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Die Känguru-Chroniken: Eine etwas andere Filmkritik

Von der Radioshow zum Buch und auf die Leinwand. Wir verraten, wie gut die Verfilmung von "DIe Känguru-Chroniken" geworden ist - in einer ungewöhnlichen Form.

Die Känguru-Chroniken: Eine etwas andere Filmkritik
Das Känguru und Marc-Uwe sorgen demnächst auch im Kino für Trubel Bild: X-Verleih/Warner Bros.

Unser Autor Matthias Holm ist selbst Fan der Buchreihe und hat alle vier Teile mehrmals gelesen. Dementsprechend hat er sich für die Filmkritik etwas kreative Freiheit genommen:

 

Während ich zum Hörer greife, überlege ich noch, ob es wirklich eine gute Idee ist. Allerdings sind meine Finger schneller als mein Kopf und ich höre, dass jemand am anderen Ende der Telefonleitung abnimmt. Im Hintergrund läuft laut Heart Shaped Box von Nirvana.
„Kling.“

„Klingelingeling, Marc-Uwe“ sage ich.

Er legt auf.

Ich wähle seine Nummer erneut:

„Kling.“

„Bitte entschuldige, ich konnte mich nicht zurückhalten. Ich gehe ich in die Pressevorführung von `Die Känguru-Chroniken` und dachte, dein Beuteltier-Mitbewohner will wissen, wie man sein Leben verfilmt hat.“
„UNSER Leben“, betont Marc-Uwe. „Aber ja, nur zu. Vielleicht werde ich dann endlich meine Migräne los.“

Eine Stunde später sitze ich mit dem Känguru im Kino. Während ich mir am Foyer-Tresen ein Wasser geholt habe, sitzt es mit einem DIN A4-Block und einem Stift, der an der Spitze leuchtet, bereits im Saal.

„Dir ist aber schon klar, dass du das nicht brauchst?“, frage ich.
„Natürlich. Aber ich kann es machen. Also warum nicht?“
Ich blicke mich um. Wir sind die einzigen im Kino. Es ist bereits die zweite Pressevorführung.

„Na gut, wenn du unbedingt willst.“

Der Vorhang geht auf und der Film startet. Ein Wirbel aus lachen, weinen, pure Emotionen....bleibt aus.

Als der Film vorbei ist, gehe ich noch flott auf die Toilette. Schon beim Händewaschen höre ich draußen Tumult. „Ohje“, seufze ich und eile der PR-Dame vom Verleih zur Rettung. Vor ihr steht ein aufgebrachtes Känguru. „Wie können sie es nur wagen, so einen Schund zu produzieren? Alles erstunken und erlogen! Ich werde sie in Grund und Boden klagen! Sie blöde...“ Bevor es ausartet, schreite ich ein. „Nun komm, warum regst du dich denn so auf?“ In der Sekunde, in der ich die Worte ausspreche, merke ich, wie doof das war. Nicht nur meine Hände sind manchmal schneller als mein Kopf.

„Wo fange ich da nur an? Das ist überhaupt nicht meine Geschichte! Ab der zweiten Hälfte war alles dazu gedichtet. Und ich dachte schon, dieser Schmierfink von Kleinkünstler hätte Schindluder mit meinem spannenden Leben veranstaltet.“
„Naja, das kam zwar alles nicht in den Chroniken vor, aber möchten sie behaupten, sie würden nicht alles tun, um die Gentrifizierung eines alteingesessenen Stadtteils durch sehr offensichtlich dargestellte Nazis mit Minderwertigkeitskomplexen und Trump als Vorbild zu verhindern?“
Wir schauen die PR-Dame an. „Doch, schon“, gibt das Känguru zu. „Das ändert nichts daran, dass die zweite Hälfte meist eher langweilig ist. Und was sollte diese Liebesgeschichte von Marc-Uwe und seiner Nachbarin?“

„Och, das fand ich eigentlich ganz niedlich. Und Dimitrij Schaad, Henry Hübchen, das gesamte Ensemble spielen generell gut. Auch die Gast-Auftritte von einigen deutschen Stars waren klasse. Und dich haben sie super hinbekommen, wenn man von den zwei oder drei Einstellungen absieht, wo eine Puppe deinen Job übernommen hat.“

„Das stimmt. Tricktechnisch sehe ich mindestens genauso gut aus wie Gollum in „Herr der Ringe“!“
Die PR-Dame meldet sich zu Wort: „Aber die Filme sind doch schon fast 20 Jahre alt.“
Ich zische sie an „Sie wollen aber auch, dass er den Boxclub ruft, oder?“



„Apropos: Es gab doch nun wirklich viele lustige Anspielungen auf die Bücher. Der Boxclub, la vache qui rit, da konnte man als Fan viel entdecken, auch in den Details.“
„Und diejenigen, die keine Fans sind? Die ziehen fragend die Augenbrauen hoch. Genauso bei manchen Witzen.“ Es zieht seinen Notiz-Block aus dem Beutel und zeigt das Blatt, dass es während des Filmes beschrieben hat. Es ist eine Tabelle mit zwei Spalten: Witzig und Nicht witzig. „Seht ihr? Es ist fast ausgeglichen. Und manche Sachen wurden 1:1 aus den Büchern übernommen. Es gibt Witze und Anspielungen, die funktionieren geschrieben, aber doch nicht auf der Leinwand, genauso wie das Anbiedern an die Popkultur. So wirkte es dann wie bei diesem unsäglichen Komiker – Kennste? Kennste?“
Uns allen dreien schaudert es.

„Aber eines kannst du dem Film nicht absprechen: Deine Persönlichkeit trifft er ziemlich...hey, was machst du da?“ Gerade hatte das Känguru versucht, eine Schaufel Popcorn in seinen Beutel zu verfrachten.
„Was denn? Wir sind im Kino, da muss es Popcorn geben. Oder Nachos. Hey, es gibt sogar inzwischen Chicken Nuggets.“
Während die PR-Frau versucht, Security-Personal zu rufen, schnappe ich mir das Känguru.

„Wir gehen dann jetzt mal lieber. Komm, wir kaufen noch ein paar Schnapspralinen und ich lade dich auf ein Bier in der Eckkneipe ein.“ Als wir das Kino verlassen frage ich leise: „Fandest du ihn wirklich so schlimm?“

„Ne, eigentlich fand ich ihn sogar ganz ok. Aber ich wollte schon immer mal so richtig Randale im Kino machen, da bot es sich einfach an.“

"Die Känguru-Chroniken" erscheint am 05. März 2020 in den deutschen Kinos



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