gleichzeitig gewinnen Verschwörungserzählungen und einfache Erklärungen für komplexe gesellschaftliche Probleme an Bedeutung.
Blom sieht darin eine Gefahr für die Werte der Aufklärung. Denn moderne Demokratien beruhen auf der Vorstellung, dass Menschen durch Vernunft, Wissen und gemeinsame Regeln ein freies und gerechtes Zusammenleben gestalten können. Doch was geschieht, wenn immer mehr Bürger das Gefühl haben, dass diese Regeln für sie nicht mehr funktionieren?
Genau hier setzt Bloms Kritik an. Seiner Ansicht nach reicht es nicht aus, demokratische Werte lediglich zu verteidigen. Die politischen Systeme müssen auch zeigen, dass sie in der Lage sind, das Leben der Menschen zu verbessern.
Warum Menschen laut Blom das Vertrauen in die Demokratie verlieren
Um seine Überlegungen zu erklären, verwendet Philipp Blom einen Vergleich: Demokratie funktioniere ähnlich wie ein Spiel. Menschen seien bereit, sich an die Regeln zu halten, solange sie diese als fair empfänden. Entstehe jedoch der Eindruck, dass das Spiel grundsätzlich ungerecht sei, könne die Bereitschaft schwinden, weiterhin daran teilzunehmen. Besonders problematisch ist für den Historiker der schwindende Zukunftsoptimismus.
Blom vertritt die These, dass die heutige Generation erstmals nicht mehr selbstverständlich davon ausgeht, dass ihre Kinder einmal ein besseres Leben führen werden.
Damit gerate ein Versprechen unter Druck, das westliche Gesellschaften über lange Zeit geprägt habe: die Hoffnung auf wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Fortschritt. Wenn liberale Demokratien dieses Versprechen für große Teile der Bevölkerung nicht mehr einlösen könnten, wachse die Enttäuschung über das politische System. Hinzu komme, dass notwendige Reformen häufig nur langsam vorankämen oder ganz ausblieben.
Aus dieser Kombination könne eine gefährliche Entwicklung entstehen: Menschen wenden sich nicht nur von einzelnen Parteien oder Regierungen ab, sondern stellen zunehmend die demokratischen Grundprinzipien selbst infrage.
„Precht“ fragt: Haben wir die Ideale der Aufklärung aufgegeben?
In dem Gespräch geht es allerdings nicht allein um politische Institutionen. Richard David Precht und Philipp Blom beschäftigen sich auch mit der Frage, welchen Stellenwert Vernunft heute überhaupt noch besitzt. Die Aufklärung stellte den selbstständig denkenden Menschen in den Mittelpunkt. Wissen, kritisches Hinterfragen und die Befreiung von überlieferten Autoritäten sollten gesellschaftlichen Fortschritt ermöglichen.
Doch Blom beobachtet eine Gegenbewegung: Emotionale Überzeugungen gewinnen an Bedeutung, während rationale Argumente zunehmend auf Widerstand stoßen. Dabei stellt sich eine grundsätzliche Frage: Sind Menschen überhaupt so vernunftgeleitet, wie es die Ideale der Aufklärung voraussetzen?
Oder haben wir die Bedeutung von Gefühlen, Ängsten und persönlichen Erfahrungen für politische Entscheidungen lange unterschätzt? Precht und sein Gast diskutieren darüber, ob die Aufklärung an ihren eigenen Ansprüchen scheitert oder ob ihre Ideen gerade heute wichtiger sind denn je.
Kann die Demokratie an ihren eigenen Schwächen scheitern?
Besonders brisant ist eine Überlegung, die im Mittelpunkt der neuen Sendung steht: Könnte die Demokratie sich selbst gefährden, wenn sie von ihren Bürgern zunehmend als ineffizient wahrgenommen wird? Philipp Blom beschreibt eine Entwicklung, bei der sich Enttäuschung über politische Entscheidungen in eine grundsätzliche Ablehnung demokratischer Werte verwandeln kann.
Er spricht dabei von einer Gegenaufklärung, die sich nicht nur gegen einzelne politische Maßnahmen richtet, sondern auch die Prinzipien von Demokratie und Gleichheit infrage stellt. Doch bedeutet das zwangsläufig, dass die Ideale der Aufklärung überholt sind? Oder zeigt die gegenwärtige Krise vielmehr, dass diese Ideale noch längst nicht vollständig verwirklicht wurden?
Eine einfache Antwort verspricht die Sendung nicht. Stattdessen wollen Precht und Blom herausfinden, weshalb demokratische Gesellschaften unter Druck geraten und welche Rolle Vernunft, Vertrauen und Zukunftshoffnung dabei spielen.






