„Die Ältern“ im Kino: Darum lohnt sich der neue Film von Sönke Wortmann
Sönke Wortmann bringt mit „Die Ältern“ die neue Jan-Weiler-Verfilmung ins Kino. Im Interview mit TV Movie spricht der Regisseur über Nervosität vor Premieren, seine Definition von Erfolg und was einen guten Schauspieler ausmacht.

Wenn die Kinder ausziehen, bleibt oft mehr zurück als ein leeres Zimmer. In „Die Ältern“ erzählt Sönke Wortmann mit feinem Humor und leiser Melancholie vom Moment, in dem sich das Familiengefüge verschiebt und man sich selbst plötzlich neu sortieren muss.
Im Mittelpunkt steht Hannes (Sebastian Bezzel), ein Vater, der Veränderung hasst und sie dennoch in geballter Form erlebt: Tochter Carla zieht aus, Ehefrau Sara (Anna Schudt) gleich mit. Zurück bleibt ein Mann, der sein gemütliches Leben am liebsten konservieren würde wie seine Fantasy-Romanreihe, die er unbeirrt fortschreibt, obwohl das Interesse längst nachlässt.
Wir haben mit Regisseur Sönke Wortmann über seinen neuen Film gesprochen und darüber, warum Kino für ihn immer noch etwas ganz Besonderes ist.
Worum geht es in „Die Ältern“?
Die Komödie basiert auf Jan Weilers gleichnamiger Kolumnensammlung und rückt – anders als „Das Pubertier“ – die Eltern in den Fokus. Hannes ist Mitte 50, liebt Routine und hält an Altbewährtem fest. Doch als Tochter und Ehefrau ausziehen, gerät sein bisheriges Leben ins Wanken.
Neben familiären Umbrüchen steht auch beruflich alles auf dem Prüfstand: Sein Verlag fordert Neues statt weiterer Fortsetzungen. Und dann begegnet er im Schwimmbad auch noch der jüngeren Wissenschaftlerin Vanessa (Judith Bohle), die ihm charmant vor Augen führt, dass Lebensentwürfe sich unterscheiden können – gerade wenn es um Zukunft und Familie geht.
Große Dramatik sucht man hier bewusst nicht. Wortmann setzt stattdessen auf leise Zwischentöne und eine Hauptfigur, die trotz Peinlichkeiten ihre Würde bewahrt.
Sönke Wortmann: „Wenn diese Aufregung nicht da wäre, würde etwas fehlen“

Trotz jahrzehntelanger Erfahrung ist ein Kinostart für Wortmann kein Routine-Termin. Auf unsere Frage, ob er noch nervös sei, sagt er ehrlich: „Nicht mehr so wie am Anfang meiner Laufbahn. Früher fing die Nervosität, glaube ich, drei Wochen vor der Premiere an. Heute sind es eher zwei Tage vorher. Und jetzt ist ja heute Abend die Premiere, deshalb bin ich schon nervös – aber das ist auch gut so. Wenn diese Aufregung nicht da wäre, würde etwas fehlen.“
Ein gutes Gefühl habe er allerdings schon im Vorfeld gehabt – auch dank eines Testscreenings. „Die Leute mochten den Film, und wir konnten danach noch Dinge ändern“, erzählt er. Bis zum sogenannten „Picture Lock“ sei ein Film eben noch nicht endgültig abgeschlossen.
Wann ist ein Film für Wortmann erfolgreich?
Spannend ist auch seine Definition von Erfolg. Für Wortmann zählen nicht in erster Linie Preise oder Jury-Entscheidungen: „Für mich bemisst sich Erfolg in erster Linie an der Publikumsreaktion.“
Er verweist auf seine eigene Filmografie und erklärt, warum kleinere Projekte für ihn manchmal größer wirken als Kassenschlager: „‚Kleine Haie‘ hatte damals rund 400.000 Zuschauer – das war schön. ‚Die Päpstin‘ hatte 3,6 Millionen. Trotzdem war ‚Kleine Haie‘ für mich der größere Erfolg.“
Für ihn gehe es nicht nur um Zahlen, sondern auch um die Umstände und die Ausgangslage eines Films.
Warum Kino für ihn die „Königsdisziplin“ ist
Serien boomen, Streaming dominiert – doch für Wortmann bleibt Kino etwas Besonderes: „Kino war für mich immer die Königsdisziplin. Es ist etwas völlig anderes, einen Film gemeinsam auf einer großen Leinwand zu erleben, als allein oder zu Hause vor dem Fernseher zu sitzen und eine Serie zu gucken. Solange ich Kino machen darf, werde ich es auch tun.“
Gerade „Die Ältern“ profitiert vom gemeinsamen Lachen im Saal – denn viele Zuschauerinnen und Zuschauer dürften sich in Hannes’ Situation wiederfinden. Ob als Eltern, deren Kinder flügge werden, oder in der Erinnerung an das eigene Ausziehen.
„Schauspieler haben natürlich ein Ego, aber sie müssen es im Griff haben.“
Ein weiteres zentrales Element ist die Musik. Komponiert wurde sie von Helmut Zerlett, ergänzt durch Songs – darunter auch Herbert Grönemeyers „Sekundenglück“, den Wortmann ausdrücklich hervorhebt. Die Musik trägt viele Szenen und verstärkt genau jene leisen Momente, in denen Hannes begreift, dass Stillstand keine Lösung ist.
Dass viele Schauspielerinnen und Schauspieler gern mit Sönke Wortmann arbeiten, kommt nicht von ungefähr. Auf die Frage, was für ihn einen guten Schauspieler ausmacht, antwortete er im Gespräch mit TV Movie: „Ein kontrolliertes Ego. Schauspieler haben natürlich ein Ego, aber sie müssen es im Griff haben. Außerdem müssen sie mit Text umgehen können und ihn so spielen, dass es authentisch wirkt.“
Für Wortmann ist Film vor allem eins: Teamarbeit! Atmosphäre am Set entsteht für ihn durch gegenseitigen Respekt und klare Absprachen – Grundlagen, die man dem Film in seiner ruhigen Erzählweise durchaus anmerkt.
„Die Ältern“ bleibt nah am Leben
„Die Ältern“ ist keine schrille Midlife-Crisis-Komödie, sondern ein Film in einem leichten, humorvollen Erzählton mit hohem Wiedererkennungswert.
Wer sich fragt, wie sich Veränderung anfühlt, wenn man sie eigentlich vermeiden möchte, bekommt hier eine ebenso humorvolle wie ehrliche Antwort.
„Die Ältern“ läuft ab dem 12. Februar 2026 im Kino.






