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Der Schmetterlingseffekt erreicht Westeros

„House of the Dragon“: Davor hat uns George R.R. Martin gewarnt – Folge 4 verändert den Tanz der Drachen

Eine subtile Szene in „House of the Dragon“ Staffel 3 deutet den Auftritt einer bisher vernachlässigten Figur an – mit weitreichenden Folgen für die Handlung.

Die Armee der Hohenturms.
Der Tanz der Drachen entscheidet sich nicht auf dem Schlachtfeld. Foto: Theo Whiteman/HBO

George R.R. Martin hatte uns bereits gewarnt. In einem inzwischen gelöschten Beitrag auf seiner Website richtete der Autor der Buchvorlage mahnende Worte an Showrunner Ryan Condal: Er solle sich „vor den Schmetterlingen hüten“ – eine Anspielung auf den Schmetterlingseffekt, also die unbeabsichtigten Konsequenzen, die selbst kleine Abweichungen vom Kanon langfristig auslösen können. Staffel 3 von „House of the Dragon“ liefert nun ein anschauliches Beispiel dafür.

Eine Schwangerschaft verändert alles

In Episode 4 offenbart sich in einer ruhigen, fast beiläufigen Szene etwas Folgenreiches: Alicent Hohenturm bemerkt Veränderungen am Körper ihrer Tochter Helaena Targaryen – sie ist schwanger. Alicent ist sofort alarmiert, denn ein weiterer potenzieller Thronerbe könnte zu keinem schlechteren Zeitpunkt auf die Welt kommen. Rhaenyra hält Königsmund besetzt, und ein neues Kind von Helaena und dem im Exil befindlichen König Aegon II. wäre politisch hochbrisant.

In George R.R. Martins Buchvorlage „Feuer und Blut“ spielt diese Schwangerschaft keine Rolle. Helaena hatte zum Zeitpunkt des Tanzes der Drachen bereits drei Kinder – zwei Söhne und eine Tochter. Der jüngere der beiden Söhne heißt Maelor und wurde von „House of the Dragon“ vollständig aus der Serie gestrichen. Nun scheint die Produktion die Figur auf Umwegen zurückzubringen – nur eben als ungeborenes Kind statt als bereits existierende Person.

Achtung, es folgen Spoiler zum weiteren Verlauf der Serie!

Was Martin ursprünglich schrieb

Helaena spielt draußen mit ihrer Tochter Jaehaera.
Aktuell hat Helaena nur ein Kind, ihre Tochter Jaehaera. Foto: Ollie Upton/HBO

Im Buch ist Maelors Rolle von zentraler Bedeutung. Als die Attentäter Blut und Käse in den Roten Bergfried eindringen, zwingen sie Helaena, einen ihrer Söhne für den Tod auszuwählen. Da Jaehaerys als ältester Sohn der Thronfolger ist, wählt sie in ihrer Verzweiflung den jüngeren Maelor. Doch Blut und Käse töten trotzdem Jaehaerys – und lassen Maelor mit dem Wissen zurück, dass seine eigene Mutter ihn zum Sterben ausgesucht hatte.

In der Serie musste Helaena in Staffel 2 lediglich zeigen, welches ihrer Zwillingskinder ein Junge ist – eine ohnehin schon grauenhafte Szene, aber ohne die zusätzliche moralische Dimension der Buchvorlage. Maelors Abwesenheit hatte dabei direkte Konsequenzen: In Martins Geschichte ist die Schuld über ihre Wahl ein wesentlicher Grund dafür, dass Helaena später in den Tod springt. Ihr Selbstmord wiederum löst einen Volksaufstand aus, weil die Bevölkerung von Königsmund Helaena liebt – und dieser Aufstand trägt maßgeblich zu Rhaenyras Sturz bei.

Nun, da Maelor offenbar als ungeborenes Kind in die Geschichte zurückgeführt wird, stellen sich grundlegende Fragen: Was wird Helaena in dieser Version in den Tod treiben? Wird HBO einem noch jüngeren Kind dasselbe Schicksal zumuten, das Maelor im Buch erwartet – nämlich von einem Mob zerrissen zu werden?

Eines scheint trotz aller Abweichungen wahrscheinlich: Ein gutes Ende wird weder Helaena noch ihr Kind haben. Ein weiterer Erbe Aegons, der während Rhaenyras Herrschaft über Königsmund geboren wird, wäre für die Königin politisch untragbar. Ob durch ihre eigene Entscheidung oder durch einen tragischen Zufall – Helaena und ihr drittes Kind werden in „House of the Dragon“ sterben. Vielleicht ist es genau dieser Verlust, der Rhaenyra in die Tyrannei treibt, die ihr die Geschichte nachsagt.

Quellen
Ed Sheeran Game of Thrones - Foto: HBO
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