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Kino

„Ferrari“ | Filmkritik: Adam Driver zwischen Pferdestärken, Trauma und Liebe

Michael Mann inszeniert in „Ferrari“ ein sehr unerwartetes Biopic des legendären italienischen Rennwagenherstellers, dessen persönliches Schicksal sich in einer Reihe von tragischen Ereignissen im Sommer 1957 formt.

Ferrari
Unsere Kritik zu „Ferrari“ von Michael Mann Foto: Neon

Während Enzo Ferrari (Adam Driver) in der Kirche mit sichtbaren Schweißperlen seine Kommunion empfängt, wird an anderer Stelle bereits an seinem gottgleichen Status gesägt: Ausgerechnet die Konkurrenz von Maserati will auf der Hausstrecke in Modena einen neuen Streckenrekord aufstellen. Steht der Messe des Heiligen Vaters zu lauschen, sitzen Enzos Weggefährten in den engen Kirchbänken und schauen nervös auf ihre Stoppuhren. Maserati hat tatsächlich den Streckenrekord geknackt. Enzo Ferrari entgegnet beim Heraustreten aus der Kirchentür selbstbewusst: „Wir holen ihn heute wieder zurück.“ Den Wettbewerb hat der Automobilrennfahrer nämlich nie gescheut, auch wenn beim Vorbeirasen viel Staub aufgewirbelt wurde, der zwangsläufig seine Spuren (in den Geschichtsbüchern) hinterlassen hat.

Der deutsche Trailer zu Ferrari:

Video Platzhalter
Video: Prime Video

"Ferrari": Alles andere als ein typisches Biopic

Der italienische Festivaldirektor Alberto Barbera hatte einmal erwähnt, dass „Ferrari“ einer der italienischsten Filme sei, die er von einem Nicht-Italiener gesehen hätte. Tatsächlich führt beim italienischsten aller italienischen Themen ausgerechnet „Heat“- und "Collateral"-Regisseur Michael Mann Regie, der mit Adam Driver natürlich ein Schwergewicht in die Rolle von Enzo Ferrari besetzt hat. Spannenderweise verzichtet Mann auf ein klassisches Biopic des legendären Rennfahrers und Gründer des Rennwagenherstellers Ferrari, dass dessen wichtigste Lebensstationen abklappert, sondern konzentriert sich auf eine sehr wegweisende und gleichzeitig auch tragische Zeit im Leben von Enzo Ferrari. Der Film spielt knapp ein Jahr nach dem tragischen Tod von Enzo Ferraris Sohn Alfredo „Dino“ Ferrari, der im Alter von 24 Jahren an den Folgen von Muskeldystrophie verstorben war.

Der Tod ihres erstgeborenen Sohnes führte zu einer schweren Krise zwischen Enzo und seiner Frau Laura (gespielt von Penélope Cruz), die zu dieser Zeit auch geschäftlich die wichtigsten Fäden im Leben des Rennwagenherstellers spielt. Cruz spielt Laura mit einer bewussten, fast schon runtergespielten Klarheit und beeindruckt trotzdem mit ihrer schauspielerischen Klasse selbst in den kleinen privaten und geschäftlichen Momenten ihre Wandelbarkeit unter Beweis zu stellen. Selbst wenn es auf der Strecke immer wieder zu unfreiwilligen Wacklern in der Erfolgsstory von Enzo Ferrari kommt, ist es vor allem seine private Geheimniskrämerei, die ihn endgültig zum Schlittern bringt: Lina Lardi (gespielt von Shaileene Woodley) hat Enzo einen weiteren Sohn namens Piero „geschenkt“, den er mit seiner Geliebten in einem geheimen Wohnsitz außerhalb von Modena versteckt hält.

Auch spannend:

"Ferrari": Zwischen Rennstrecke, Schlafzimmer und Automobilgarage

Ferrari Penelope Cruz
Penélope Cruz als Laura in "Ferrari" Foto: NEON / Lorenzo Sisti

Wer von Michael Manns „Ferrari“ viel Glanz, Glamour und flotte Rennaction erwartet, wird möglicherweise etwas enttäuscht: Zwar steuert der US-Regisseur seinen Film in ein adrenalindurchtränktes Finale auf und neben der Rennstrecke, doch Ferrari schlägt auch erstaunlich leise dramatische Töne an, weil das Privatleben der italienischen Rennfahrlegende immer im Zentrum des Interesses bleibt. Adam Driver bewegt sich hier eben nicht mehr im aufgedonnerten „House of Gucci“-Modus, auch wenn uns sein Englisch mit gewöhnungsbedürftigem italienischem Akzent manchmal daran erinnert. Stattdessen spielt der Hollywood-Ausnahmedarsteller Enzo mit viel Ernsthaftigkeit, einem cleveren Geist und Ehrgeiz und trotzdem als jemanden, der die Überholspur des Lebens endgültig verlassen hat und das nicht wirklich wahrhaben möchte.

Dass sich Mann auf diese Periode im Leben des italienischen Ausnahmerennfahrers beschränkt, verleiht „Ferrari“ eine gewisse Schwere und Langwierigkeit, die er im Verlauf der 130 Minuten nicht ganz abschütteln kann. Gleichzeitig ist im Fall von „Ferrari“ weniger tatsächlich manchmal mehr: Durch den Fokus auf den Sommer 1957 erfährt das Leben und Wirken von Enzo Ferrari eine erstaunliche Konzentration und Kompaktheit, die dem Spielfilm letztendlich auch seinen emotionalen Impact verleiht. Ob dieser sehr „italienische“ Film trotz Starpower in Nebenrollen wie Patrick Dempsey und den bereits erwähnten Penélope Cruz und Shailene Woodley sein Publikum finden wird? Beim Kampf um ein Kino-Release musste Ferrari hierzulande jedenfalls die Konkurrenz vorbeiziehen lassen. 

Ferrari startet am 01. März 2024 bei Amazon Prime Video.

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