Dschungelcamp

Gil Ofarim im Dschungelcamp 2026: Comeback-Versuch oder reines Kalkül?

Nach seinem Geständnis vor Gericht kehrt Gil Ofarim ins Rampenlicht zurück – doch ein ehemaliger Dschungelcamp-Star bezweifelt, dass es ihm dabei um echte Aufarbeitung geht.

Gil Ofarim bei der Abreise der Dschungelcamp-Kandidaten der RTL Reality-TV-Show Ich bin ein Star - holt mich hier raus nach Australien auf dem Flughafen Frankfurt am Main.
Gil Ofarim will Dschungelkönig 2026 werden. Foto: IMAGO / Matthias Wehnert

Am 23. Januar zieht Gil Ofarim ins RTL-Dschungelcamp – ein Schritt, der für viele überraschend kommt und sofort Diskussionen auslöst. Der Musiker wagt nach langer Zeit wieder den Gang in die Öffentlichkeit. Zur Einordnung: Im Oktober 2021 hatte Ofarim in einem Instagram-Video behauptet, in einem Leipziger Hotel wegen seiner Davidstern-Kette antisemitisch beleidigt worden zu sein. Später stellte sich diese Anschuldigung als erfunden heraus. Im November 2023 gestand er vor dem Landgericht Leipzig, gelogen zu haben.

Nun also das Dschungelcamp 2026. Doch geht es dabei wirklich um einen Neuanfang?

Dschungelcamp nach dem Skandal: Neuanfang oder Kalkül?

Für viele Zuschauer stellt sich die zentrale Frage: Will Gil Ofarim im australischen Busch Verantwortung übernehmen und seine Vergangenheit aufarbeiten – oder verfolgt er ganz andere Ziele? Besonders deutlich äußert sich dazu Julian F. M. Stoeckel, selbst ehemaliger Dschungelcamp-Teilnehmer.

Stoeckel, der vor zwölf Jahren selbst Teil des Camps war, spricht mit t-online offen über moralische Grenzen im Reality-TV. Die Idee, Ofarims Teilnahme könne ein ehrlicher Versuch der Aufarbeitung sein, weist er klar zurück. Seine Antwort fällt eindeutig aus: „Auf keinen Fall.“

Stattdessen äußert er einen anderen Verdacht. Seine Einschätzung: „Ich glaube nicht, dass Gil Ofarim beim Dschungelcamp mitmacht, um etwas gutzumachen. In all den Ausschnitten, die man bisher gesehen hat, hatte man eher den Eindruck, dass er einfach eine verdammt hohe Gage bekommt und dafür Teilnehmer am Dschungelcamp geworden ist.“

Julian F.M. Stoeckel auf dem roten Teppich.
Julian F.M. Stoeckel ist selbst ehemaliger Dschungelcamp-Teilnehmer. Foto: IMAGO / Future Image

„Um das eigene Konto wieder aufzubessern“

Für Stoeckel ist klar, welchen Zweck die Teilnahme erfüllen könnte. Er ist sich sicher, dass Ofarim die Show nutzt, „um das eigene Konto wieder aufzubessern“. Eine Aussage, die die Debatte weiter anheizt: Dient das Dschungelcamp gefallenen Stars wirklich als zweite Chance – oder ist es vor allem ein lukratives Comeback-Format?

Doch Stoeckels Kritik richtet sich nicht nur gegen Ofarim, sondern gegen das Reality-TV insgesamt. Formate wie „Sommerhaus der Stars“ oder „Temptation Island“ würden aus seiner Sicht vor allem von Eskalation, Grenzüberschreitungen und Konflikten leben. „Das hat ja schon lange nichts mehr mit Unterhaltung zu tun“, sagt er deutlich.

Einen Anspruch, Menschen zu resozialisieren oder moralisch einzuordnen, sieht er in den meisten Shows nicht: „Ich glaube, dass die meisten Reality-TV-Formate heutzutage nicht diesen Anspruch haben.“

RTL setzt auf Aufmerksamkeit – und erreicht sie

Ob Sender bei der Auswahl ihrer Kandidaten moralische Verantwortung tragen, lässt Stoeckel offen. Für ihn ist entscheidend, worum es im Kern gehe: Aufmerksamkeit. „Wir sprechen jetzt alle über das Dschungelcamp. Darum geht es doch bei RTL. Im Gespräch sein, Aufmerksamkeit, Quote.“ Genau das habe der Sender erreicht – „in einer Zeit, in der das Fernsehen gar keine so große Strahlkraft mehr besitzt“.

Dass umstrittene Persönlichkeiten gezielt besetzt werden, überrascht Stoeckel nicht. Er nennt Beispiele wie Günther Krause, Ingrid van Bergen, Helmut Berger oder Arno Funke und bringt es auf den Punkt: „Aber am Ende machen Sie das Salz in der Suppe aus.“

Gleichzeitig wünscht er sich eine Rückkehr zu mehr Tiefgang im Camp: „Menschen mit Geschichten, mit Lebenserfahrung“ – und weniger „Berufs-Reality-TV-'Stars'“, deren Existenz sich daraus speise, „sich von Format zu Format zu hangeln“.

Gil Ofarim: Geld, Image oder beides?

Ob Gil Ofarim das Dschungelcamp 2026 nutzt, um sich seiner Vergangenheit ehrlich zu stellen, bleibt offen. Klar ist jedoch: Julian F. M. Stoeckel glaubt nicht an Aufarbeitung, sondern vermutet vor allem finanzielle Motive. Ebenso klar ist: Mit dieser Personalie hat RTL eines erreicht, was im Reality-TV zählt – maximale Aufmerksamkeit.

Quellen