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„Blockbustaz“: Tina Ruland über deutsche Klischees, Kopftücher und Eko Fresh

Blockbustaz Tina Ruland
Tina Ruland (2. v.r.) als Frau Bulut in „Blockbustaz“. | ZDF/Efe Cetinoezman

Aktuell läuft die zweite Staffel von „Blockbustaz“ auf ZDFneo. Darin spielt Tina Ruland Frau Bulut, die deutsche Ehefrau eines türkischen Hausmeisters. Im Gespräch mit Redakteurin Selina Jüngling spricht sie über die Besonderheiten der Serie und schwärmt von Co-Star Eko Fresh.

 

Was macht „Blockbustaz“ so besonders und vor allem so besonders witzig?

Tina Ruland: „Es sind grandiose Drehbücher. Es sind einfach tolle Autoren, die einen Wortwitz haben und Situationen kreieren können, die einfach total super sind. Ich finde, es gibt keine deutsche Serie, die gerade so lustig ist und ich liebe lustige Sachen. Es ist so komisch, weil es zum einen total echt ist, über das echte Leben kann man ja auch sehr lachen, wenn es ein bisschen überspitzt dargestellt wird. Und zum anderen, weil die Themen einfach schon alleine witzig sind.“

Wie würden sie ihre Figur in „Blockbustaz“ beschreiben?

Ruland: „Ich bin ja die deutsche Ehefrau eines türkischen Hausmeisters, die ihrem Mann zuliebe zum Islam konvertiert ist. Ich bin mir nicht sicher, ob mein Mann das wirklich so gut findet, weil er das alles eigentlich sehr lapidar nimmt und ich es relativ ernst sehe. Allein darin gibt es so viele komische Situationen, weil ich natürlich erwarte, dass wir strikt nach dem Koran leben und er das aber alles sehr locker nimmt.“

Wie geht es in Staffel 2 für sie weiter?

Ruland: „Hauptaugenmerk ist natürlich auf die Hauptfiguren, auf Eko Fresh, der das übrigens grandios spielt. Das ist der Hammer! Aber ich habe schon auch ein paar Momente. Es gibt zum Beispiel eine Folge, in der es darum geht, dass wir natürlich trotz allem noch ein Liebespaar sind, mein Mann und ich. Das ist aber nicht so einfach mit einem halbwüchsigen erwachsenen Sohn, der bei uns lebt und das ist schon sehr komisch. Aber die beiden lieben sich. Sie sind aber auch so ein typisches Ehepaar. Zuhause versucht die Frau zu sagen, wo es lang geht und nach Außen muss er der starke Mann sein. Aber im Grunde mögen die sich sehr, sehr gerne.“

Als wie stereotypisch Deutsch würden sie sich selbst beschreiben?

Ruland: „Ich glaube, ich bin null so, wie das stereotypisch dargestellt wird. Also, ich kann diszipliniert und pünktlich sein - das sind ja so die Eigenschaften, die man den Deutschen gerne unterstellt - aber ich liebe Freizeit, Laissez-fair, Verrückt sein, Anders sein. Ich hasse jegliche Form von Konventionen. Diese Aussage ‚Naja, das ist richtig, weil es halt immer schon so war‘ ist für mich das Grauen schlechthin. Ich bin großer Individualist.“

Können sie sich mit Frau Bulut identifizieren in dem Sinne, dass auch sie für ihren Partner zu einer anderen Religion konvertieren?

Ruland: „Nein, Frau Bulut und ich haben relativ wenig gemeinsam, außer, dass ich meinen Mann liebe. Jemandem zuliebe konvertiert man nicht zu einem Glauben, das wäre ja nur ein Lippenbekenntnis. Das macht man ja, weil man selber aus tiefstem Herzen glaubt. Nein, das würde ich niemals für jemanden machen.“

Haben sie sich im Vorhinein mit der türkischen Kultur und dem Islam beschäftigt?

Ruland: „Ein Teil findet ja auch hier in Deutschland statt. Ich finde das ganz spannend und auch sehr interessant. Aber ich war auch schon in vielen arabischen Ländern in Urlaub und habe mich da immer gerne mit der Kultur beschäftigt. Ich finde ja, alles, was radikal gelebt wird, das ist das Problem. Da mache ich auch keinen Unterschied. Radikale Christen sind auch nicht ungefährlich. Alles, was radikal ist, ist nicht gut. Der Islam, die muslimische Bevölkerung ist ja nicht aggressiv oder gefährlich. Das ist ja Quatsch. Es ist ein Glaube, der dem Christlichen ja eigentlich sehr ähnlich ist.“

Würden sie privat auch ein Kopftuch tragen so, wie ihre Figur in „Blockbustaz“?

Ruland: „Nein, ein Kopftuch nicht, weil ich finde, es steht mir nicht so gut. (lacht) Das ist aber der Hauptgrund. Prinzipiell ist es bei einem Bad-Hair-Day sehr praktisch. Stattdessen ziehe ich an den Tagen dann eine Mütze an. Natürlich nicht mit dem Hintergrund, dass ich meine Haare verstecke aus religiösen Gründen, sondern, weil sie scheiße aussehen. Ich finde das gar nicht so schlimm, dass sich jemand freiwillig entscheidet, ein Kopftuch zu tragen. Es gab ja nun auch in den sechziger Jahren die Mode bei uns hier, dass man beim Cabrio Fahren ein Kopftuch trug und das sah ja sehr schick aus.

Aber die Art und Weise, wie diese Kopftücher gebunden sind, entsprechen nicht unbedingt unserem gängigen Schönheitsideal, wobei es auch da ja sehr große Unterschiede gibt. Das kann auch ganz toll aussehen. Ich habe auch schon Frauen in arabischen Ländern gesehen, die sehr attraktiv damit wirkten. Aber jetzt ein Kopftuch in dem Sinne, dass niemand meine Haare sehen darf, das wäre mir auch zu radikal.“

Wie war es, mit eher unerfahrenen Schauspielern wie Eko Fresh und Ferris MC zusammenzuarbeiten?

Ruland: „Sie sind gar nicht so unerfahren, würde ich mal sagen. Und sie sind vor allen Dingen richtig gut. Ich finde nicht, dass jemand, nur weil er drei Jahre auf der Schauspielschule war, deswegen ein besserer Schauspieler ist. Sie machen das toll in ihren Rollen. Und sie sind ganz weit weg von ihrem eigentlichen Ich. Ich finde, das ist ja Spielen, wenn man nicht mehr sich selber spielt, sondern jemand anderen. Wenn man Eko Fresh kennenlernt, dann ist das ein sehr intelligenter, sehr respektvoller, charmanter, höflicher Mensch, ein Familienvater. Also, ganz anders, als er dort spielt.“

Wie waren die Dreharbeiten zu „Blockbustaz“?

Ruland: „Für mich war es urkomisch, weil wir ja wirklich draußen in Köln Chorweiler drehen. Es war schon sehr witzig, zu sehen, dass die Leute mich nicht mehr erkennen und dann auch überrascht sind, wenn ich deutsch rede, wenn ich da auf der Straße herumlaufe. Mir ist es tatsächlich auch passiert, ganz am Anfang in der Rolle, dass ich am Set herumstand, weil ich gerade nichts zu tun hatte und dann kam ein Teammitglied und bat mich doch, ein Stück weiter zu gehen, weil hier Dreharbeiten stattfinden. Also, man erkennt mich tatsächlich kaum, ich selber erkenne mich auch kaum. Aber das ist natürlich die große Freude für einen Schauspieler, sich so verkleiden zu können, das ist total super.“

Seit dem 27. März zeigt ZDFneo jeden Dienstag eine neue Folge der zweiten Staffel von „Blockbustaz“.



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