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Streaming-News

„Monster“ war nur der Anfang: Die grausame wahre Geschichte von Ed Gein

Ed Geins abscheuliche Taten schockierten nicht nur die USA, sondern inspirierten auch Kino-Meilensteine wie „Psycho“ und „The Texas Chainsaw Massacre“. Nun widmet Netflix ihm die dritte Staffel seiner Erfolgsreihe „Monster“. Doch das Grauen geht noch tiefer.

Charlie Hunnam als Ed Gein, umgeben von grünem Licht.
„Sons of Anarchy“-Star Charlie Hunnam verkörpert Ed Gein in der 3. Staffel von „Monster“. Foto: Netflix

Seit Jahren boomt True Crime auf Netflix. Serien wie „Making a Murderer“ oder „Dahmer – Monster: Die Geschichte von Jeffrey Dahmer“ haben Millionen Menschen in ihren Bann gezogen.

Doch während Dahmer, Bundy oder Gacy längst zu berüchtigten Namen geworden sind, kennen viele den Mann nicht, ohne den es „Psycho“, „The Texas Chainsaw Massacre“ oder „Das Schweigen der Lämmer“ nie gegeben hätte: Ed Gein.

 Die dritte Staffel der True-Crime-Reihe „Monster“ widmet sich Gein – dem „Schlächter von Plainfield“, dessen abscheuliche Taten nicht nur seine Heimat erschütterten, sondern das Fundament für Jahrzehnte an Horrorfilmen legten.

„Es gibt keinen anderen Fall, der so viele Schichten des Grauens vereint – Mord, Grabschändung, Kannibalismusfantasien und eine extreme Mutter-Sohn-Bindung“, erklärt der Kriminologe James Alan Fox, der Geins Geschichte in seinem Buch „Extreme Killings“ gleich im ersten Kapitel behandelt.

Genau diesen Abgrund will die neue Netflix-Staffel ausloten – doch selbst die kontroverse Miniserie verriet nicht alles Details.

Das Monster aus Plainfield

Charlie Hunnam als Ed Gein, dicht neben ihm steht Laurie Metcalf als Geins Mutter Augusta.
Seine Mutter bekam Ed Gein nie aus seinem Kopf. Foto: Netflix

Ed Gein wurde 1906 in La Crosse, Wisconsin, geboren und wuchs mit seinem Bruder Henry auf einer abgeschiedenen Farm auf. Sein Vater war ein brutaler Alkoholiker, seine Mutter Augusta eine religiöse Fanatikerin, die ihren Söhnen täglich Predigten über Sünde, Hölle und die „Verderbtheit der Frauen“ hielt.

Freunde, Freizeit oder ein normales Leben? Fehlanzeige. Ed durfte das Haus nur für die Schule verlassen, Kontakte zu Gleichaltrigen bestrafte seine Mutter mit drakonischen Strafen. Während Henry irgendwann begann, sich von der dominanten Mutter zu lösen, blieb Ed ihr treu ergeben – fast schon devot.

Nach dem Tod des Vaters 1940 und dem mysteriösen Tod des Bruders wenige Jahre später lebte Ed allein mit Augusta. Als auch sie 1945 starb, brach für den 39-Jährigen die Welt zusammen. Er verschloss ihr Schlafzimmer wie ein Museum, während er selbst in Schmutz, Dreck und zunehmendem Wahn verfiel.

Die grausamen Funde

Am 16. November 1957 verschwand Bernice Worden, Besitzerin eines Eisenwarenladens in Plainfield. Blutspuren führten hinaus aus dem Laden, die Kasse war verschwunden. Ihr Sohn, ein Deputy Sheriff, verdächtigte sofort Ed Gein – und lag richtig.

Die Ermittler betraten Geins Farm und fanden, was später als „Haus des Schreckens“ in die Geschichte eingehen sollte:

  • Wordens enthaupteter, ausgeweideter Körper, aufgehängt in einem Schuppen.

  • Schädel, die als Suppenschüsseln dienten.

  • Lampenschirme und Masken aus menschlicher Haut.

  • Stühle, überzogen mit Menschenhaut.

  • Ein Gürtel aus menschlichen Brustwarzen.

  • Organe in Gläsern.

  • Und das berüchtigtste Artefakt: ein „Frauensuit“ aus Haut, komplett mit Leggings und Korsett.

Dazu entdeckten die Ermittler Leichenteile von Mary Hogan, einer Tavernenbesitzerin, die drei Jahre zuvor spurlos verschwunden war.

Töten, um Mutter zu werden

Gein gestand die Morde an Hogan und Worden – doch das war nur die Spitze des Eisbergs. Er gab zu, über Jahrzehnte Gräber geplündert und die Leichen von Frauen exhumiert zu haben, die seiner Mutter ähnelten. Aus ihrer Haut und ihren Körperteilen bastelte er groteske Erinnerungsstücke.

Die Psychologin Katherine Ramsland erklärte später: „Der Hautanzug war seine Art, seine Mutter nicht nur zu verewigen, sondern buchstäblich in ihre Haut zu schlüpfen.“

Das Motiv war weniger Lustmord, wie man es von klassischen Serienkillern kennt, sondern ein krankhaftes Verlangen nach Nähe zur verstorbenen Mutter. Gein selbst bestritt, jemals Kannibalismus betrieben oder sexuellen Kontakt mit Leichen gehabt zu haben.

Prozess und Ende eines Monsters

Gein wird in Handschellen durch eine Menschenmenge geführt.
Gein zeigte für seine Taten keine Reue. Foto: IMAGO / Everett Collection

Nach seiner Festnahme diagnostizierten Ärzte Schizophrenie. 1968 wurde er zwar wegen Mordes an Bernice Worden schuldig gesprochen, gleichzeitig aber für unzurechnungsfähig erklärt und in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. Dort lebte er noch 26 Jahre lang, arbeitete als Hilfskraft – und galt manchen sogar als „freundlicher Patient“.

Am 26. Juli 1984 starb Ed Gein im Alter von 77 Jahren an Krebs. Sein Grab in Wisconsin ist unmarkiert, nachdem sein Grabstein gestohlen wurde.

Von Plainfield nach Hollywood

So unscheinbar er zu Lebzeiten wirkte – nach seinem Tod wurde Ed Gein zur Ikone des Grauens. Alfred Hitchcocks „Psycho“ (1960) orientierte sich an ihm, ebenso wie „The Texas Chainsaw Massacre“ (1974) und „Das Schweigen der Lämmer“ (1991).

Doch die Faszination für Gein geht weit über Popkultur hinaus. Er verkörpert die Frage, die Kriminologen, Psychologen und Drehbuchautoren seit Jahrzehnten beschäftigt: Werden Monster geboren – oder gemacht?

„Es gibt keine geborenen Mörder“, sagt Kriminologe Fox. „Aber es gibt Menschen mit Veranlagungen – und wenn diese in einer Umgebung wie bei Gein aufwachsen, kann so etwas passieren.“

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