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WM 2026

Esther Sedlaczek im Interview: So kräftezehrend ist ihr Job als Sport-Moderatorin wirklich

Esther Sedlaczek berichtet an der Seite von Bastian Schweinsteiger für die ARD von der WM 2026. Im Interview verrät die Moderatorin, welche Situationen sie auch nach Jahren im Fernsehen noch nervös machen und was die Zusammenarbeit in ihrem Team so besonders macht.

Esther Sedlaczek im braunen Mantel mit ernstem Blick.
Esther Sedlaczek ist bei der WM 2026 einer der Gesichter der ARD. Foto: IMAGO / Chai v.d. Laage

2011 stand Esther Sedlaczek das erste Mal vor der Kamera. Heute ist die Moderatorin gerade aus der Sportberichterstattung nicht mehr wegzudenken. Gemeinsam mit Bastian Schweinsteiger kommentiert und ordnet sie aktuell die Spiele der Fußball-Weltmeisterschaft in den USA, Kanda und Mexiko ein. Und auch wenn die deutsche Nationalmannschaft durch die bittere Niederlage gegen Paraguay nicht mehr Teil des Wettbewerbs sind, werden wir das Duo noch einige Zeit zu sehen bekommen.

Esther Sedlaczek: So läuft die Arbeit vor der Kamera wirklich ab

TV Movie Online: Die Fußball-WM läuft seit mehreren Wochen. Wie fühlt es sich an, nun mitten im Geschehen zu sein?

Esther Sedlaczek: Bei mir ist das immer so: Ein Großereignis ist etwas Besonderes, wie eine Klassenfahrt, die man mit seinen Kollegen unternimmt. Man steht auch unter besonderem Druck, weil man auf einer wahnsinnig großen Bühne steht. Aber dieses WM-Feeling, dieses große Turnierfeeling, ist schon etwas ganz Besonderes. Das ist eine sehr spannende Zeit.

TV Movie Online: Ich stelle mir das aber auch kräftezehrend vor. Das ist ein Zeitraum von mehreren Wochen, in dem man dauerhaft unter Strom steht. Wie ist das eigentlich? Gibt es Phasen, in denen man wirklich mal runterkommen kann? Oder heißt es wochenlang einfach durchziehen?

Esther Sedlaczek: Man hat zwischendurch, gerade wenn es später in die finale Phase geht, schon auch mal die Möglichkeit, ein bisschen durchzuatmen. Ansonsten bist du in diesem permanenten Vorbereiten, Abliefern, Vorbereiten, Abliefern. Man steht schon unter Dauerstrom. Das ist übrigens bei Olympia nichts anderes. Das merkt man dann im Nachhinein auch, wenn dieser Druck abfällt und man einfach sagt: ‚Okay, jetzt kann ich mich wirklich entspannen. Es kommt jetzt erstmal nichts, ich habe einen Break‘.

Auf der anderen Seite ist es aber eben auch diese Klassenfahrt-Mentalität und dieser Fokus, der es zu etwas ganz Besonderem macht.

Esther Sedlaczek: „Das verbindet einen für ein Leben lang“

TV Movie Online: Du hast gerade schon angesprochen, dass man auch eine Familie ist. Ihr seid ja nicht nur du und Basti, sondern auch einige Leute hinter den Kulissen. Habt ihr als Team irgendein Ritual?

Esther Sedlaczek: Ein gemeinsames, festes Ritual haben wir nicht. Man muss ja auch sagen: Bei Weltmeisterschaften sind wir ein sehr kleines Team vor Ort. Das sind nicht wahnsinnig viele Menschen. Da gibt es das in dieser Form nicht.

Wodurch sich die Zusammenarbeit eher auszeichnet, ist der intensive Austausch und diese intensive Zeit, die man miteinander verbringt. Das hast du im normalen Berufsalltag nicht. Gerade auch für mich, die nicht jeden Tag in die Redaktion geht und dort einen festen Arbeitsplatz hat, ist das natürlich etwas Besonderes.

Das verbindet einen auch für ein Leben lang. Wenn ich jetzt an die WM in Katar oder auch an Olympia denke, dann verbindet man das miteinander. Wenn man sich später wieder trifft, heißt es: ‚Ach, weißt du noch, in Paris? Das war so schön‘.

TV Movie Online: Du hast jetzt auch noch mal einen ganz besonderen Blick auf diese WM, weil du gemeinsam mit Thomas Hitzlsperger eine Doku gemacht hast. Kannst du darüber ein bisschen erzählen?

Esther Sedlaczek: Ich war in den USA und in Mexiko. Thomas und ich haben uns das aufgeteilt, weil es für eine Person schwer umzusetzen ist. Zumal ich ja auch kleine Kinder habe. Und es ist ja auch super, wenn du jemanden wie Thomas hast, mit dem du dir das aufteilen kannst.

Was die Euphorie in den USA angeht, war die im Vorfeld der WM noch nicht sonderlich vorhanden. Viele hatten gar nicht auf dem Zettel, dass diese Weltmeisterschaft bald stattfindet. Das war auch interessant. Es ist klar, dass diese WM wieder viel Neues mitbringt, auch was die Show drumherum angeht. Wir kennen alle die Super-Bowl-Halftime-Show, die natürlich gigantisch ist. Ich bin gespannt, wo es bei dieser WM hingeht, vor allem, wenn es Richtung K.-o.-Phase geht und die Spiele immer wichtiger werden. Was dann passiert und wie die Entwicklung des Fußballs dadurch weiter angestoßen wird.

TV Movie Online: Wenn man auf die Geschichte von Welt- und Europameisterschaften zurückblickt, gab es immer wieder Gastgeberländer, die kritisch diskutiert wurden. Manche Fans haben sogar gesagt, dass sie solche Turniere boykottieren. Hast du den Eindruck, dass die Menschen dieser WM eher kritisch oder mit Freude begegnen?

Esther Sedlaczek: Grundsätzlich habe ich großen Respekt vor Menschen, die sagen, sie wollen ein Zeichen setzen und boykottieren. Für mich persönlich ist der Weg, sich damit auseinanderzusetzen, die Themen sichtbar zu machen und trotzdem den Sport nicht komplett aufzugeben.

Ich finde, dass diese Diskussionen geführt werden müssen. Gleichzeitig ist Fußball aber natürlich etwas, das über Politik hinausgeht. Er bringt Menschen zusammen, schafft gemeinsame Momente und kann gerade in schwierigen Zeiten, in denen wir uns bewegen, ein Stück Normalität geben. Ich finde, wir sollten beides zulassen: kritisches Bewusstsein aber auch die Freude an diesem Sport.

TV Movie Online: Du stehst inzwischen seit vielen Jahren vor der Kamera. Weißt du noch, wie sich das 2011 angefühlt hat, als du zum ersten Mal vor der Kamera standest? Ist das heute ein anderes Gefühl oder ist die Aufregung immer noch da?

Esther Sedlaczek: Die Aufregung ist gerade bei WM-Spielen immer noch eine große. Das ist eine enorme Anspannung. Aber natürlich gehst du heute mit einer anderen Selbstverständlichkeit und mit einer ganz anderen Sicherheit da rein, weil du in all den Jahren viele Erfahrungen gesammelt hast. Du hast dir eine Sicherheit, ein Selbstbewusstsein und ein Selbstvertrauen geschaffen.

Und vor allen Dingen auch, zumindest ist das bei mir so, die Sicherheit, dass ich mich auf mich verlassen kann und ein gutes Gespür für die Situation habe, wenn es darum geht, kritisch nachzuhaken. Ich möchte immer gut vorbereitet sein. Da achtest du

tatsächlich noch mal ein Ticken mehr darauf und denkst dir: Es soll einfach nichts schiefgehen. Das ist noch mal ein anderer Druck, den du dir machst. Und das ist auch vollkommen in Ordnung.

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