ARD gerät nach Dieter Nuhrs Femizid-Witz ebenfalls ins Visier
Dieter Nuhr sorgt mit seinem Witz über Femizide in der ARD-Sendung „Nuhr im Ersten XXL“ für Entsetzen. Wie reagiert der Sender?

Die Kritik ist laut – und richtet sich nicht nur gegen Dieter Nuhr, sondern jetzt auch gegen die ARD! In der Sendung „Nuhr im Ersten XXL“ vom 18. Juni macht der Komiker einen Witz über Femizide, der im Netz auf heftige Gegenwehr stößt.
Femizid-Witz von Dieter Nuhr sorgt für Entrüstung
Was war passiert? In einem Clip, der mittlerweile auch in den sozialen Medien viral gegangen ist, erklärt Nuhr: „Es gibt etwa 300 bis 350 Frauenmorde jedes Jahr und bitte, natürlich sind das 300 bis 350 zu viel, das ist doch keine Frage. Aber es gibt in Deutschland zig Millionen Männer, die Wahrscheinlichkeit, in einer Beziehung auf einen Frauenmörder zu treffen, ist praktisch null. Zur Sicherheit wäre es nicht schlecht, wenn man den Partner vor dem Geschlechtsverkehr vielleicht einfach erstmal kennenlernt.“
Vorwürfe wurden danach laut, dass Dieter Nuhr hier Täter-Oper-Umkehr betreibe und den Kern des Problems nicht erkenne. „Frauen werden selten von Männern ermordet, die sie gerade eben in einer Bar kennengelernt haben. Femizide passieren viel öfter im nahen Umfeld“, erklärte beispielsweise Journalistin Yasmin Oshin bei Instagram. Und auch Influencerin Josephine Schreiber veröffentlichte ein Statement zu den Aussagen Nuhrs. „Es widert mich an, wie absolut privilegierte Menschen, die wahrscheinlich niemals in ihrem beschissenen Leben Gewalt erlebt haben, dort sitzen und sich darüber totlachen, dass mehrmals die Woche in Deutschland Frauen von ihren Partnern oder Ex-Partnern ermordet werden“, so ihre deutlichen Worte.
ARD und Management des Komikers äußern sich
Aber auch die ARD, die dem Komiker durch die Sendung eine Bühne gibt, wird kritisiert. Viele User:innen hatten im Netz erklärt, dass sie eine Beschwerde beim Sender eingereicht haben. Nun hat sich die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt gegenüber „t-online“ zu dem Eklat geäußert: „Selbstverständlich sind wir uns unserer öffentlich-rechtlichen Aufgabe und Verantwortung bei der Gestaltung des Programms bewusst, in Satireformaten gilt es jedoch auch die künstlerische Freiheit zu achten“, heißt es. Satire funktioniere durch Satire „durch Polarisierung und Zuspitzung“.
Und auch Dieter Nuhrs Management hat der Seite ein Statement gegeben. Sie werfen den Kritiker:innen vor, die Sendung „Nuhr im Ersten XXL“ aus dem Zusammenhang gerissen zu haben. „Dieter Nuhr macht sich zu keiner Sekunde über das Thema Femizide lustig“, heißt es. Die Zuspitzung, Frauen sollten einen Mann erst kennenlernen, bevor sie ihm näher kommen, richte sich „weder gegen Frauen noch gegen irgendeine andere Gruppe, sondern allein gegen die Pauschalisierung jenes Artikels, der jeden Mann unter Generalverdacht stellt.“







