„Taken: Natalee Holloway“ auf Netflix: Nach 18 Jahren gestand er – doch eine Frage bleibt offen
2005 verschwand die 18-jährige Natalee Holloway während einer Abschlussreise auf Aruba. Erst 18 Jahre später gestand ein Mann, sie getötet zu haben. Die neue Netflix-Doku „Taken: Natalee Holloway“ zeigt, wie ihre Mutter Beth fast zwei Jahrzehnte lang um Antworten kämpfte – und warum der Fall bis heute nicht vollständig abgeschlossen ist.

Ein Urlaub in der Karibik, eine ausgelassene Nacht und eine junge Frau, die plötzlich spurlos verschwindet: Der Fall Natalee Holloway sorgte 2005 weltweit für Schlagzeilen. Was als Abschlussreise einer amerikanischen Schulklasse begann, entwickelte sich zu einem der bekanntesten Vermisstenfälle der vergangenen Jahrzehnte.
Jahrelang gab es widersprüchliche Aussagen, Verdächtigungen und immer neue Hoffnungen auf eine Aufklärung. Doch für Natalees Mutter Beth Holloway stand von Anfang an nur eines im Mittelpunkt: Sie wollte wissen, was mit ihrer Tochter geschehen war.
Erst 2023 erhielt sie eine Antwort, auf die sie 18 Jahre lang gewartet hatte. Jetzt widmet Netflix dem Fall eine neue, dreiteilige True-Crime-Dokumentation. „Taken: Natalee Holloway“ ist seit dem 4. November 2026 verfügbar und erzählt die Geschichte erstmals ausführlich aus der Perspektive von Beth Holloway.
„Taken: Natalee Holloway“: Was geschah 2005 auf Aruba?
Im Mai 2005 reiste die damals 18-jährige Natalee Holloway mit Mitschüler aus Mountain Brook im US-Bundesstaat Alabama auf die Karibikinsel Aruba. Die Jugendlichen wollten ihren Schulabschluss feiern, bevor für sie ein neuer Lebensabschnitt begann. Natalee hatte große Pläne: Sie wollte im Herbst mit einem Vollstipendium an der University of Alabama studieren und träumte davon, Ärztin zu werden. Doch in der letzten Nacht der Reise verschwand sie. Zuletzt wurde Natalee gesehen, als sie einen Nachtclub verließ und in ein Auto mit mehreren jungen Männern stieg. Unter ihnen befand sich der damals 17-jährige Joran van der Sloot, ein Niederländer, der auf Aruba lebte.
Am nächsten Morgen kehrte Natalee nicht zu ihrem Hotel zurück. Sie verpasste ihren Rückflug in die USA. Was zunächst wie ein Vermisstenfall aussah, entwickelte sich zu einer jahrelangen Suche nach der Wahrheit. Beth Holloway reiste noch am Tag der Vermisstenmeldung nach Aruba. Gemeinsam mit Angehörigen, Freiwilligen und Ermittler:innen suchte sie nach ihrer Tochter. Zeitweise beteiligten sich nach ihren Angaben bis zu 150 Menschen an den Suchaktionen. Trotz des enormen Aufwands blieb Natalee verschwunden. Ihre sterblichen Überreste wurden bis heute nicht gefunden.
Natalee Holloway: Joran van der Sloot gestand nach 18 Jahren die Tötung
Schon kurz nach Natalees Verschwinden geriet Joran van der Sloot ins Visier der Ermittler:innen. Im Juni 2005 wurde er gemeinsam mit zwei weiteren Verdächtigen festgenommen. Zu einer Anklage kam es damals jedoch nicht. Van der Sloot machte im Laufe der Jahre unterschiedliche Angaben zu den Ereignissen jener Nacht. Für die Familie Holloway bedeutete das immer neue Unsicherheit. 2010 nahm der Fall eine besonders erschütternde Wendung. Van der Sloot bot dem Anwalt der Familie Informationen über den angeblichen Fundort von Natalees sterblichen Überresten an – gegen Geld. Daraufhin leitete das FBI eine Operation ein, aus der später ein Strafverfahren wegen Erpressung und Überweisungsbetrugs hervorging.
Im selben Jahr wurde van der Sloot in Peru wegen der Tötung der Studentin Stephany Flores festgenommen. Die Tat hatte sich am fünften Jahrestag von Natalees Verschwinden ereignet. 2012 wurde er dafür zu 28 Jahren Haft verurteilt. Im Juni 2023 wurde er vorübergehend von Peru an die USA ausgeliefert, um sich wegen der Vorwürfe aus dem Jahr 2010 zu verantworten. Im Oktober 2023 bekannte er sich der Erpressung und des Überweisungsbetrugs schuldig. Im Rahmen einer Vereinbarung mit der US-Justiz schilderte er außerdem, wie er Natalee Holloway getötet hatte.
Damit erhielt Beth Holloway nach 18 Jahren erstmals ein Geständnis. Ein Strafprozess wegen Natalees Tötung fand in den USA allerdings nicht statt. Da ihre sterblichen Überreste weiterhin fehlen, bleibt der Familie auch ein wichtiger Teil der Gewissheit verwehrt.
Netflix-Doku „Taken: Natalee Holloway“ zeigt bisher unveröffentlichtes Material
Die neue Netflix-Serie will nicht einfach nur die bekannten Ereignisse nacherzählen. Im Mittelpunkt steht vielmehr die Frage, was die jahrzehntelange Suche mit Natalee Holloways Familie gemacht hat. Regie führten Dani Sloane und Matthew Galkin. Für die drei Episoden erhielten sie Zugang zu bislang unveröffentlichtem Material und sprachen mit Menschen, die Natalee kannten oder an den Ermittlungen beteiligt waren. Zu Wort kommen unter anderem Natalees Freundinnen Madison Greer und Claire Fierman, der Anwalt der Familie John Kelly sowie frühere FBI-Ermittler.
Besonders bemerkenswert ist der Auftritt des ehemaligen stellvertretenden Polizeichefs von Aruba, Gerold Dompig, der erstmals seit 20 Jahren ausführlich über den Fall spricht. Außerdem zeigt die Dokumentation bisher nicht öffentlich zugängliche Aufnahmen einer FBI-Operation aus dem Jahr 2010, mit der die US-Behörden gegen van der Sloot vorgingen.
Beth Holloway erzählt erstmals ihre gesamte Geschichte
Für Beth Holloway ist die Dokumentation weit mehr als eine weitere True-Crime-Produktion. Sie möchte, dass die Öffentlichkeit nicht nur den Täter und die Ermittlungen in Erinnerung behält, sondern auch ihre Tochter. Die Serie zeigt deshalb, wer Natalee vor ihrem Verschwinden war: eine ehrgeizige junge Frau mit vielen Freundschaften, Humor und großen Zukunftsplänen.
Netflix zufolge entschied sich Beth erst nach dem Geständnis von 2023 dafür, ihre Geschichte in dieser ausführlichen Form erzählen zu lassen. Sie wollte die Ereignisse erstmals vollständig und chronologisch aufarbeiten. Dabei geht es auch um die Frage, was ein Geständnis nach so vielen Jahren überhaupt verändern kann. Denn obwohl van der Sloot die Tötung eingeräumt hat, konnte Beth ihre Tochter bis heute nicht beerdigen.
„Taken: Natalee Holloway“: Wie viele Folgen hat die Netflix-Doku?
„Taken: Natalee Holloway“ besteht aus drei Episoden und ist seit Mittwoch, 4. November 2026, auf Netflix verfügbar. Die Dokumentation beleuchtet sowohl das Verschwinden der 18-Jährigen als auch die Ermittlungen und die Auswirkungen auf ihre Angehörigen.







