Er stellt sich der Kritik

Dschungelcamp-Autor Beisenherz gesteht Fehler ein: Ofarim „kam wie ein Opfer rüber“

Gil Ofarims Dschungelcamp-Sieg wirft noch immer Fragen auf. Jetzt äußert sich Autor Micky Beisenherz.

Autor Micky Beisenherz blickt ernst in die Kamera.
Micky Beisenherz räumt Fehler ein! Foto: IMAGO / BREUEL-BILD

Die Wahl von Gil Ofarim (43) zum Dschungelkönig 2026 sorgt auch Tage nach dem Finale von „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ für hitzige Diskussionen. Viele Fans zeigen sich irritiert über das Ergebnis – und fragen sich: Hat RTL den Musiker indirekt begünstigt?

Jetzt äußert sich erstmals einer der zentralen Köpfe hinter der Show selbstkritisch: Micky Beisenherz (48), Autor der Moderationstexte, räumt Versäumnisse ein.

Beisenherz über Ofarim: „Er hat diesen Raum aufgemacht“

In seinem Podcast „Apokalypse & Filterkaffee“ spricht Beisenherz offen über seine Rolle während der Staffel. Besonders die Szenen am Lagerfeuer, in denen Ofarim erneut Zweifel an den Beweismitteln im Zusammenhang mit dem sogenannten Davidstern-Skandal äußerte, hätten ihn im Nachhinein beschäftigt.

Ofarim hatte unter anderem behauptet, bei dem Überwachungsvideo handele es sich nicht um das Original. Aussagen, die nicht nur Zuschauerinnen und Zuschauer verunsicherten. Auch Beisenherz gibt zu, selbst kurz ins Grübeln geraten zu sein: Ofarims Andeutungen hätten ihn „für eine kurze Phase des Camps“ überlegen lassen, ob beim Prozess alles korrekt abgelaufen sei.

Weiter erklärt er: „Er hat diesen Raum aufgemacht, in dem der Zweifel entsteht, dass man sagt: Ja, möglicherweise war da doch irgendetwas.“ Heute sehe er das anders. Man könne „felsenfest sagen: Es stimmt halt einfach nicht“, stellt Beisenherz klar.

Gil Ofarim als Dschungelkönig 2026 mit den Moderatoren Sonja Zietlow und Jan Köppen
Gil Ofarim ist der wohl umstrittenste Dschungelkönig. Foto: RTL

Journalistin Hähnig: Faktenlage war „total eindeutig“

Im Podcast spricht Beisenherz mit Anne Hähnig, die den Ofarim-Prozess für die „Zeit“ begleitet hat. Ihre Einschätzung ist unmissverständlich: Die Beweislage sei „total eindeutig“ gewesen, es gebe keinerlei „Belege für irgendeine Manipulation“.

Hähnig sieht vor allem den Sender in der Verantwortung. Die Aussagen im Camp hätten eingeordnet werden müssen. Sie sagt: „Die Verantwortung hätte hier schon bei einem großen Medienunternehmen wie RTL gelegen.“

Auch die immer wieder angesprochene Frage einer angeblichen „Verschwiegenheitsverpflichtung“ hätte aus ihrer Sicht überprüft werden müssen.

„War tatsächlich unglücklich“ – Beisenherz räumt Fehler ein

Beisenherz zeigt Verständnis für die Kritik: „War tatsächlich unglücklich. Das hätte besser laufen können.“

Damit gesteht er offen ein, dass der Umgang mit den Falschaussagen nicht optimal war. Nach viel Lob in den vergangenen Jahren müsse man nun eben auch „Schläge“ einstecken. Eine gezielte Bevorzugung Ofarims weist er jedoch entschieden zurück. Weder habe er die Moderatoren durch seine Texte in eine bestimmte Richtung gedrängt, noch habe es seitens RTL einen Plan gegeben, Ofarim zum Dschungelkönig zu schreiben.

Er räumt allerdings ein: „Es hätte immer ein paar mehr Sprüche geben können auf Kosten von Gil, was sicherlich dem Mischungsverhältnis gutgetan hätte. Aber den großen Plan, den zum Dschungelkönig zu schreiben, den gab es nie.“

Warum gewann Ofarim? „Das Machtgefälle kippte“

Dass Gil Ofarim am Ende tatsächlich die meisten Zuschauerstimmen erhielt, überraschte laut Beisenherz viele Beteiligte – ihn selbst eingeschlossen. Zu Beginn der Staffel habe er mit einem völlig anderen Verlauf gerechnet: „Ich habe wirklich gedacht, der macht eine Dschungelprüfung nach der nächsten, und dann fliegt der da raus.“

Doch stattdessen entwickelte sich im Camp eine Dynamik, die Ofarim offenbar zugutekam. Beisenherz beschreibt es so: Ofarim kam „plötzlich wie das Opfer rüber, weil er immer vier, fünf Leute gegen“ sich hatte. Dadurch sei das „Machtgefälle gekippt“.

In Reality-Formaten spielt genau diese Wahrnehmung oft eine entscheidende Rolle. Zuschauer tendieren dazu, vermeintlich Unterlegene zu unterstützen – selbst wenn die Faktenlage außerhalb der Show eine andere ist.

Dschungelcamp: Fehlende Einordnung als Wendepunkt?

Rückblickend sei es notwendig gewesen, die Falschaussagen einzuordnen, „weil sie natürlich das Bild von ihm ein bisschen korrigiert hätten“. Warum geschah das nicht?

Beisenherz deutet an, dass eine zu starke Einordnung der Aussagen der Unterhaltungsshow phasenweise den Charakter eines Politmagazins verliehen hätte. Eine Gratwanderung zwischen Unterhaltung und journalistischer Verantwortung.

Er wirft sogar die grundsätzliche Frage auf, ob man einen Kandidaten mit einer derart komplexen Prozessvergangenheit überhaupt hätte casten sollen. Doch diese Überlegung kommt nun zu spät.

Dschungelcamp 2026: Vertrauensfrage für RTL?

Die Debatte um Gil Ofarims Sieg zeigt, wie sensibel das Zusammenspiel von Reality-TV, öffentlicher Wahrnehmung und juristischen Fakten ist.

Für RTL bleibt die Herausforderung, Unterhaltung zu liefern – ohne dabei die Verantwortung für die Einordnung strittiger Aussagen aus den Augen zu verlieren.

Fest steht: Die Diskussion um den Dschungelkönig 2026 wird so schnell nicht abebben. Und Micky Beisenherz hat mit seiner offenen Selbstkritik zumindest einen ersten Schritt gemacht, um Transparenz in die Debatte zu bringen.

Quellen

  • Podcast „Apokalypse & Filterkaffee“