Annika Lau schreibt Buch über ADHS ihres Sohnes – jetzt hagelt es Kritik
Annika Lau spricht offen über den Familienalltag mit einem Kind mit ADHS. Doch ausgerechnet eine Aussage der Moderatorin sorgt nun für deutlichen Widerspruch.

Mit ihrem Buch „Ihr Kind ist anders – Wie wir lernten ADHS zu verstehen und als Familie daran zu wachsen“ gibt Annika Lau (47) sehr persönliche Einblicke. Bei ihrem zehnjährigen Sohn Baz wurde im Alter von sechs Jahren ADHS diagnostiziert. Gemeinsam mit Ehemann Frederick Lau (37) musste sie sich seitdem mit Schulproblemen, Therapien und der schwierigen Frage nach Medikamenten auseinandersetzen. Schon in der ‚NDR Talk Show‘ sprach Annika Lau darüber, wie ADHS den Alltag ihrer Familie verändert.
Mit dem Buch möchte die Moderatorin anderen Familien Mut machen. Im dazugehörigen Interview mit „Bunte“ formulierte sie allerdings eine Aussage, die nun für Kritik sorgt.
Annika Lau über ADHS-Kinder: „Hauptsache, er bekommt Aufmerksamkeit“
Lau spricht darüber, wie stark sich im Familienalltag vieles um ihren Sohn drehe. Dabei sagt sie:
„Einem ADHS-Kind ist es letztendlich egal, ob's gelobt wird oder geschimpft wird, Hauptsache, er bekommt Aufmerksamkeit. Es geht im Grunde genommen nur um darum, immer im Mittelpunkt zu stehen. Ob's jetzt positiv oder negativ ist, ist egal.“
Die pauschale Formulierung stößt in den sozialen Medien auf Widerspruch. Besonders deutlich reagiert Anna Logemann, Kindheitspädagogin und Familienberaterin, in einem Instagram-Video.
„Leider nein. Leider so ganz und gar nicht“, beginnt sie ihre Reaktion. Sie kenne keinen Menschen mit ADHS, der ihr berichtet habe, dass es ihm als Kind egal gewesen sei, ausgeschimpft zu werden.
Vielmehr sei häufig das Gegenteil der Fall: „Viele Kinder mit ADHS wachsen mit dem Gefühl auf, ständig irgendwie falsch zu sein.“
„Nur weil ein Kind negativ auffällt, will es das nicht“
Logemann kritisiert vor allem den Eindruck, Kinder mit ADHS würden sich gezielt negative Aufmerksamkeit verschaffen. Sie würden häufig anecken, ermahnt und kritisiert, obwohl sie sich selbst große Mühe gäben, genau das zu verhindern.
„Nur weil ein Kind immer wieder negativ auffällt, heißt es noch lange nicht, dass es negativ auffallen möchte“, stellt sie klar.
Einen Teil von Laus Überlegung weist die Pädagogin dabei gar nicht zurück: Negative Aufmerksamkeit könne ein bestimmtes Verhalten durchaus verstärken. Problematisch sei jedoch die Schlussfolgerung, einem Kind sei deshalb egal, ob es gelobt oder ausgeschimpft werde.
Auch fachlich gehört der Wunsch, „immer im Mittelpunkt zu stehen“, nicht zu den Kernsymptomen einer ADHS. Typisch sind vielmehr unterschiedlich stark ausgeprägte Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität. Diese können dazu führen, dass Kinder häufiger unterbrechen, Regeln vergessen oder in Situationen auffallen – daraus lässt sich aber keine bewusste Suche nach negativer Aufmerksamkeit ableiten.
Annika Lau widerspricht sich teilweise selbst
Bemerkenswert ist, dass Lau an anderer Stelle selbst beschreibt, wie sehr ihr Sohn unter negativen Reaktionen leidet. In einem früheren Interview erklärte sie über Kinder wie Baz: „Sie sind es mehr gewohnt, angemeckert zu werden und immer die Schuldigen zu sein, als mal etwas Positives zu erfahren.“
Auch gegenüber „Bunte“ berichtet sie davon, wie stark ihr Sohn unter Ablehnung litt. Andere Kinder seien teilweise vor ihm weggelaufen, er habe wenige Freundschaften gehabt und später selbst geäußert, sich bei der Medikamenteneinstellung wie ein „Versuchskaninchen“ zu fühlen.
Lau sagt außerdem ausdrücklich, sie wünsche sich mehr Empathie und weniger Verurteilung für Kinder mit ADHS.
Genau deshalb fällt ihre aktuelle Verallgemeinerung besonders auf: Einerseits beschreibt sie detailliert, wie schmerzhaft Ablehnung für ihren Sohn war, andererseits erklärt sie, Kindern mit ADHS sei letztlich egal, ob sie gelobt oder ausgeschimpft würden.
Annika Lau will mit ihrem Buch anderen Familien helfen
Dass Lau ihr Kind bewusst abwerten möchte, lässt sich aus ihren Aussagen allerdings nicht ableiten. Ganz im Gegenteil: Sie betont immer wieder, wie sehr sie ihren Sohn liebe und bewundere. Das Buch habe sie auch mit ihm gemeinsam gelesen und vorab mit ihm besprochen.
Ihr Ziel sei es, anderen Eltern die Schuldgefühle zu nehmen, die sie nach der Diagnose selbst erlebt habe. Dazu enthält das Buch neben Laus persönlichen Erfahrungen auch medizinisches Expertenwissen.
Die aktuelle Diskussion zeigt jedoch, wie schnell persönliche Erfahrungen mit einem Kind zu problematischen Aussagen über alle Kinder mit ADHS werden können. Gerade bei einer Störung, die sich individuell sehr unterschiedlich äußert, macht die Formulierung einen entscheidenden Unterschied.
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