Zum Hauptinhalt springen
38 Jahre später

Mehr Fiktion als Fakt?: So realistisch ist „Ramstein – Das durchstoßene Herz“

Vor fast 40 Jahren erschütterte die Flugtagkatastrophe von Ramstein Deutschland. Ein ARD-Film zeichnet die Ereignisse nach – doch wie nah dran ist er an der Realität?

Robert Müller mit seiner Familie bei der Flugschau.
Familie Müller ahnt noch nicht, was für ein Schrecken sie gleich erwartet. Foto: © SWR/FFP New Media/Marc Bossaert

Heute um 20:15 Uhr zeigt die ARD den Film „Ramstein – Das durchstoßene Herz". Das Drama aus dem Jahr 2022 beleuchtet die Flugtagkatastrophe vom 28. August 1988, bei der auf der US Air Base Ramstein 70 Menschen starben. Eine italienische Kunstflugstaffel war nur 50 Meter über den Zuschauern zusammengestoßen.

Der Film verzichtet bewusst auf Heldenfiguren. Stattdessen verwebt er einzelne Schicksale von Opfern, Angehörigen, Zeugen und Helfern. Zwei deutsche Ermittler, dargestellt von Trystan Pütter und Elisa Schlott, versuchen im Film, durch Gespräche mit Verantwortlichen die Hintergründe zu klären. Ein weiterer Fokus liegt auf einem Notarzt, gespielt von Jan Krauter, der die Verletzten versorgt.

Reale Vorbilder hinter den Filmfiguren

Eine der zentralen Figuren ist Robert Müller, gespielt von Max Hubacher. Er verliert bei der Flugschau seine Frau und zwei kleine Kinder. Der Geburtstag des Sohnes sollte auf der Air Base gefeiert werden. Doch welche dieser Figuren gab es wirklich?

Tatsächlich gibt es für Robert Müller ein reales Vorbild: Roland Fuchs. Er machte 1988 mit seiner jungen Familie – seiner Frau und der fünfjährigen Tochter – den Ausflug nach Ramstein. Nach dem Zusammenstoß der italienischen Flugstaffel bekam seine Frau ein großes Trümmerteil ab. „Ich habe sofort gewusst, die ist tot“, erinnert er sich in der begleitenden Dokumentation „Ramstein - Die Doku“, die in der ARD-Mediathek verfügbar ist.

Die brennende Tochter versuchte er noch an sich selbst und dem Boden abzulöschen, bis ihm jemand das Kind wegnahm. Es war das letzte Mal, dass er seine Tochter sah. Roland Fuchs unterhält eine eigene Internetseite, auf der er seine Gefühle aufgeschrieben hat. „Die Erstellung der Homepage war schon eine Art Therapie."

Der Notarzt und die chaotischen Rettungsmaßnahmen

Auch für den im Film von Jan Krauter gespielten Notarzt gibt es ein reales Vorbild. Dr. Klaus-Peter Wresch war der erste Notarzt vor Ort. Er äußerte sich bereits am Tag nach dem Unglück kritisch zu den Rettungsmaßnahmen und bekam – wie der Arzt im Film – Besuch vom Innenminister mit der Bitte, seine Schilderungen noch mal zu überdenken.

Falsch war laut Wresch auch das Handeln des US-Militärs. Das war darauf getrimmt, Verletzte schnell einzuladen und aus dem „Kampfgeschehen" abzutransportieren. Dabei wäre bei schwer Brandverletzten eine schnelle Erstversorgung vor Ort entscheidend gewesen. „Das hat die Prognose für viele schlechter gemacht", sagt Wresch.

Systematische Versäumnisse

Matthias Kruse mit einer Patientin.
Matthias Kruse (Jan Krauter) ist mit seinem Team als erster Notarzt vor Ort. Foto: © SWR/FFP New Media/Marc Bossaert

Die Analyse der Katastrophe zeigt ein erschütterndes Bild. Die Sicherheitsabstände zwischen Zuschauern und Flugmanövern waren deutlich zu knapp bemessen. Nach dem Unglück herrschte zudem ein heiloses Durcheinander bei den Rettungsarbeiten.

Das Problem: Niemand hatte Erfahrung mit einem derart großen Unglück. Es existierten keine Pläne, wie man mit Dutzenden schwerstbrandverletzten Menschen umgehen sollte. Behörden, Militär und Einsatzkräfte taten sich schwer, eigene Fehler einzugestehen.

Luftfahrt-Experte Erich Schmidt-Eenboom ist sich in der Dokumentation sicher, dass man mehr Vorkehrungen in Ramstein hätte treffen müssen. Schon vorher war es bei Flugschauen regelmäßig zu Unfällen gekommen: 1983 stürzte in Frankfurt ein Kampfjet auf das Auto einer fünfköpfigen Familie. Zwei Unglücke gab es allein 1988: im Mai bei der Internationalen Luft- und Raumfahrt-Ausstellung in Hannover und nur zwei Monate vor Ramstein im Elsass in Frankreich.

Der parlamentarische Untersuchungsausschuss

Trotz der Katastrophe lobten die Amerikaner in einer Pressekonferenz bereits einen Tag nach dem Unglück den Einsatz und die gute Zusammenarbeit mit den deutschen Behörden. Trotzdem befasste sich ein deutscher parlamentarischer Untersuchungsausschuss mehr als ein Jahr lang mit der Flugtag-Katastrophe.

„Theoretisch dient ein Untersuchungsausschuss im Deutschen Bundestag der Wahrheitsfindung", sagt Schmidt-Eenboon, der damals in diesem Ausschuss saß. „Die Wirklichkeit sieht etwas anders aus. Es ist natürlich in erster Linie ein politisches Schlachtfeld."

Schmidt-Eenboon kritisiert einen „deutlichen Mangel an Empathie für die Opfer“. Die Schuld wurde damals komplett auf den italienischen Unglücks-Piloten geschoben. Doch auch dessen Kollegen, die US-Organisatoren und blauäugige deutsche Behörden, die sich nicht einmischen wollten in die Belange der Amerikaner, tragen Verantwortung.

Auch CDU-Politiker Rupert Scholz, heute 89 Jahre alt und damals Verteidigungsminister, tritt in der Doku auf. „Ich war nicht verantwortlich und nicht zuständig“, sagt er. „Ein deutscher Politiker konnte sich auch nicht hinstellen und die Amerikaner öffentlich kritisieren.“

Rupert Scholz verliert seinen Posten ein Jahr später – auch wegen seines Umgangs mit der Aufarbeitung von Ramstein. Die US-Air Force ist schuld, sagt Schmidt-Eenboon, aber die streitet das bis heute ab.

Zum Schluss zeigt die Dokumentation einen hoffnungsvollen Ausblick. Die Solidarität unter den Betroffenen wird als wichtiger Teil der Geschichte hervorgehoben. Ein bleibendes Vermächtnis der Katastrophe: Heute existieren deutlich bessere Hilfsstrukturen für Opfer, Einsatzkräfte und Angehörige von Großunglücken. Ramstein hat diese Entwicklung maßgeblich angestoßen.

Quelle
Ed Sheeran Game of Thrones - Foto: HBO
Stars
Ed Sheerans Vermögen: So reich ist der Sänger!

Er zählt zu den erfolgreichsten Musikern seiner Zeit – und ist damit reich geworden. Wie hoch das Vermögen von Ed Sheeran ist, erfahrt ihr hier.

Lea Wagner hält ein blaues SWR-Mikrofon und trägt einen beigen Mantel. Hinter ihr sind Rasen und blaue Stadionränge zu sehen. - Foto: IMAGO / foto2press
Fans feiern sie!
Während WM schwanger: Lea Wagner mit Baby zurück im „Sportschau“-Studio

Lea Wagner meldet sich nach ihrer Babypause vor der Kamera zurück. Ihre Studio-Bilder mit besonderer Begleitung sorgen für begeisterte Reaktionen.

Unter-Uns-Szene: Ute im neongelben Shirt und Sina in einer hellrosa Jacke stehen nebeneinander und blicken ernst nach rechts. - Foto: RTL
Bitteres Aus
„Unter Uns“ fliegt jetzt schon aus dem Programm – das steckt hinter der Entscheidung

Das Ende von „Unter uns“ ist bereits besiegelt. Doch nun verschwindet die RTL-Daily überraschend schon Monate früher von ihrem Sendeplatz.

Amber Siyavus lächelt auf einem Schwarz-Weiß-Porträt. Sie trägt lockiges Haar, lange Ohrringe und eine Kette mit großem Anhänger. - Foto: IMAGO / Cinema Publishers Collection
„Big Brother“-Star Amber Siyavus mit nur 46 Jahren gestorben

Trauer um Amber Siyavus: Die frühere „Big Brother“-Kandidatin ist gestorben. Moderatorin Julie Chen Moonves erinnert mit persönlichen Worten an sie.

Vince Gilligan, RJ Mitte und die Besetzung von „Breaking Bad“ posieren lachend vor einem Wohnmobil. Die Aufnahme ist schwarz-weiß. - Foto: IMAGO / UPI Photo
„Ich werde dich vermissen, Sohn“
„Breaking Bad“-Stars reagieren auf plötzlichen Tod von RJ Mitte alias „Flynn“

Der Tod von „Breaking Bad“-Star RJ Mitte mit nur 34 Jahren erschüttert seine früheren Kolleg:innen. Bryan Cranston und Aaron Paul nehmen emotional Abschied.

Collage: LInks RJ Mitte in „Breaking Bad“ als Walter White Jr. alias Flynn, rechts ein Schwarz-Weiß-Foto des Schauspielers von 2026.  - Foto: IMAGO / Everett Collection und IMAGO / ZUMA Press
Er war erst 34 Jahre alt
„Breaking Bad“-Star RJ Mitte ist tot: Flynn-Darsteller wurde nur 34

Mit „Breaking Bad“ wurde er weltbekannt. Abseits der Kamera setzte sich RJ Mitte für andere ein. Jetzt ist der Schauspieler mit nur 34 Jahren gestorben.