Piesel Piepser nach „Die Höhle der Löwen“: Das wurde aus dem Bettnäss-Helfer
30 Jahre Kampf für ihre Erfindung: Das Ehepaar Osthoff pitchte den Piesel Piepser in der Höhle. Mit einem ungewöhnlichen Deal verließen sie die Investoren-Runde.

Selten war die Anspannung in der „Höhle der Löwen“ so greifbar wie bei Marlon und Elke Osthoff. Das Ehepaar aus Erkrath stellte mit ihrem Piesel Piepser ein medizinisches Hilfsmittel vor, das Kindern helfen soll, trocken zu werden – und kämpfte um die Existenz ihres 30 Jahre alten Unternehmens.
Drei Jahrzehnte Kampf für eine Vision
„Der Tag heute ist für uns der allerwichtigste seit 20, 30 Jahren.“ Mit diesen Worten betraten die 66-jährige Elke und der 63-jährige Marlon Osthoff die Höhle. Seit drei Jahrzehnten kämpfen die Eheleute für ihre Erfindung Piesel Piepser, ein medizinisches Hilfsmittel, das Kindern helfen soll, trocken zu werden.
Trotz eines bewährten Produkts und der Erstattung von Krankenkassen blieb der große Durchbruch bislang aus. Als das Gründerpaar vor die Investoren tritt, liegen Hoffnung, Existenzängste und drei Jahrzehnte Unternehmertum auf ihren Schultern. Als Elke Osthoff vor Nervosität kurz den Faden verliert und gesteht: „Entschuldigung … ich bin so nervös“, reagieren die Löwen mit viel Verständnis. „Die Höhle der Löwen ist halt auch wirklich eine sehr, sehr große Bühne“, so Frank Thelen.
Hinter der Aufregung steckt eine bewegende Geschichte. Rückschläge wie eine schwere Erkrankung, finanzielle Hürden und fehlende Vertriebsmöglichkeiten haben das Paar immer wieder zurückgeworfen. Trotzdem halten beide unbeirrt an ihrer Vision fest, betroffenen Familien zu helfen. Genau diese Leidenschaft berührt auch die Löwen. Zwischen Mitgefühl, ehrlichem Unternehmer-Feedback und großem Respekt wird schnell klar: Hier geht es um weit mehr als nur einen gewöhnlichen Pitch.
Die Zahlen hinter dem Piesel Piepser
Das Angebot der Osthoffs: 100.000 Euro für zehn Prozent der Firmenanteile. Die Produktpalette umfasst zwei Varianten: 126 Euro für die einfache Version, 185 Euro für den kabellosen Piesel Piepser Funki. Beim Classic-Modell kostete die Produktion pro Stück 15 Euro, 40 Euro beim Funki.
In über 30 Jahren wurden 100.000 Stück verkauft. Der Umsatz stagniert bei 200.000 Euro beim Classic. Die Osthoffs arbeiten hauptberuflich am Piesel Piepser, allerdings sind sie nun abhängig von einem Deal mit den Löwen. Immerhin: Piesel Piepser würde von der Krankenkasse finanziert werden.
Doch reicht Herzblut allein aus? Während einige Investoren offen einräumen, nicht die richtigen Partner für das Geschäftsmodell zu sein, entsteht schließlich eine überraschende Idee, die alles verändern könnte.
Ein ungewöhnliches Angebot
Ralf Dümmel steigt aus, er ist nicht der richtige Löwe für das Produkt. Auch Andreas Herb kann nicht in den Bereichen helfen, er ist ebenfalls raus. Frank Thelen schließt sich an.
Die Konkurrenz ist teurer (über 200 Euro) und kann weniger, hat aber den 20-fachen Umsatz. Carsten Maschmeyer und Janna Ensthaler wollen den Osthoffs helfen. Ihr Angebot beschreibt Carsten als „schwierige News mit Chance auf Happy End“.
Sie würden 100.000 Euro investieren und sind auch zufrieden mit 10 Prozent, allerdings müsste eine weitere, jüngere Person als Geschäftsführer gesucht werden, die frischen Wind reinbringt und 20 bis 30 Prozent abbekommt. Die Osthoffs stimmen zu.
So geht es mit dem Piesel Piepser weiter
Der Piesel Piepser kann über die Website des Produkts bestellt werden, dabei liegt der Fokus allerdings auf Bestellungen mit einem Rezept. Auch ohne Rezept lässt sich ein Piesel Piepser kaufen, das geschieht aber über ein Kontaktformular und keinen klassischen Online-Warenkorb.
An den Preisen der Produkte hat sich nichts geändert, der Piesel Piepser Funki Light ist aber mit 99,99 Euro die günstigste Version und besteht nur aus dem Sender, der mit der kostenfreien App gekoppelt wird.
Auch bei Amazon ist der Piesel Piepser Classic zu finden und günstiger als auf der Website, dieser ist aber kabelgebunden. Wie betroffene Familien ein Rezept erhalten, wird auf der Website erklärt.
Mit Carsten Maschmeyer und Janna Ensthaler als neue Investoren und einem frischen Geschäftsführer an der Spitze hoffen die Osthoffs nun darauf, dass ihr 30-jähriger Kampf doch noch den großen Durchbruch bringt – und noch mehr betroffenen Familien helfen kann.
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