Kino

Zufallsprodukt "Pulp Fiction"

Daniel Day-Lewis als Vincent Vega? Paul Calderon als Jules Winnfield? Völlig unvorstellbar - und doch wäre es fast so gekommen. Denn kaum ein "Pulp Fiction"-Star war wirklich die erste Wahl.

Es gibt Filme, es gibt Kultfilme - und es gibt "Pulp Fiction". Doch nicht nur die bleihaltige Story des grotesken Meisterwerks - auch die ganze Entstehung des Oscar-gekrönten Knallers aus dem Jahr 1994 war das Resultat miteinander verwobener Zufälle. Denn wie das einflussreiche Hollywood-Fachblatt Vanity Fair jetzt enthüllte, ging kaum eine Rolle in "Pulp Fiction" an den, der ursprünglich auch dafür vorgesehen war. So schwer es jetzt ist, sich in der Rolle des coolen Killers Vincent Vega jemanden anderes als John Travolta vorzustellen: Ursprünglich wollte Produzent Harvey Weinstein Michael Madsen aus "Reservoir Dogs" für die Rolle verpflichten. Der war dummerweise terminlich bereits gebunden. "Und John Travolta war der Schauspieler, den ich als nächstes auf der Liste hatte", erinnert sich Regisseur Quentin Tarantino an die Rollenvergabe. "Doch irgendwann kommt diese Liste zurück. Und sie ist komplett genehmigt - bis auf John Travolta. Als treffe ich mich wieder mit Harvey. Und der fängt an mit 'Ich kann Daniel Day-Lewis kriegen'". Als Produzent wollte dieser natürlich möglichst viel Starpower in sein Projekt packen - und vor seinem Comeback mit "Pulp Fiction" dümpelte John Travolta in völliger filmischer Belanglosigkeit. Die Rolle von Bruce Willis - der harte Boxer Butch Coolidge - sollte hingegen mit Matt Dillon besetzt werden. Doch der machte einen Kardinalsfehler: Als Tarantino mit ihm das Script durchging, sagte er "Ich liebe es. Lass mich nur noch mal drüber schlafen." In den Augen des Regisseurs war das jedoch kein Lob sondern Blasphemie: "Er ist raus. Wenn er das Script gelesen hat und mir nicht auf den Kopf zusagen kann, dass er in dem Film mitspielen will, ist er raus", wird dieser zitiert. Harvey Weinstein rekrutierte daraufhin mit Bruce Willis einen schon damals angesagten Star, war Glamour-technisch zufrieden - und Quentin Tarantino durfte prompt seinen John Travolta als Vincent Vega behalten. Dessen bibelfesten Killer-Kollegen Jules Winnfield sollte übrigens Paul Calderon verkörpern. Doch der konnte beim Vorsprechen nicht überzeugen - weshalb die Rolle schließlich an Samuel L. Jackson ging.

 

Entscheidungen im Rückspiegel

Bleibt noch Mia Wallace - die Frau des Unterweltbosses Marsellus Wallace (Ving Rhames): Uma Thurman entpuppte sich bekanntermaßen als (Tanz-)stilbildender Glücksgriff. Doch ursprünglich angedacht waren Michelle Pfeiffer, Meg Ryan oder Holly Hunter. Offensichtlich ohne Erfolg. Aber wie sagte die twistende Schöne über die weichenstellende Episode in ihrem Leben: "Tarantino war damals eben noch nicht dieser verehrte Halbgott-Autorenfilmer, der er heute ist. Und auch ich wusste ursprünglich nicht, ob ich das überhaupt machen möchte. Niemand konnte damals verstehen, dass ich zögerte. Und ich selbst im Rückblick eigentlich auch nicht."



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