Leverkusen- und FC Bayern-Trainer Peter Hermann († 74) ist tot – das ist zur Todesursache bekannt
Trauer um Peter Hermann: Der langjährige Co-Trainer von Bayer Leverkusen und dem FC Bayern ist im Alter von 74 Jahren gestorben.

Der deutsche Fußball trauert um Peter Hermann: Der langjährige Co-Trainer von Bayer Leverkusen und dem FC Bayern München ist im Alter von 74 Jahren gestorben. Was über die Todesursache bekannt ist und welche bewegenden Worte Weggefährten zum Abschied finden.
Peter Hermann begann seine Karriere als Spieler
Peter Hermann wurde am 22. März 1952 in Kleinmaischeid geboren. Seine ersten Stationen als Fußballer führten ihn zu TuS Neuendorf und anschließend zum Hamburger SV. Mit 21 Jahren schaffte der offensive Mittelfeldspieler den Sprung in die Bundesliga. Beim HSV kam er allerdings nur zu zwei Kurzeinsätzen, ehe er zu Alemannia Aachen wechselte. Dort wurde Hermann schnell zum Stammspieler und absolvierte innerhalb von zwei Jahren 71 Pflichtspiele.
1976 wechselte Hermann zu Bayer Leverkusen – und damit zu dem Verein, der seine weitere Karriere wie kaum ein anderer prägen sollte. In seiner ersten Saison unter Trainer Willibert Kremer stand er in allen 38 Spielen der Zweitliga-Saison in der Startelf und erzielte neun Tore. Insgesamt kam Hermann für Bayer auf 98 Zweitliga- und 118 Bundesligaeinsätze, in denen ihm 32 Treffer gelangen. 1979 gehörte er zur Leverkusener Mannschaft, die erstmals in die Bundesliga aufstieg.
Nach seiner Zeit in Leverkusen spielte Hermann noch für den VfL Hamm/Sieg, ehe er 1989 seine aktive Laufbahn beendete. Zu diesem Zeitpunkt war allerdings bereits der nächste Abschnitt seiner Fußballkarriere vorbereitet.
Sein ehemaliger Mitspieler Jürgen Gelsdorf, inzwischen Trainer in Leverkusen, holte Hermann 1989 als Co-Trainer zu Bayer 04. Was zunächst wie der Beginn eines neuen Karriereabschnitts aussah, sollte zu einer jahrzehntelangen Laufbahn an der Seitenlinie werden. Hermann arbeitete in Leverkusen unter anderem mit Dragoslav Stepanović, Erich Ribbeck, Christoph Daum, Berti Vogts, Klaus Toppmöller, Klaus Augenthaler und Michael Skibbe zusammen.
Dabei übernahm Hermann nicht nur die Rolle des Assistenten. Als Erich Ribbeck im April 1996 während der Saison entlassen wurde, sprang Hermann als Interimstrainer ein und führte die Mannschaft noch zum Klassenerhalt. Auch 1993 konnte er mit Bayer einen Titel feiern: Als Co-Trainer gehörte er zum Team, das den DFB-Pokal gewann.
In den folgenden Jahren wurde Hermann zu einem der gefragtesten Co-Trainer Deutschlands. Neben Leverkusen arbeitete er unter anderem beim 1. FC Nürnberg, beim FC Schalke 04, beim Hamburger SV, bei Fortuna Düsseldorf und Borussia Dortmund. Auch beim DFB war er als Co-Trainer verschiedener Junioren-Nationalmannschaften tätig. Insgesamt stand er bei mehr als 1000 Spielen als Co-Trainer an der Seitenlinie.
Besonders erfolgreich verlief seine Zeit beim FC Bayern. Zwischen 2011 und 2013 arbeitete Hermann erstmals als Assistent von Jupp Heynckes in München. 2013 feierte das Trainerteam mit den Bayern das historische Triple aus deutscher Meisterschaft, DFB-Pokal und Champions League.
Als Heynckes im Herbst 2017 nach München zurückkehrte, kam auch Hermann wieder zum FC Bayern. Bis zum Abschied von Heynckes im Sommer 2018 blieb er dessen rechte Hand. Anschließend arbeitete Hermann noch eine Saison im Trainerteam von Niko Kovač. Insgesamt gewann er mit dem FC Bayern drei deutsche Meisterschaften, zwei DFB-Pokale, zwei Supercups und einmal die Champions League.
Seine letzte Trainerstation war Borussia Dortmund, wo er 2022 Edin Terzic als Co-Trainer unterstützte. Noch im Dezember desselben Jahres musste Hermann seine Tätigkeit krankheitsbedingt beenden.
Peter Hermann litt bereits seit einiger Zeit an ALS
Wie Bayer Leverkusen in seinem Nachruf bestätigte, litt Peter Hermann bereits seit längerer Zeit an ALS (Amyotrophe Lateralsklerose). Die unheilbare Nervenerkrankung hatte zuletzt deutliche Auswirkungen auf seinen Gesundheitszustand. Seine Stimme sei bereits beeinträchtigt gewesen, zudem habe ihn die Krankheit zuletzt in den Rollstuhl gezwungen.
Der heutige BVB-Trainer Niko Kovač hatte bereits als Spieler in Leverkusen mit Hermann zusammengearbeitet und später als Bayern-Coach erneut an seiner Seite gestanden. Wenige Sekunden nach dem Abpfiff der Partie in Stuttgart erfuhr Kovač von Hermanns Tod. Anschließend äußerte er sich bei Sky sichtlich bewegt:
„Ich habe auch noch versucht, ich weiß gar nicht, vor ein, zwei Monaten, ihn zu sprechen. Das war gar nicht mehr möglich.“ Damals habe Hermanns Tochter den Anruf entgegengenommen. „Die Krankheit war so schwer, dass sie unheilbar war. Deswegen bin ich tieftraurig. Ein toller Mensch hat uns verlassen. Gott habe ihn in seiner Seele gnädig.“
Weggefährten nehmen Abschied von Peter Hermann
Wie sehr Hermann seinem langjährigen Verein verbunden war, wurde am Sonntag erneut deutlich. Nur einen Tag nach seinem Tod empfing Bayer Leverkusen in der BayArena RB Leipzig. Vor dem Anpfiff gedachten beide Mannschaften, das Schiedsrichter-Team und die Zuschauer des Verstorbenen mit einer Schweigeminute. Die Spieler liefen zudem mit Trauerflor auf. Auf der Tribüne war ein Banner mit den Worten „Eine treue Seele des Fußballs – Ruhe in Frieden Peter Hermann“ zu sehen.
Auch Bayer-Sportgeschäftsführer Simon Rolfes würdigte Hermann nach dessen Tod. Für viele Spieler sei er „schlicht und einfach Bayer 04“ gewesen. Hermann habe mit seiner herzlichen Art jedem Einzelnen zur Seite gestanden, Spieler unterstützt, gefördert und gefordert.
Auch beim FC Bayern sorgte die Nachricht für große Trauer. Präsident Herbert Hainer erinnerte insbesondere an Hermanns Anteil am Triple von 2013: „Das historische Triple 2013 ist auch mit seinem Namen verbunden.“ Hermann habe zu den Menschen gehört, die nicht unbedingt im Rampenlicht stehen, aber dafür sorgen, dass im Hintergrund alles funktioniert.
Besonders persönliche Worte kamen auch von ehemaligen Bayern-Spielern. Philipp Lahm erinnerte sich an Hermann als „überragenden Assistenten“ und wichtiges Bindeglied zwischen Mannschaft und Cheftrainer. Franck Ribéry verabschiedete sich mit den Worten: „Peter, mein Freund! Du weißt, wir werden nie vergessen, was wir alle zusammen erreicht haben!“ Auch Thomas Müller, Manuel Neuer, Arjen Robben und weitere Weggefährten erinnerten an Hermann.
Für Bayer-Ehrenspielführer Stefan Kießling war Hermann ebenfalls weit mehr als ein Trainer. „Ich habe ihm viel zu verdanken“, sagte Kießling und hob vor allem Hermanns Fingerspitzengefühl und seine Fähigkeit hervor, in persönlichen Gesprächen die richtigen Worte zu finden.
SKY
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