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Hokum pokum

Hotels sind die Hölle … „Hokum“ auch? Kritik

In der Horrorszene heiß erwartet, aber lang verschoben: Nun schlägt „Hokum“ wenigstens einigermaßen in den deutschen Kinos auf – aber lohnt sich der Gang überhaupt?

Adam Scott kniet mit Laterne in einem Speiseaufzug.
Ohm (Adam Scott) sitzt in der Klemme – und jagt einer Hexe hinterher. Foto: © Neon

Ist die Jahreshälfte vorbei, dann wurde im jährlichen Horrorgenre allmählich die Spreu vom Weizen getrennt. „Obsession“ wurde von vielen gut befunden, „Backrooms“ gilt als moderner Klassiker und über „undertone“ sowie „Silent Hill“ spricht kein Mensch mehr. Ein Film, der in den Massen der diesjährigen Horrorfilme einigermaßen untergegangen ist, ist „Hokum“ von Damian McCarthy.

Nun kann man den Film zumindest im Rahmen des Fantasy Filmfests sehen. Grund genug, die Frage zu stellen, ob der Film tatsächlich die Vorschusslorbeeren verdient hat, die ihm bereits zugesprochen wurden.

Worum geht es in „Hokum“?

Video Platzhalter
Video: DCM

Den Autor Ohm Bauman (Adam Scott) hat es ins ländliche Irland in das Bilberry Woods Hotel verschlagen, in der Hoffnung, dass er dort den Abschluss seiner „Conquistador“-Trilogie schreiben kann. Doch als er entdeckt, dass die Honeymoon-Suite im Hotel verriegelt ist, weil dort oben angeblich eine Hexe hausen soll, stellt er Nachforschungen an – und findet schnell heraus, dass es Angelegenheiten gibt, aus denen man sich eher raushalten sollte.

Schöne Fassade, verkommene Einrichtung

Als guter Autor sollte Ohm Bauman eigentlich wissen, wann man Punkt oder Komma setzen sollte, aber wie der Film offenbart, dauert es etwas länger, bis Ohm dort ankommt, wo er hingehört … nicht nur metaphorisch, sondern auch buchstäblich. Circa die erste halbe Stunde von „Hokum“ spielt sich recht klassisch ab: Man versucht, Worldbuilding zu betreiben, aber bei dem Versuch, die Welt auszuschmücken, ist man beinahe zu gemütlich unterwegs und sorgt dafür, dass der Hauptschauplatz des Hotels im verregneten Irland beruhigend schläfrig auf einen wirkt.

Lange fragt man sich, wo der Film hinmöchte – nicht unbedingt örtlich, denn dass es Bauman früher oder später gelingt, in die Honeymoon-Suite zu gelangen, dürfte keine Überraschung sein – und das zehrt leider etwas an den Nerven. Es ist vollends in Ordnung, ein Mysterium aufzubauen, aber dabei sollte man stets versuchen, das Publikum auch in Spannung zu versetzen.

Kommt in „Hokum“ Spannung auf?

Nachdem die erste halbe Stunde vorübergezogen ist, erschließt sich dem Publikum schnell, was „Hokum“ sein möchte. Greift man zu Vergleichen, so könnte man die zwei letzten Drittel als eine Mixtur zwischen „They Will Kill You“ und der „Escape Room“-Duologie bezeichnen. Das klingt auf dem Papier auch ganz nett und jedes Mal, wenn man die Nähe zu „Escape Room“ sucht, geht der Versuch auch auf, aber andererseits sinkt damit auch etwas das Interesse daran, ob hinter dem Hotel wirklich mehr steckt. Ohms Ausbruchsversuche sind raffiniert und kreativ, aber ob durch die Honeymoon-Suite wirklich eine Hexe spukt, könnte einem irgendwann nicht egaler sein.

Das hängt aber auch damit zusammen, dass man nie wirklich um Ohm bangt, da dieser, gelinde gesagt, ein regelrechter Misanthrop ist, der nicht wirklich Wiedergutmachungspotenzial mitbringt. Früher oder später handelt er zwar aus guten Intentionen, aber andererseits schwingt immer dieser negative Beigeschmack mit, dass man sich auch einfach denken könnte, dass er all dies nur tut, um seine eigene Neugierde zu befriedigen. Andererseits muss man sagen, dass es durchaus erfrischend ist, im Horrorgenre mal einen Unsympathen anstelle eines Gutmenschen als Protagonisten vorgesetzt zu bekommen. Aber mit all dem, was Ohm ausmacht und ihn bewegt, wird nicht viel gemacht, da sich am Ende des Tages doch alles der Prämisse unterordnen muss.

„Hokum“? I hardly knew him: Fazit

Ist es ein Zufall, dass sich im Titel „Hokum“ bereits das Wort „Ok“ versteckt? Ich denke nicht. Dafür, dass ich „Hokum“ wirklich sehnsüchtig erwartet habe, stehe ich nun etwas enttäuscht vor vollendeten Tatsachen. Tendenziell weiß ich gar nicht, was ich mehr gewollt hätte. Vielleicht ist das einfach einer dieser Fälle, in denen das Gesamtpaket nicht wirklich stimmt.

Aber das ist das Schöne an Meinungen und Filmen: Sie sind ein rein subjektives Erlebnis. Wer also Lust hat, sich „Hokum“ vor dem augenscheinlich geplanten Kinostart am 31. Dezember anzuschauen, kann ihn bereits im Laufe des Monats in ausgewählten Städten im Rahmen des Fantasy Filmfests sehen.

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