Jesús de Miguel (†): Nach Todes-Foul – muss der Torwart jetzt ins Gefängnis?
Nach dem Tod von Fußballprofi Jesús de Miguel steht sein Gegenspieler Jesús Owono im Fokus der Ermittlungen. Könnte der Torwart eine Haftstrafe bekommen?

Der Tod von Jesús de Miguel erschüttert die Fußball-Welt. Nach dem folgenschweren Zusammenprall mit dem Torwart Jesús Owono starb der 30-jährige Stürmer des CD Teneriffa im Krankenhaus. Während die Anteilnahme groß ist, rückt inzwischen auch die juristische Aufarbeitung des Unglücks in den Mittelpunkt. Muss Owono wegen seines Einsatzes auf dem Spielfeld mit einer Gefängnisstrafe rechnen? Ein renommierter spanischer Strafrechtsexperte hält das grundsätzlich für möglich. Ob es tatsächlich dazu kommt, hängt allerdings von einigen Faktoren ab.
Strafrechtsexperte erklärt: Bis zu vier Jahre Haft möglich
Emilio Cortés, Professor für Strafrecht, hat sich im spanischen Radiosender Cope zu den möglichen Konsequenzen für Owono geäußert. Seiner Einschätzung nach könnte die Aktion als fahrlässige Tötung eingestuft werden. Dabei sei zu beachten, dass der Torwart den Tod des Gegenspielers nicht beabsichtigt haben muss, um strafrechtlich verantwortlich gemacht werden zu können. Das spanische Strafrecht unterscheidet bei fahrlässiger Tötung zwischen grober und weniger schwerer Fahrlässigkeit.
Laut dem Experten könnten Owono in einem schweren Fall bis zu vier Jahre Gefängnis drohen. Bei einer weniger schweren Form sieht das Gesetz dagegen eine Geldstrafe vor. Der Jurist betonte, dass er den Zusammenprall grundsätzlich als fahrlässiges Verhalten einordne. Ob die Voraussetzungen für die schwerere Form erfüllt sind, könne aber erst nach einer genauen Untersuchung entschieden werden. Dafür müsse insbesondere rekonstruiert werden, wie sich Owono im entscheidenden Moment verhalten habe.
Ein Detail könnte für Jesús Owono entscheidend werden
Besondere Bedeutung misst Cortés einem Umstand bei: De Miguel habe den heranstürmenden Torwart nicht gesehen, während Owono seinen Gegenspieler vor dem Zusammenprall offenbar im Blick gehabt habe. „Das ist absolut entscheidend“, erklärte der Strafrechtsexperte.
Zur Erinnerung: Die Szene ereignete sich in der Nachspielzeit der Partie zwischen CD Teneriffa und FC Andorra. De Miguel lief einem hohen Ball entgegen, während Owono seinen Strafraum bereits verlassen hatte und weit vor seinem Tor in den Zweikampf ging. Der Torwart sprang mit angewinkeltem Knie in Richtung des Stürmers und traf ihn im Brustbereich. De Miguel brach anschließend zusammen. Owono erhielt für seinen Einsatz die Rote Karte.
Doch eine sportrechtliche Bewertung des Fouls beantwortet noch nicht die Frage nach einer möglichen Straftat. Entscheidend wird sein, ob die Ermittler:innen eine besonders gefährliche und vermeidbare Handlung feststellen können. Auch der genaue Ablauf des Zusammenpralls muss dafür rekonstruiert werden.
Polizei untersucht den Tod von Jesús de Miguel
Neben der sportlichen Aufarbeitung steht inzwischen auch die Polizei im Fokus. Die Mordermittlungsgruppe der Nationalpolizei in Santa Cruz de Tenerife soll die Umstände des Todes untersuchen. Dabei geht es nicht darum, dass dem Torwart vorsätzliches Töten vorgeworfen wird. Vielmehr muss geprüft werden, ob sein Verhalten die Voraussetzungen einer strafbaren Fahrlässigkeit erfüllt.
Eine solche Untersuchung ist jedoch ungewöhnlich, weil tödliche Zusammenstöße während eines Fußballspiels äußerst selten sind. Einen vergleichbaren etablierten Präzedenzfall gibt es nicht. Wie die Justiz die besondere Situation eines sportlichen Zweikampfs rechtlich bewertet, dürfte deshalb eine zentrale Rolle spielen.
Auch die spanischen Fußballbehörden können Konsequenzen ziehen. Nach dem Disziplinarrecht des spanischen Fußballverbands sind bei gewaltsamem Verhalten während eines Spiels, das zu schweren Verletzungen führt, Sperren zwischen vier und zwölf Partien vorgesehen. Welche sportliche Sanktion im konkreten Fall verhängt wird, muss ebenfalls geprüft werden.
Torwart Jesús Owono hat seinen Instagram-Account gelöscht
Während die Ermittlungen anlaufen, ist Owono auch im Internet massiven Anfeindungen ausgesetzt. In sozialen Netzwerken wurde der Torwart nach dem Unglück unter anderem als „Mörder“ beschimpft. Zudem erhielt er rassistische Beleidigungen. Einige Nutzer:innen forderten sogar einen lebenslangen Ausschluss vom Fußball.
Inzwischen hat Owono seinen Instagram-Account gelöscht. Bereits unmittelbar nach dem Zusammenprall hatte sein Verhalten auf dem Spielfeld für Diskussionen gesorgt: Zunächst ging er davon aus, die Rote Karte zu erhalten, und bewegte sich in Richtung Seitenlinie. Als er bemerkte, dass die medizinischen Helfer zu De Miguel gerufen wurden, kehrte er jedoch zurück und ging zu den Spielern, die sich um den am Boden liegenden Stürmer versammelt hatten. Die jetzige Situation dürfte den Torwart schwer belasten.
Muss der Torwart jetzt ins Gefängnis?
Eine Gefängnisstrafe ist nach Einschätzung von Strafrechtsexperte Cortés rechtlich möglich. Sie steht jedoch keineswegs fest. Zunächst müssen die Ermittler:innen den Ablauf des Zusammenpralls genau untersuchen und klären, ob Owono eine grobe Fahrlässigkeit vorzuwerfen ist. Erst danach lässt sich beurteilen, ob es zu einer strafrechtlichen Anklage und möglicherweise einem Prozess kommt.
Für Jesús Owono bedeutet das: Neben möglichen Konsequenzen durch den Fußballverband muss er auch mit einer strafrechtlichen Prüfung rechnen. Ob er am Ende tatsächlich vor Gericht landet und sogar eine Haftstrafe erhält, ist derzeit offen.
Der tragische Tod von Jesús de Miguel hat damit nicht nur eine sportliche, sondern auch eine juristische Dimension angenommen. Im Mittelpunkt steht nun die schwierige Frage, wo bei einem riskanten Zweikampf die Grenze zwischen einem sportlichen Vergehen und strafbarer Fahrlässigkeit verläuft.






