Marie-Louise Eta: Warum ist die Normalität noch nicht normal?
Marie-Louise Eta ist bis zum Saisonende Cheftrainerin von Union Berlin. Neben teilweise riesigem Zuspruch schlägt ihr auch blanker Hass entgegen. Warum das erbärmlich ist.
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14 Spiele, 12 Siege und zwei Unentschieden. Nein, das ist nicht die Bilanz der vergangenen Spiele von Manchester City und Pep Guardiola, sondern die von Marie-Louise Eta mit der U19 Männermannschaft von Union Berlin.
Warum erwähne ich hier diese Bilanz? Weil sie bockstark ist! Und dennoch muss sich Eta aufgrund ihres Geschlechts im gefühlt rechtsfreien Raum a.k.a. dem Internet nur aufgrund ihres Geschlechts ihre Fähigkeiten als Trainerin – vorsichtig gesagt – absprechen lassen.
Ja, ich meine damit euch, ewig gestrige männlichen „Wesen“ (aus rechtlichen Gründen verkneife ich mir ein anderes Wort), die Probleme damit haben, dass eine Frau nicht nur eine gute Trainerin sein kann, sondern mit ihrer offensichtlichen Kompetenz auch eine Männer-Bundesligamannschaft coachen und führen kann.
Und dabei einen besseren Job macht, als ihr selbst.
Punkteschnitt ist besser als von manch einem Bundesliga-Trainer!
Dass Eta (34) viel drauf hat, bewies sie bereits, wie zu Beginn angesprochen.
In drei verschiedenen Wettbewerben mit der U19 der Köpenicker holte sie aus 22 Spielen übrigens starke 13 Siege, vier Unentschieden und fünf Niederlagen, was einen Punkteschnitt von 1,95 Punkten pro Spiel entspricht.
Nur so als Vergleich: Merlin Polzin holt in dieser Saison in 32 Spielen mit dem HSV 1,16 Punkte im Schnitt. Stadtrivale St. Pauli und Alexander Blessin sogar „nur“ 1,06 Punkte pro Spiel.
Niko Kovac liegt mit dem BVB in 42 Spielen mit 2,00 PpS nur knapp über dem Wert von Eta.
Und ihre Premiere gegen Wolfsburg war alles andere als schlecht. In der zweiten Halbzeit hatten die Unioner in allen wichtigen Statistiken die Nase vorn, hätten deutlich mehr Tore als nur den Treffer durch Burke, erzielen können – vielleicht sogar müssen.
Es ist eben bitter, wenn man zwei Traumtore kassiert.
Top-Trainer kommen regelmäßig aus dem Jugendbereich!
In der Bundesliga (und auch in anderen internationalen Ligen) ist es vollkommen normal, dass die Nachwuchstrainer der U23 oder U19 Mannschaften für geschasste Trainer übernehmen.
Beispiele gefällig? Julian Nagelsmann war U19 Trainer, bevor er 2016 die Bundesliga-Mannschaft in Hoffenheim übernahm.
Sebastian Hoeneß wurde mit der zweiten Mannschaft der Bayern Meister in Liga 3, bevor Hoffenheim auch ihm eine Chance gab.
Marco Rose führte die U19 von Mainz 05 zu einer sensationellen Meisterschaft, danach rief RB Salzburg bei ihm an. Weitere Stationen waren daraufhin Gladbach, Dortmund und Leipzig.
Edin Terzic begann auch im Nachwuchsbereich, ehe er von Lucien Favre in den Trainerstab geholt wurde und dort im Verlauf seiner Karriere Cheftrainer wurde.
Selbst ein Pep Guardiola war zuerst Nachwuchstrainer in Barcelona, bis er zum Cheftrainer aufstieg.
Also stellen wir uns jetzt noch einmal eine Frage: Lassen sich Bundesliga und die U19 Nachwuchsliga jetzt perfekt miteinander vergleichen?
Natürlich nicht zu 100 Prozent. Es zeigt aber, dass Marie-Louise Eta mit ihrer Spielidee in einer extrem ausgeglichenen Liga erfolgreich sein kann.
Natürlich hagelt es Hass im Netz...
Zum Glück sieht das auch ihr Verein Union Berlin so, der sich bemerkenswert bravourös im Netz hinter seine Trainerin stellt. Auch an dieser Stelle eine große Priese Anerkennung an den Social Media Admin, der so gut auf den Hass gegen Eta reagiert und vor allem auch so reagieren darf:

Es ist offensichtlich, dass neben Eta auch Union Berlin auf den möglichen Hass im Netz vorbereitet war.
Dafür sprechen auch die Aussagen von Sportchef Horst Heldt nach der Entscheidung für Eta: „Ich habe die sexistischen Kommentare mitbekommen. Gleichzeitig weigere ich mich, diesen Stimmen Raum zu geben. Für mich geht es hier ausschließlich um Führungsqualität – und wir trauen Loui diese Aufgabe aus voller Überzeugung zu.
Ich finde es wahnsinnig, dass wir uns im Jahr 2026 dafür noch rechtfertigen müssen. Wir sprechen hier von einer hochkompetenten Führungspersönlichkeit. Wir bei Union stehen geschlossen zu dieser Entscheidung und werden mit voller Kraft dazu beitragen, dass es zukünftig zu keiner Diskussion mehr kommen wird. Das alles ist einfach nur peinlich.“
Frauen im Fußball – das Normalste auf der Welt
Seien wir ehrlich – was steht für Union auf dem Spiel? Der Klassenerhalt. Den haben sie auch schon in der vorletzten Saison mit der Bundesligamannschaft bereits gesichert. Mit Marie-Louise Eta auf der Trainerbank...
Damals noch als Interims-Co-Trainerin. Und auch in der Saison stand sie für eine Partie krankheitsbedingt in Vertretung als Cheftrainerin an der Seitenlinie.
Stand jetzt wird sie nach der Saison die Cheftrainerin der Frauen-Bundesligamannschaft von Union Berlin. Horst Heldt stellte zumindest in den Raum, ob Eta nicht auch über den Rest der Saison hinaus Trainerin bei den Männern bleiben könnte.
Marie-Louise Eta ist eine Pionierin, sie wird in den nächsten Wochen vermutlich noch sehr viel mehr Hass aus allen Ecken der Fußball-Welt ausgesetzt sein.
Auf ihrer ersten Pressekonferenz als Cheftrainerin sagte sie: „Das Thema (Hass a.dR.) ist bekannt, das hatten wir auch vor zwei, drei Jahren schon. Dass es so groß ist, da waren wir schon ein bisschen überrascht. Aber es ist schön, dass dadurch vielleicht auch eine Inspiration für junge Mädchen geschaffen wird.“
Hoffentlich für sehr viele!






