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Netflix "Spuk in Hill House": So überlebten die Darsteller den harten Dreh | Interview

Am 12. Oktober startet Netflix eigenproduzierte Horrorserie "Spuk in Hill House", inspiriert von der gleichnamigen Novelle von Shirley Jackson. Wir sprachen mit den Darstellern über den schweren Dreh, Geister und Kindheitstraumata.

Spuk in Hill House
Elizabeth Reaser und Michiel Huisman in "Spuk in Hill House" (ab 12. Oktober 2018 bei Netflix). Foto: Netflix

Geistergeschichten sind ausgelutscht und langweilig? Mitnichten, wie die zehnteilige neue Serie "Spuk in Hill House" zeigt, die nun bei Netflix startet. Klar, die Story klingt im ersten Moment nicht anders als viele ihres Genres: Ein nettes Ehepaar zieht mit seinen fünf Kindern in ein altes Gemäuer, das des Nachts offenbar auch schaurigen Gestalten eine Heimstatt bietet, die am Fußende der Kinderbetten warten oder mit lautem Knarren, Kratzen und Geknalle durch die Flure wandeln.

Dass an dem Stoff, den Regisseur Mike Flanagan nun für Netflix geschrieben und verfilmt hat, weit mehr dran ist, wird dem Zuschauer schon nach wenigen Szenen klar, wenn ein Zeitsprung ihn mit den inzwischen erwachsenen Crain-Kindern im Hier und Jetzt konfrontiert. Während die einen relativ geerdet scheinen - Steven (Michiel Huisman) verdingt sich als Autor von Gruselromanen, Shirley (Elizabeth Reaser) arbeitet als Bestatterin und Theodora (Kate Siegel) als Kinderpsychologin -, scheint es ihren jüngeren Geschwistern weit schlechter ergangen zu sein: Nell (Victoria Pedretti) ist das labile Nervenbündel der Familie, Problemkind Luke (Oliver Jackson-Cohen) kommt nicht von den Drogen los.

Spuk in Hill House
Flucht aus dem "Hill House": Hugh Crain (Henry Thomas) und seine Kinder. Netflix Foto: Netflix

So unterschiedlich ihre Leben auch verlaufen sind - alle eint, was während ihres Aufenthaltes in Hill House vorgefallen ist und in einer schrecklichen Familientragödie - dem unerklärlichen Tod ihrer Mutter - endete. Als erneut ein Unglück die Crains heimsucht, beginnt "Spuk in Hill House" seine psychologische Tiefgründigkeit zu entfalten...

Warum es sich bei Mike Flanagans Serie im Gegensatz zu den gängigen Horrorstreifen in Wahrheit um ein Familiendrama handelt, darüber und vieles mehr sprachen wir mit den Darstellern Michiel Huisman, Kate Siegel, Henry Thomas, Elizabeth Reaser und Oliver Jackson-Cohen in London. 

TVMovie: Hand aufs Herz, glaubt ihr an Geister?
Henry Thomas: Ich weiß es nicht. Ich habe noch keinen getroffen (lacht).
Kate Siegel: Ich hatte furchtbare Albträume oder war in Räumen, die sich seltsam angefühlt haben. Aber bin ich jemals einem Geist begegnet? Nein (lacht). Ich würde mir allerdings wünschen, dass die Welt größer ist und mehr zu bieten hat als wir bisher wissen!

Also keine übernatürlichen Begegnungen am Set...?
Kate Siegel: Nein, es war stinklangweilig (lacht)! Wir sollten mal mit Mike reden, es hätte mehr Streiche geben sollen!

Viel hat "Spuk in Hill House" nicht mit dem Original gemein.
Henry Thomas: Ja, Mike Flanagan hat sich zwar am Buch und den Filmadaptionen orientiert, aber dann alles auf den Kopf gestellt, die Zeitebenen separiert und die Geschichte gewissermaßen neu erfunden, wobei er sich an dem reichhaltigen Stoff bedient hat, den es bereits gab. In diesem Sinne ist die Serie wohl eher eine Hommage an Shirley Jacksons Buch und Robert Wises Film.
Kate Siegel: Fans des Buches werden auf jeden Fall Figuren, Namen und Ereignisse wiedererkennen. Aber sie werden zum ersten Mal die Craine-Familie treffen und zum ersten Mal mit ihnen diese Dinge erleben.

Spuk in Hill House
Ort des Grauens: Hill House.          Netflix Foto: Netflix

Und was genau ist „Spuk in Hill House“ nun?
Kate Siegel: Ein Familiendrama mit Geistern (lacht).
Henry Thomas: Ja, ein Familiendrama im Horrorgewand, das sich größtenteils mit Traumata und psychologischem Terror beschäftigt und in dem es nur wenige Schreckensmomente gibt.

"Spuk in Hill House" ist keine typische Geistergeschichte, in der es einfach nur um übernatürliche Phänomene geht...
Kate Siegel: Die zentrale Frage ist: Was ist ein Geist? Ein Geist kann alles sein – ein Traum, eine Erinnerung, ein echter Geist. 
Oliver Jackson-Cohen: Mike Flanagan hat die Spuk-Geschichte in etwas sehr Reales eingebettet, in das sich viele von uns gut hineinversetzen können. Ich erinnere mich an einen Satz aus einem unserer Gespräche: „Du kannst die Geister in dieser Geschichte durch irgendein Kindheitstrauma ersetzen.“ Die Geister werden zu einer Metapher für etwas, das auch im echten Leben passieren kann. Eine Menge Kinder erschaffen beispielsweise Monster, um mit etwas umzugehen, was sie erlebt haben. Mike schafft es auf sehr clevere und subtile Art, dies auszudrücken, indem er an diese Serie wie an ein Drama herangeht. Alles, was die Figuren in „Hill House“ durchmachen, fühlt sich sehr real an – so wie Lukes posttraumatisches Stresssyndrom. Er ist der jüngste von fünf Kindern und er und seine Zwillingsschwester sind diejenigen, die am meisten von dem beeinflusst wurden, was ihnen in ihrer Kindheit passiert ist. Er hat am meisten Probleme damit, im alltäglichen Leben zu funktionieren. Er hat von allen sein Leben lang gehört, dass nichts von dem wirklich geschehen ist, was geschehen ist – trotzdem ist er einfach zu Tode verängstigt.

Spuk in Hill House
Luke ist besonders empfänglich für die mysteriösen Vorkommnisse in Hill House.          Netflix Foto: Netflix

Shirley, Theodora und Steven wiederum scheinen auf den ersten Blick alles verwunden zu haben, was geschehen ist. Das stimmt allerdings nicht...
Elizabeth Reaser: Shirley hat versucht, die Vergangenheit hinter sich zu lassen. Sie geht auf ihre eigene Weise mit dem Geschehenen um, ist inzwischen Bestatterin und sieht dem Tod regelmäßig in die Augen, was natürlich alles aus ihrer Kindheit resultiert. Sie ist das Gegenteil von Luke: Sie DENKT, sie hätte alle beisammen, was sie besonders verletzlich macht, denn natürlich hat sie das nicht. Auch wenn sie sich selbst nicht so sieht, ihr ganzes Leben wird von dem Trauma ihrer Kindheit bestimmt. Shirley hat entschieden, wie sie mit ihren Kindheitserlebnissen umgeht, sie hat entschieden, dass sie ein guter Mensch sein wird, eine gute Mutter, eine gute Ehefrau, und es sie heilen wird, wenn sie anderen hilft mit dem Tod umzugehen. Das macht es natürlich sehr gefährlich, denn sobald diese Mauer, die sie um sich errichtet hat, erste Risse bekommt, wird es sehr schwer für sie sein. 

Es muss anstrengend gewesen sein, sich in innerlich so zerrissene Figuren hineinzuversetzen.
Elizabeth Reaser: Wovor ich mich gefürchtet habe, war die psychologische Seite, vor der du nicht fliehen kannst. In mir kamen – ähnlich wie bei Shirley - Dinge hoch, die früher in meiner Familie vorgefallen sind, die ich als Kind nicht verstanden habe, dich mich damals verletzt haben, die ich aber offenbar nie verwunden hatte. Das hat mich an Shirley aber auch gereizt. Ich finde es faszinierend, wie sehr unsere Kindheit uns formt. 

Ziemlicher harter Tobak. Wie habt ihr nach dem Dreh abgeschaltet?
Elizabeth Reaser: Wir haben oft zu Abend gegessen, viel Wein getrunken und viel gelacht (lacht). Ich habe wirklich versucht, so wenig wie möglich über die Arbeit nachzudenken. Für mich ist das etwas ganz Neues: Normalerweise ist das Gegenteil der Fall.
Oliver Jackson-Cohen: Neun Monate haben wir gedreht – eine ziemlich lange Zeit. Drei Monate davon haben wir nur an traurigen Szenen gearbeitet, die kurz vor oder kurz nach einer Beerdigung spielen, in die die Serie gipfelt. Das hat uns emotional extrem ausgelaugt. Zu allem Überfluss gab es in meiner Familie kurz darauf einen Todesfall, sodass ich quasi von einer Beerdigung zur nächsten gereist bin. Ich konnte einfach nicht mehr!

Warum sind die zehn Stunden, über die sich "Spuk in Hill House" erstreckt, gut investiert?
Kate Siegel: Wer ein intelligenter Horrorfan ist, der oft enttäuscht wurde, weil die Story flach war, die Figuren nicht tiefgründig genug oder das Ende vorhersehbar, für den ist „Spuk in Hill House“ die perfekte Serie! Wir versprechen euch viele unerwartete Twists!
Henry Thomas: Was ich an „Spuk in Hill House“ wirklich mag, ist, dass man das gleiche Ereignis durch die Augen unterschiedlicher Figuren sieht, sodass man Stück für Stück ein Puzzleteil erhält, das man zu einem Ganzen zusammensetzen kann. Es wäre zu einseitig, ginge es nur um ein Haus, in dem Übersinnliches passiert, viel interessanter ist doch, dass sich die Geschichte um eine Familie dreht, die in so einem Haus wohnt.

Vielen Dank für das Gespräch.

Im Video unten findet ihr den Trailer:

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von Sophie Piper 

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