Durch den Paramount-Warner-Deal: HBO Max steht vor dem Aus
Netflix steigt aus dem Bieterrennen um Warner Bros. aus. Paramount setzt sich mit einem erhöhten Angebot durch und gibt bereits die Zukunftspläne bekannt.

Update vom 3. März 2026: Kaum ist HBO Max nach langer Verzögerung in Deutschland gestartet, da bahnt sich bereits das Ende des Streamingdienstes an. Nach der Übernahme von Warner Bros. durch Paramount sollen HBO Max und Paramount+ zu einem großen Streamingdienst fusionieren. Infos über einen genauen Termin, die Kosten oder den neuen Namen des Dienstes gibt es noch nicht, online kursiert allerdings die eher scherzhaft gemeinte Bezeichnung MaxAmount+.
Ursprüngliche Meldung: Im milliardenschweren Bieterkampf um Warner Bros. Discovery ist eine Vorentscheidung gefallen: Netflix zieht sich offiziell zurück und wird sein Angebot nicht erhöhen. Damit ist der Weg frei für Paramount, die mit einem verbesserten Gebot als bevorzugter Käufer hervorgehen.
Zuvor hatte Warner Bros. Discovery mitgeteilt, dass das jüngste Angebot von Paramount dem am 5. Dezember unterzeichneten Deal mit Netflix über 82,7 Milliarden US-Dollar überlegen sei. Netflix hätte noch vier Geschäftstage Zeit gehabt, nachzubessern – entschied sich jedoch unmittelbar zum Ausstieg.
„Die von uns verhandelte Transaktion hätte für die Aktionäre Wert geschaffen und einen klaren Weg zur regulatorischen Genehmigung geboten. Allerdings waren wir stets diszipliniert, und zu dem Preis, der erforderlich wäre, um das jüngste Angebot von Paramount Skydance zu erreichen, ist die Transaktion finanziell nicht mehr attraktiv. Deshalb werden wir das Angebot von Paramount Skydance nicht überbieten.“
Die Börse reagierte positiv auf den Rückzug: Die Netflix-Aktie legte um rund 10 Prozent zu. Investoren hatten den Einstieg in ein groß angelegtes Studiogeschäft teilweise kritisch gesehen und bevorzugen offenbar das bisherige, organisch wachsende Geschäftsmodell des Streaminganbieters.
Der Verlauf des Bieterkriegs
Die Auseinandersetzung begann bereits vor rund sechs Monaten. Paramount-CEO David Ellison hatte unmittelbar nach Abschluss der Skydance-Paramount-Fusion im August Interesse an Warner Bros. Discovery signalisiert. Mehrere frühe Angebote wurden jedoch abgelehnt.
Daraufhin leitete der Verwaltungsrat von Warner Bros. Discovery einen formellen Auktionsprozess ein. Vier Angebote gingen ein – von Paramount, Netflix, Comcast sowie einem nicht näher benannten Bieter.
Am 5. Dezember erzielte Warner Bros. Discovery eine Einigung mit Netflix über den Verkauf seiner Streaming- und Studioaktivitäten zu letztlich 27,75 US-Dollar pro Aktie in bar. Für Netflix wäre dies eine strategische Neuausrichtung gewesen, da das Unternehmen bislang vor allem organisch gewachsen ist.
Paramount reagierte mit einem öffentlichen Übernahmeangebot, drohte mit einer Stimmrechtskampagne und erhöhte schrittweise die Offerte. Schließlich hob das Unternehmen den Preis auf 31 US-Dollar pro Aktie in bar an und ging auf weitere Forderungen von Warner Bros. Discovery ein – insbesondere hinsichtlich Finanzierungsgarantien.
Die finanziellen Details des Paramount-Angebots
Mit dem neuen Angebot will Paramount das gesamte Unternehmen Warner Bros. Discovery übernehmen – einschließlich Kabelsendern wie CNN und TNT. Neben dem höheren Kaufpreis enthält das Angebot mehrere wesentliche Komponenten:
2,8 Milliarden US-Dollar Abbruchgebühr für Netflix, zahlbar durch Paramount
Eine regulatorische Abbruchgebühr von 7 Milliarden US-Dollar, falls die Transaktion an kartellrechtlichen Hürden scheitert (zuvor 5,8 Milliarden)
Ein sogenannter „Ticking Fee“-Mechanismus von 0,25 US-Dollar pro Quartal ab dem 30. September 2026 bis zum Abschluss der Transaktion
Eine Eigenkapitalzusage des Ellison Trusts über 45,7 Milliarden US-Dollar, garantiert von Larry Ellison
Fremdkapitalzusagen über 57,5 Milliarden US-Dollar von Bank of America, Citigroup und Apollo
Warner Bros. Discovery wies zuletzt rund 33,5 Milliarden US-Dollar Schulden aus. Durch die Transaktion könnte der kombinierte Konzern mit über 90 Milliarden US-Dollar Gesamtverschuldung starten – es wäre der größte fremdfinanzierte Unternehmenskauf der Geschichte.
Paramount stellt 6 Milliarden US-Dollar an Kosteneinsparungen in Aussicht. Branchenbeobachter gehen davon aus, dass diese Einsparungen auch Stellenstreichungen beinhalten werden.
Politische Kritik und regulatorische Hürden
Die geplante Fusion stößt auf erheblichen politischen Widerstand. Die Senatorin Elizabeth Warren bezeichnete die geplante Paramount-Skydance-Warner-Fusion als „ein kartellrechtliches Desaster“, das höhere Preise und weniger Auswahl für amerikanische Familien bedeute.
Sie stellte zudem die Frage: „Was haben Trump-Beamte dem Netflix-CEO heute im Weißen Haus gesagt?“ Hintergrund ist ein Treffen von Ted Sarandos mit Vertretern der US-Regierung am Tag des Rückzugs.
Auch Senator Adam Schiff erklärte, der Zusammenschluss müsse „höchster Prüfung unterzogen werden und frei von politischem Einfluss des Weißen Hauses“ sein.
Der kalifornische Generalstaatsanwalt Rob Bonta stellte klar: „Paramount/Warner Bros ist kein abgeschlossener Deal.“ Das Justizministerium Kaliforniens habe eine offene Untersuchung eingeleitet und werde die Transaktion eingehend prüfen.
Eine Anhörung im US-Senat, unter anderem mit Cory Booker, ist bereits terminiert. Auch republikanische Generalstaatsanwälte hatten zuvor kartellrechtliche Bedenken geäußert – damals noch mit Blick auf eine mögliche Netflix-Übernahme.
Rückzug mit Milliardenbonus
Netflix betont, die Transaktion sei stets eine „Option“ gewesen, jedoch kein zwingendes Ziel „zu jedem Preis“. Das Unternehmen verweist auf seine solide Geschäftsentwicklung und plant weiterhin Investitionen von rund 20 Milliarden US-Dollar in Filme und Serien im laufenden Jahr.
Zudem wird das Aktienrückkaufprogramm wieder aufgenommen. Mit der Abbruchgebühr von 2,8 Milliarden US-Dollar verlässt Netflix die Bühne finanziell gestärkt.
Für Paramount hingegen beginnt nun die entscheidende Phase: Neben der Zustimmung der Aktionäre von Warner Bros. Discovery müssen die Aufsichtsbehörden in den USA und weiteren Märkten grünes Licht geben.








