„Metal Gear Solid: Master Collection Vol. 2“ im Test: Endlich ist MGS4 richtig spielbar!
Fast 18 Jahre war „Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots“ auf der PlayStation 3 gefangen. Mit der „Metal Gear Solid: Master Collection Vol. 2“ befreit Konami den Klassiker endlich aus seinem Exil. Doch überraschenderweise ist Old Snakes Abschied nicht der einzige Grund, warum sich die Sammlung lohnt.

Es gibt wohl kaum ein Spiel, dessen Rückkehr derart überfällig war wie „Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots“. Während praktisch jeder andere wichtige Teil von Hideo Kojimas Stealth-Saga über die Jahre auf verschiedenen Plattformen veröffentlicht wurde, blieb Snakes großes Finale seit 2008 exklusiv auf der PlayStation 3.
Genau deshalb fühlt sich die „Metal Gear Solid: Master Collection Vol. 2“ zunächst weniger wie eine Spielesammlung und mehr wie eine Befreiungsaktion an. Endlich lässt sich MGS4 ohne alte Konsole oder Emulation spielen – in unserem Fall auf dem PC. Und obwohl man dem Spiel sein Alter inzwischen anmerkt, wird schnell deutlich, warum Fans so lange auf diese Neuauflage gewartet haben.
„Metal Gear Solid 4“ ist immer noch herrlich verrückt
Wer nach „Metal Gear Solid V“ oder dem technisch modernisierten „Metal Gear Solid Delta: Snake Eater“ zu Teil 4 zurückkehrt, muss sich zunächst umgewöhnen. Das Gunplay ist weniger geschmeidig, einige Bedienkonventionen wirken antiquiert und die Steuerung erreicht trotz Anpassungsmöglichkeiten nicht die Präzision der jüngeren Serienteile.
Das ändert allerdings wenig daran, wie faszinierend MGS4 bis heute ist. „Guns of the Patriots“ ist Hideo Kojima im völligen Exzess-Modus. Nanomaschinen, gigantische Kampfmaschinen, philosophische Monologe, bizarre Produktplatzierungen, absurde Gags und eine Geschichte, die gefühlt jeden noch so kleinen losen Faden aus den Vorgängern wieder aufgreift: Zurückhaltung sieht anders aus.
Vor allem bedeutet das natürlich: Cutscenes. Viele Cutscenes. Sehr lange Cutscenes. Wer Metal Gear vor allem wegen seiner Stealth-Mechaniken spielt, dürfte deshalb auch 2026 gelegentlich unruhig auf dem Stuhl herumrutschen. Wer dagegen Kojimas Hang zum filmischen Größenwahn liebt, bekommt hier vielleicht seine konzentrierteste Dosis überhaupt.
Neueinsteiger:innen sollten allerdings keinesfalls mit Teil 4 beginnen. Die Handlung setzt umfangreiche Kenntnisse der Vorgänger voraus und ist selbst mit diesen stellenweise kompliziert genug. Dass Themen wie digitale Überwachung, Informationskontrolle, Privatisierung und eine sich selbst erhaltende Kriegswirtschaft heute teilweise sogar aktueller erscheinen als 2008, macht die erneute Begegnung umso spannender.
MGS4 auf dem PC: Man sollte kein Remake erwarten
Konami versucht glücklicherweise nicht, „Metal Gear Solid 4“ in ein modernes Spiel zu verwandeln. Stattdessen wurde das Original technisch aufbereitet und von den Fesseln seiner ursprünglichen Hardware befreit.
Das Ergebnis lässt das Alter des Spiels nicht verschwinden, präsentiert es aber deutlich angenehmer. Auf dem PC läuft MGS4 flüssig und sieht dank höherer Auflösung erstaunlich ordentlich aus. Natürlich erkennt man weiterhin ein Spiel aus der frühen PS3-Ära – insbesondere Animationen, Charaktermodelle und manche Umgebungen können ihre Herkunft nicht verbergen. Das stört aber kaum.
Besonders schön: Konami hat die Eigenheiten des Originals nicht einfach glattgebügelt. Viele der kuriosen zeitgenössischen Details und Kooperationen sind weiterhin vorhanden. MGS4 soll hier nicht wie ein Spiel aus dem Jahr 2026 wirken. Es soll endlich vernünftig im Jahr 2026 spielbar sein. Genau das gelingt.
„Peace Walker“ ist viel mehr als nur die zweite Geige

Dabei wäre es schade, die Collection auf MGS4 zu reduzieren. Denn mit „Metal Gear Solid: Peace Walker“ steckt ein zweites wichtiges Kapitel darin.
Der ursprünglich 2010 für die PSP veröffentlichte Titel spielt nach „Snake Eater“ und nimmt erstaunlich viele Ideen vorweg, die später „Metal Gear Solid V“ prägen sollten. Missionen sind kompakter, Gegner:innen können per Fulton-System für die eigene Truppe rekrutiert werden und der Ausbau der Mother Base bildet einen wesentlichen Teil der Progression.
Dass Peace Walker für eine Handheld-Konsole entwickelt wurde, merkt man ihm allerdings weiterhin an. Die kurzen Missionen funktionieren hervorragend häppchenweise, können bei längeren Sessions aber repetitiv werden. Gerade einige Bosskämpfe gegen Fahrzeuge und Maschinen ziehen sich unnötig.
Trotzdem ist Peace Walker kein unwichtiger Ableger, sondern ein zentraler Baustein der Big-Boss-Geschichte – und spielerisch ein faszinierendes Bindeglied zwischen dem klassischen Metal Gear und „The Phantom Pain“.
„Ghost Babel“ feiert nach 26 Jahren sein Comeback

Die eigentliche Überraschung der Sammlung ist aber „Metal Gear: Ghost Babel“. Der 2000 für den Game Boy Color veröffentlichte Titel wird mit der Master Collection erstmals überhaupt neu aufgelegt.
Ghost Babel gehört nicht zur regulären Handlung der Reihe und orientiert sich optisch zwangsläufig stärker an den ursprünglichen 2D-Metal-Gear-Spielen. Gleichzeitig überträgt es erstaunlich viele Ideen von „Metal Gear Solid“ auf die winzige Handheld-Hardware.
Natürlich wirkt das heute wie ein Retro-Spiel – entsprechende Darstellungsoptionen und Filter helfen dabei, das Game-Boy-Color-Erlebnis zu erhalten. Gerade als historisches Kuriosum ist Ghost Babel aber eine hervorragende Ergänzung. Vor allem zeigt seine Aufnahme, dass Konami bei den Master Collections offenbar auch Spiele konservieren möchte, die sonst Gefahr laufen würden, irgendwann vollständig auf alter Hardware zu verschwinden.
Als „Collection“ könnte Vol. 2 deutlich schöner sein
Wo die Master Collection Vol. 2 schwächelt, ist ausgerechnet bei ihrer Präsentation als Sammlung. Schon Vol. 1 fühlte sich eher wie ein Bündel einzelner Teile als wie ein liebevoll kuratiertes Gesamtpaket an. Vol. 2 setzt dieses Konzept fort.
MGS4 und Peace Walker besitzen separate Anwendungen, während Ghost Babel bei den Bonusinhalten steckt. Weitere Extras verteilen sich ebenfalls etwas merkwürdig über die verschiedenen Bereiche. Das funktioniert, wirkt aber wenig elegant. Auch Push Square kritisiert, dass der Sammlung dadurch ein wirklich zusammenhängendes Gesamtgefühl fehlt.
Gerade angesichts der Bedeutung dieser Spiele hätte Konami hier mehr investieren können: eine gemeinsame Oberfläche, historische Hintergrundinformationen oder stärker kuratierte Extras hätten aus drei hervorragend erhaltenen Spielen auch eine hervorragende Spielesammlung gemacht.
Fazit: Eine überfällige Rückkehr
Die „Metal Gear Solid: Master Collection Vol. 2“ erfüllt ihren Zweck: Drei zeitlose Klassiker sind endlich wieder auf vernünftige Art und Weise auf Konsolen & PC spielbar.
Allen voran natürlich „Metal Gear Solid 4“. Old Snakes Abschied ist sperrig, maßlos, melodramatisch, gelegentlich hoffnungslos überladen – und gerade deshalb bis heute einzigartig. Peace Walker zeigt währenddessen, wo viele Ideen von MGS5 ihren Ursprung haben, und Ghost Babel entpuppt sich als überraschend wertvolle Wiederentdeckung.
Die etwas lieblose Gesamtpräsentation sind enttäuschend. Und natürlich hätte es beim Restaurieren noch Luft nach oben gegeben. Am Inhalt selbst gibt es dagegen wenig zu meckern. Wer Metal Gear liebt, kommt an Vol. 2 kaum vorbei.
Quellen
Konami
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