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„Die Wahrheit über Social Media“ im ZDF: So machen TikTok & Co. offenbar süchtig

Wie gefährlich sind TikTok, Instagram und Co. wirklich? Die ZDF-Doku „Die Wahrheit über Social Media“ mit Jochen Breyer und Julia Friedrichs zeigt erschreckende Einblicke in die Welt hinter den Plattformen.

Die Wahrheit über Social Media - mit Jochen Breyer: Jochen Breyer steht vor einer Projektion mit Linien und schaut in die Kamera.
Jochen Breyer führt durch die Dokumentation und reist für seine Recherchen bis in die USA. Foto: ZDF/Julia Friedrichs

Zehn Stunden täglich am Handy, radikale Inhalte im Sekundentakt und Algorithmen, die gezielt süchtig machen sollen: Die neue ZDF-Dokumentation „Die Wahrheit über Social Media“ geht einer Frage nach, die viele Eltern, Jugendliche und Nutzerinnen zunehmend beschäftigt – haben TikTok, Instagram und Co. unsere Gesellschaft längst stärker im Griff, als uns bewusst ist?

Für ihre investigative Doku reisen Journalistin Julia Friedrichs und ZDF-Moderator Jochen Breyer nach Deutschland, Portugal und in die USA. Dort treffen sie Schülerinnen und Schüler, ehemalige Mitarbeiter von Plattformen, Ermittler und Anwälte und stoßen auf erschreckende Einblicke hinter die Kulissen der Social-Media-Welt.

Kinder verbringen bis zu 19 Stunden täglich online

Besonders alarmierend sind die Szenen aus einer Münchner Realschule. Dort berichten Jugendliche offen, wie viel Zeit sie täglich auf Social Media verbringen. Einige sprechen laut ZDF-Doku von zehn, elf oder sogar 19 Stunden pro Tag.

Dabei geht es längst nicht mehr nur um Unterhaltung. Schülerinnen und Schüler erzählen auch von extrem belastenden Inhalten, die sie online gesehen haben. Einer der Jugendlichen sagt: „Das Krasseste, was ich auf Social Media gesehen habe, sind Menschen, die sich das Leben nehmen.“

Handytrainer Daniel Wolff warnt in der Dokumentation eindringlich vor den Folgen. „Zehnjährige sehen Dinge, die Sie als erwachsener Mensch nicht ertragen“, erklärt er. Sein Fazit fällt drastisch aus: „Es ist wichtig, dass wir als Gesellschaft langsam erkennen: So kann es nicht weitergehen. Wir leben in einem Notstand.“

Die Doku zeigt: Social Media soll süchtig machen

Im Zentrum der Recherche steht die Frage, ob Plattformen wie TikTok oder Instagram bewusst so entwickelt wurden, dass Nutzerinnen möglichst lange online bleiben. Julia Friedrichs begleitet dafür einen Gerichtsprozess in Los Angeles, der laut ihr bereits jetzt als historisch gilt. Dort werfen Kläger den Tech-Konzernen vor, ihre Plattformen gezielt suchterzeugend gestaltet zu haben.

Eine Anwältin der Klägerseite sagt in der Doku sogar: „Die Prozesse könnten der Anfang vom Ende von Social Media sein.“ Friedrichs erklärt dazu: „Die Plattformen seien so designt, so gebaut, dass sie süchtig machen.“

Verstörende Einblicke hinter die TikTok-Kulissen

Besonders beklemmend wirken die Szenen aus Portugal. Dort recherchiert das ZDF in einem Unternehmen, das offenbar Inhalte für TikTok moderiert. Mehrere junge Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter berichten von extrem belastenden Arbeitsbedingungen. Sie müssten stundenlang verstörende Videos prüfen – darunter Gewalt, Selbstverletzung, Pornografie und extremistischer Content.

Eine junge Deutsche schildert die Situation so: „Das ist einfach zu wenig Zeit. Da müssen wir dann vier Videos auf einmal angucken, alle auf zweifacher Geschwindigkeit, mit Ton und das Profilbild.“ Besonders schockierend: Laut Aussagen der Mitarbeiter sollen Moderatoren teilweise das Alter minderjähriger Nutzerinnen anhand körperlicher Merkmale einschätzen.

TikTok erklärte dem ZDF dagegen, die geschilderten Abläufe entsprächen nicht den operativen Richtlinien des Unternehmens. Gleichzeitig betont die Plattform, man investiere weiterhin „in großem Umfang in Sicherheit“.

BKA-Präsident schlägt Alarm

Auch das Bundeskriminalamt kommt in der Doku zu Wort – mit deutlichen Aussagen. BKA-Präsident Holger Münch kritisiert, dass Plattformen problematische Inhalte häufig nicht ausreichend selbst melden würden. „Mit der neuen gesetzlichen Verpflichtung nach dem Digital Services Act der EU haben wir im letzten Jahr von den großen Plattformen zusammen gerade mal 200 Meldungen bekommen“, erklärt Münch.

Zum Vergleich habe das Bundeskriminalamt selbst rund 30.000 Löschanregungen verschickt. Besonders besorgt zeigt sich Münch über die zunehmende Radikalisierung im Netz: „Wenn wir uns angucken, was in den letzten Jahren passiert ist, dann sehen wir eigentlich kaum noch jemanden, der sich nicht online radikalisiert hat.“ Sein Fazit: „Das ist ein echtes Alarmsignal.“

Anke Engelke spielt den Algorithmus

Einen ungewöhnlichen erzählerischen Ansatz wählt die Dokumentation ebenfalls: Schauspielerin und Komikerin Anke Engelke verkörpert darin einen personifizierten Algorithmus.

Kühl, berechnend und allgegenwärtig führt sie durch die Mechanismen der digitalen Welt und macht deutlich, wie stark Algorithmen unser Verhalten inzwischen beeinflussen.

ZDF-Doku stellt unbequeme Fragen

„Die Wahrheit über Social Media“ bleibt dabei nicht bei Einzelfällen stehen. Die Dokumentation zeigt, wie eng Politik, Wirtschaft und Tech-Konzerne inzwischen miteinander verflochten sind – besonders in den USA. Julia Friedrichs spricht sogar von einem „Pakt von Politik und Big-Tech“.

Gleichzeitig macht die Doku deutlich, dass weltweit zunehmend über strengere Regeln diskutiert wird – etwa über Altersbeschränkungen, besseren Jugendschutz und schärfere Regulierung von Plattformen. Ob diese Maßnahmen ausreichen werden, bleibt offen.

Die ZDF-Dokumentation „Die Wahrheit über Social Media – mit Jochen Breyer“ läuft am Dienstag, 26. Mai 2026, um 20:15 Uhr im ZDF. Bereits vorab ist die Doku in der ZDFmediathek verfügbar.

Quellen
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