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ARD-Eventserie

Neue ARD-Serie „Mozart/Mozart“ startet heute: Große Idee, holprige Umsetzung

„Mozart/Mozart“ startet heute in der ARD. Die neue Eventserie erzählt die Geschichte der Geschwister Mozart modern und bewusst anders – mit prominentem Cast und klarer Haltung.

Havanna Joy als Maria Anna Mozart und Eren M. Güvercin als Wolfgang Amadeus Mozart in der neuen ARD-Serie „Mozart/Mozart“.
Havanna Joy und Eren M. Güvercin spielen in der ARD-Serie „Mozart/Mozart“ die Geschwister Maria Anna und Wolfgang Amadeus Mozart. Foto: WDR/Story House Pictures GmbH/Armands Virbulis

Mit „Mozart/Mozart“ startet heute eine der ambitioniertesten neuen ARD-Serien des Jahres. Der sechsteilige Historien-Mehrteiler läuft am Dienstag, 16. Dezember, und Mittwoch, 17. Dezember, jeweils ab 20:15 Uhr im Ersten. Alle sechs Folgen stehen zudem ab sofort in der ARD-Mediathek bereit.

Die Serie erzählt die Geschichte von Wolfgang Amadeus Mozart und seiner Schwester Maria Anna bewusst anders, als man sie aus klassischen Biografien kennt. Statt historischer Nacherzählung setzt die ARD auf eine moderne Erzählweise, popkulturelle Brüche und einen klaren Perspektivwechsel, der vor allem ein jüngeres Publikum ansprechen soll.

Worum geht es in „Mozart/Mozart“?

Im Zentrum der Serie stehen die Geschwister Wolfgang Amadeus und Maria Anna Mozart, die einst als Wunderkinder durch Europas Adelshäuser tourten. Während Wolfgang als Genie gefeiert wird, rückt „Mozart/Mozart“ gezielt die ältere Schwester in den Fokus. Nannerl gilt hier als mindestens ebenso begabt, doch durch gesellschaftliche Erwartungen und familiäre Strukturen ausgebremst.

Die Handlung setzt ein, als Wolfgang mit musikalischen Grenzüberschreitungen einen Skandal provoziert und die Familie Mozart Salzburg verlassen muss. In Wien geraten die Geschwister in ein Geflecht aus höfischen Intrigen, Machtspielen und persönlichen Konflikten. Die Serie erzählt dabei keine klassische Biografie, sondern eine frei interpretierte, fiktionale Version der Mozart-Geschichte, in der historische Fakten bewusst mit modernen Motiven und Fantasieelementen vermischt werden.

Besetzung und Produktion

Hauptcast der ARD-Serie „Mozart/Mozart“ mit Havanna Joy, Eren M. Güvercin, Peter Kurth, Verena Altenberger und Philipp Hochmair.
Der Hauptcast von „Mozart/Mozart“: Neben Havanna Joy und Eren M. Güvercin sind unter anderem Peter Kurth, Verena Altenberger und Philipp Hochmair zu sehen. Foto: WDR/Story House Pictures GmbH/Armands Virbulis

Die Hauptrollen übernehmen Havanna Joy als Maria Anna Mozart und Eren M. Güvercin als Wolfgang Amadeus Mozart. Unterstützt werden sie von einem prominent besetzten Ensemble:

  • Peter Kurth als Leopold Mozart

  • Verena Altenberger als Marie Antoinette

  • Philipp Hochmair als Kaiser Joseph II.

  • Sonja Weißer als Constanze Weber

  • Eidin Jalali als Antonio Salieri

Regie führte Clara Zoë My-Linh von Arnim, das Drehbuch stammt überwiegend von Andreas Gutzeit. Produziert wurde die Serie von Story House Pictures in Zusammenarbeit mit WDR, SWR, ARD Degeto und ORF. Visuell setzt „Mozart/Mozart“ auf opulente Bilder, stilisierte Innenräume und eine bewusst zeitgenössische Musiksprache, die Klassik mit elektronischen Elementen verbindet.

Kritik: Viel Haltung, wenig Halt

Mit „Mozart/Mozart“ will die ARD mehr als ein klassisches Historien-Drama liefern. Die Serie versteht sich als moderne Neubefragung eines Mythos, als popkulturell aufgeladenes Kostümdrama mit klarer Haltung. Doch zwischen Anspruch und Umsetzung bleibt eine spürbare Lücke.

Die bewusste Entscheidung, Wolfgang Amadeus Mozart zu dekonstruieren und Maria Anna als eigentliches Zentrum des Genies zu erzählen, wirkt weniger wie eine erzählerische Entdeckung als wie eine vorab gesetzte These. Figuren und Konflikte ordnen sich dieser Idee häufig unter, statt sich organisch zu entwickeln. Gerade für Zuschauer:innen mit Grundwissen über Mozart entsteht so ein permanentes Spannungsfeld zwischen Bekanntem und bewusst verfremdeter Erzählung.

Mehr Pop-Oper statt Biopic

Inszenatorisch schwankt die Serie zwischen ambitionierter Pop-Oper und überraschend schlichten Dialogen, die stellenweise eher an eine Vorabendserie erinnern. Der Versuch, klassische Stoffe für jüngere Zielgruppen zu öffnen, ist nachvollziehbar – doch nicht immer gelungen. Stilmittel, Musik und Figurenzeichnung greifen nicht konsequent ineinander.

Auch schauspielerisch bleibt „Mozart/Mozart“ unausgeglichen. Während erfahrene Darsteller wie Peter Kurth oder Verena Altenberger ihren Figuren trotz begrenzter Dialogtiefe Profil verleihen, bleibt die zentrale Mozart-Figur über weite Strecken blass. Da die Serie stark von der Dynamik der Geschwister lebt, fällt dieses Ungleichgewicht besonders ins Gewicht.

Am deutlichsten zeigen sich die Schwächen in den frei erfundenen Handlungssträngen rund um Affären, Intrigen und Duelle. Je weiter sich die Serie von nachvollziehbaren Konflikten entfernt, desto schwerer fällt es, emotional mitzuhalten. Wenn Musik schließlich vor allem als Symbol dient, verliert sie paradoxerweise an Bedeutung – ausgerechnet in einer Serie über Mozart.

Große Idee, holprige Umsetzung

„Mozart/Mozart“ ist ein mutiger, visuell aufwendiger Versuch, einen klassischen Stoff neu zu erzählen. Die ARD geht bewusst Risiken ein und sucht den Anschluss an ein jüngeres Publikum. Doch zwischen feministischer Neubewertung, popkultureller Überzeichnung und historischer Fantasie verliert die Serie ihre erzählerische Balance. Wer sich auf ein modernes Märchen einlässt, findet interessante Ansätze. Wer jedoch Stringenz, Tiefe und musikalische Substanz erwartet, dürfte ernüchtert zurückbleiben.

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