Nach „Shrinking“ kommt „Rooster“: Kritik zur neuen Comedyserie mit „The Office“-Star Steve Carell
HBO konnte für die neue Comedyserie „Rooster“ nicht nur Comedystar Steve Carell gewinnen, hinter den Kulissen gibt „Ted Lasso“-Tausendsassa Bill Lawrence den Ton an. Ein sicherer Hit?

2026 ist das große Bill-Lawrence-Jahr. Mit vier neuen Serien oder Staffeln, verteilt auf drei unterschiedliche Streamingdienste, drückt der alte Showrunner-Hase der Entertainmentwelt seinen Stempel auf.
„Scrubs“ meldet sich aktuell auf Disney+ mit einer verspäteten 10. Staffel zurück (auch wenn die 9. Staffel mittlerweile nicht mehr zum Kanon gehört), „Shrinking“ auf Apple TV befindet sich in Staffel 3 und bringt die lange vermisste Spielfreude von Harrison Ford zurück.
Dazu kommt die unverhoffte Rückkehr von „Ted Lasso“ diesen Sommer, die das missglückte Serienende vielleicht vergessen lässt. Und dann gibt es da noch „Rooster“, die einzige neue Produktion, mit der Bill Lawrence erstmals mit HBO zusammenarbeitet.
Innovationen sind hier natürlich dennoch nicht zu erwarten, HBO wollte eine eigene Version von „Ted Lasso“ oder „Shrinking“ und genau die haben sie mit „Rooster“ bekommen. Es geht um Greg Russo, gespielt von Steve Carell, der als Autor von Trivialliteratur ein erfolgreiches Leben führt.
Ein kurzer Besuch an dem College, an dem seine Tochter Katie unterrichtet, führt durch eine Verkettung unglücklicher Ereignisse zu einer Festanstellung, durch die Greg den Campus, die Studenten, das Kollegium und vor allem seine Tochter besser kennenlernt.
„Rooster“ bedient sich der bewährten Bill-Lawrence-Erfolgsformel: Viel Humor, ein wenig Drama und unzählige sympathische Figuren, die durch ihr loses Mundwerk die vor Zuckerguss nur so triefende Gutherzigkeit der ganzen Geschichte ein wenig abmildern sollen.
Das funktioniert bei „Shrinking“ sehr gut, was vor allem Harrison Ford und Hauptdarsteller Jason Segel zu verdanken ist, dessen Gesicht von Natur aus stets zwischen Lachen und Weinen zu schwanken scheint.
„Ted Lasso“ hat es zum Ende hin ein wenig mit der anfangs so gelobten Positivität übertrieben, zudem führten Folgen im XXL-Format zu Längen, die für Comedyserien besonders gefährlich sind.
Gut kopiert ist nur die halbe Miete

„Rooster“ macht vieles richtig und vertraut auf das komödiantische Talent seiner Besetzung, allen voran natürlich Steve Carell. „Scrubs“-Fans werden es John C. McGinley vielleicht übelnehmen, dass er durch seine Rolle in „Rooster“ nur noch sporadisch als Dr. Cox auftreten kann, doch auch er bereichert „Rooster“ von der ersten Folge an.
Carell lobte während der Pressekonferenz zur Serie das Drehbuch zur Pilotfolge, da es einen direkt in einer eingelebten Welt platziert und sich nicht so sehr mit Erklärungen und Einführungen beschäftigen muss, die wenig Raum für Humor lassen. Damit hat Carell durchaus recht, aber es hilft natürlich auch, wenn man Lawrences Stil bereits kennt. „Ah, ‚Shrinking‘ am College!“ ist eine Erkenntnis, die jegliche Einleitung unnötig macht.
Allerdings tut sich HBO keinen Gefallen damit, „Rooster“ parallel zur dritten Staffel von „Shrinking“ auszustrahlen. Denn so ganz will der Funke noch nicht überspringen – jedenfalls nicht in den sechs von insgesamt zehn Folgen, die der Presse zur Verfügung gestellt wurden.

An unterhaltsamen Situationen mangelt es nicht, doch gerade die Nebenfiguren bleiben noch blass. Der zentrale Plot rund um Gregs Tochter Katie, die von ihrem Mann Archie betrogen wurde, zieht sich zudem durch alle Folgen, ist aber längst nicht so interessant, wie es die Autor*innen der Serie wohl erwarten. Phil Dunster, bekannt als Jamie Tartt aus „Ted Lasso“, hat bereits Erfahrung darin, selbstverliebte Arschlöcher zu spielen, doch „Rooster“ verbringt zu viel Zeit mit seinem Archie.
Mit großer Wahrscheinlichkeit hält die zweite Staffelhälfte noch eine große Läuterung für Archie bereit – wenn Jimmy sich in „Shrinking“ sogar mit dem Mörder seiner Frau anfreunden konnte, dann hat Bill Lawrence sicher auch ein Herz für einen egoistischen Fremdgänger –, aber zumindest in den ersten Folgen lebt „Rooster“ von seinen kleineren Momenten und Wortwechseln, während der Campus-Mikrokosmos noch keine richtige Sogwirkung aufkommen lassen will.
Viele Comedyserien brauchten mindestens eine ganze Staffel, um ihren Ton zu finden, doch das ist in diesem Fall nicht das Problem, der Ton ist in „Rooster“ von Beginn an vorhanden. Jetzt muss es die Serie nur noch schaffen, dass man ihre Figuren auch ins Herz schließt. Das ist gar nicht so einfach und nun wissen wir immerhin, dass selbst Bill Lawrence mit seiner Erfolgsformel nicht immer ins Schwarze trifft.
„Rooster“ startet am 9. März 2026 auf HBO Max, jeden Montag folgt eine neue Episode.








