„One Night Only“: Eine völlig absurde Idee, die erstaunlich gut funktioniert
Was wäre, wenn Sex nur eine Nacht im Jahr erlaubt wäre? „One Night Only“ macht aus dieser Prämisse eine absurde, aber überraschend gefühlvolle RomCom.

Es gibt Filmideen, bei denen man sich unweigerlich fragt, wer eigentlich zuerst „Das ist doch völlig bescheuert“ gesagt hat – und wer daraufhin trotzdem „Machen wir!“ antwortete. „One Night Only“ gehört definitiv in diese Kategorie. Und vielleicht liegt genau darin der größte Reiz der neuen RomCom von Will Gluck.
Denn die Ausgangslage ist so albern, dass sie eigentlich kaum funktionieren dürfte: In den USA ist Sex außerhalb der Ehe verboten. Wer sich nicht an die Regeln hält, muss mit Konsequenzen rechnen. Doch einmal im Jahr gibt es eine zwölfstündige Ausnahme. Eine einzige Nacht, in der unverheiratete Menschen Sex haben dürfen – allerdings nur mit Kondom. Entsprechend fiebert die gesamte Bevölkerung diesem Ereignis entgegen.
Was daraus entsteht, erinnert zunächst auffällig an „The Purge“ – nur dass diesmal nicht gemordet, sondern gevögelt werden darf. Und tatsächlich ist die Parallele mehr als nur ein witziger Vergleich: Beide Filme bauen ihre Welt auf demselben Prinzip auf. Eine gesellschaftlich verbotene Handlung wird für einen begrenzten Zeitraum legalisiert, damit sich der angestaute Druck innerhalb dieser einen Nacht entladen kann.
Während „The Purge“ dafür zwölf Stunden Mord und Totschlag freigibt, macht „One Night Only“ ausgerechnet Sex zum gesellschaftlichen Ausnahmezustand.
Das klingt nach einer ziemlich sicheren Vorlage für eine völlig durchgeknallte Sex-Komödie. Und genau das ist „One Night Only“ auch – zumindest teilweise. Doch überraschenderweise steckt unter der absurden Oberfläche deutlich mehr Gefühl, als man zunächst erwarten würde...
Worum geht es bei „One Night Only“ ?
Im Mittelpunkt stehen Owen (Callum Turner) und Allie (Monica Barbaro), die beide mit völlig anderen Vorstellungen in diese besondere Nacht starten. Owen möchte eigentlich seine langjährige Freundin Malika (Maya Hawke) heiraten und plant sogar einen Antrag. Doch ausgerechnet an diesem Abend eröffnet sie ihm, dass sie ihre einmalige Chance lieber mit einem anderen Mann nutzen möchte. Allie wiederum wird von ihrer besten Freundin sitzen gelassen und steht plötzlich ebenfalls allein da.
Also machen sich beide auf die Suche nach jemandem, mit dem sie diese eine Nacht verbringen können – und natürlich begegnen sie sich. Allerdings läuft ihr erstes Treffen alles andere als romantisch. Dennoch ausgerechnet entwickelt sich im Verlauf der Nacht zwischen diesen beiden eine Verbindung, die mit der eigentlichen Prämisse des Films erstaunlich wenig zu tun hat.
Während die gesamte Stadt damit beschäftigt ist, möglichst schnell Sex zu haben, entdecken Owen und Allie etwas, das sich nicht erzwingen lässt: echtes Interesse aneinander.
Eine absurde Welt, die mehr Fragen aufwirft als sie beantwortet
Genau hier zeigt sich allerdings auch das größte Problem von „One Night Only“: Regisseur Will Gluck nutzt die absurde Ausgangslage nicht in erster Linie für bissige Gesellschaftskritik. Wer erwartet, dass der Film die politischen und gesellschaftlichen Konsequenzen eines solchen Gesetzes gründlich auseinandernimmt, dürfte deshalb enttäuscht werden.
Denn wie dieses System überhaupt funktionieren soll, bleibt erstaunlich vage. Warum akzeptiert die Gesellschaft ein solches Gesetz? Wie wird es kontrolliert? Und warum heiraten die Menschen nicht einfach, um dem Verbot zu entgehen? „One Night Only“ hat auf diese Fragen nur bedingt Antworten. Die dystopische Welt bleibt letztlich Kulisse für die eigentliche Geschichte.
Das ist schade, denn aus der Prämisse hätte sich durchaus eine bissige Satire über staatliche Kontrolle, Sexualität, Dating und gesellschaftlichen Druck machen lassen. Stattdessen interessiert sich Gluck deutlich mehr dafür, was innerhalb dieser zwölf Stunden zwischen zwei Menschen passieren kann.

Aber vielleicht muss „One Night Only“ diesen Anspruch aber auch gar nicht erfüllen.
Denn je länger die Nacht dauert, desto weniger fragt man sich, warum diese absurde Gesellschaft überhaupt existiert. Stattdessen fiebert man mit Owen und Allie mit. Der Film nimmt seine verrückte Welt zunehmend zurück und macht Platz für die klassische RomCom-Dynamik: heimliche Blicke, Gespräche, peinliche Situationen und kleine Momente, in denen aus einer zufälligen Begegnung langsam echte Nähe entsteht.
Dass das funktioniert, liegt vor allem an Callum Turner und Monica Barbaro. Turner verleiht Owen eine sympathische Unsicherheit, die ihn trotz seines offensichtlichen Charmes nicht wie den perfekten RomCom-Helden wirken lässt. Barbaro wiederum spielt Allie selbstbewusst und verletzlich zugleich.
Vor allem aber stimmt die Chemie zwischen den beiden. Man glaubt ihnen tatsächlich dabei zuzusehen, wie sie sich ineinander verlieben – und das ist bei einer Geschichte, deren Liebespaar sich innerhalb einer einzigen Nacht finden soll, alles andere als selbstverständlich.
So entwickelt sich „One Night Only“ nach und nach weg von der absurden Sex-Prämisse und hin zu einer erstaunlich warmherzigen Romanze. Ausgerechnet in einer Nacht, in der alle nur an das Eine denken, geht es für Owen und Allie irgendwann um etwas ganz anderes.
Lohnt sich „One Night Only“?
„One Night Only“ ist keine perfekte RomCom und schon gar nicht die große Gesellschaftssatire, die in seiner verrückten Ausgangsidee steckt. Dafür ist die Welt zu wenig durchdacht und der Film stellenweise erstaunlich zahm. Doch Callum Turner und Monica Barbaro besitzen eine so natürliche Chemie, dass man ihnen trotzdem gerne durch diese völlig absurde Nacht folgt.
Dazu kommen wunderschöne New-York-Bilder, charmante Nebenfiguren und genau die richtige Portion Chaos. Der Film ist dabei weder besonders tiefgründig noch konsequent in seiner dystopischen Welt – aber er besitzt etwas, das bei einer RomCom mindestens genauso wichtig ist: Herz.
Wer sich auf die alberne Prämisse einlässt und keine tiefschürfende Dystopie erwartet, bekommt eine überraschend emotionale und sehr sympathische RomCom, die aus einer ziemlich verrückten Idee am Ende tatsächlich etwas Romantisches macht.







