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WM 2018 | Sexy Palina Rojinski: "Die Berührungsangst ist wahnsinnig groß"

In weniger als zwei Wochen ist es endlich soweit: Am 14. Juni startet die Fußball-Weltmeisterschaft in Russland und die deutsche Nationalmannschaft greift nach der WM 2014 erneut zum Pokal. Bevor das Großereignis startet, zeigt die ARD die Reportage "Unser Russland", in der Journalist Udo Lielischkies und TV-Star Palina Rojinski das Land auf ihre ganz eigene Art und Weise vorstellen.

Palina Rojinski, die 1991 mit ihren Eltern von Russland nach Berlin zog, war bereits zum Confed Cup im letzten Jahr als Reportin und Russland-Expertin für den Sender unterwegs. Auch in der vierteiligen Reportage liefert die Moderatorin wieder spannende Geschichten und stellt außergewöhnliche Menschen vor. Im Interview mit TV Movie Online erklärt sie, welchen Bezug sie zu ihrer Heimat hat und was sie an dem vorgeprägten Bild von Russland so stört.

WM-Reportage "Unser Russland": Interview mit Palina Rojinski | "Die Berührungsangst ist wahnsinnig groß"
Palina Rojinski berichtet während der WM aus Russland. Foto: Getty Images

TV Movie.de: Palina, was dürfen die Zuschauer von deinen Reportagen aus Russland erwarten?

Palina Rojinski: Für die Reportage „Unser Russland“ war ich sechs Wochen unterwegs, zusammen mit Udo Lielischkies. Er war in sechs Städten und ich in weiteren sechs Städten, in denen die WM in Russland ausgetragen wird. Russland ist ja ein sehr großes Land und wird hatten teilweise Zeitverschiebungen von bis zu vier Stunden mit Berlin, also wirklich weit weg. In dem Film sieht man die Vielfalt, die Tiefen und Höhen dieses Landes.

Wir haben viele verschiedene Leute getroffen. Wir waren zum Beispiel in Kasan. Kasan ist eine besondere Stadt, denn hier können seit hunderten von Jahren unterschiedliche Religionen nebeneinander leben. Da ist eine Moschee und direkt daneben eine römisch-orthodoxe Kirche, die tauschen sich aus und es gibt viele Mischehen. Da hatte ich ein spannendes Gespräch mit einem Imam, dann mit einem Pope, denn momentan ist das Thema Religion in Russland ja sehr aktuell.

Dann war ich aber in Moskau auch in einem mehr oder weniger verbotenen Theater, für das Menschenrechtler Stücke schreiben. Und da gab es Aufführungen, da musste man schon ganz schön schlucken. Ich habe aber auch freudige Sachen gemacht. Ich war zum Beispiel an der Wolga an einem Strand, wo die Menschen auch baden. Das war cool. Außerdem haben wir uns in Sotchi an die Promenade gesetzt und die Leute beobachtet. Das war die beste Unterhaltung. Dort gibt es so viele Fashionistas, das ist wie eine Modenschau. Und ich habe im Film auch etwas Persönliches gezeigt, meine Omi. Einmal im Jahr reise ich nach St. Petersburg und besuche meine Oma zu ihrem Geburtstag.

Palina Rojinski und Udo Lilischkies auf der Datscha von Lilischkies' russischem Schwiegervater. Foto: SWR

Das Bild von Russland ist in Deutschland ja auch durch die Medien sehr vorgeprägt.

Das finde ich sehr schade, vor allem den Menschen dort gegenüber. Russland ist eigentlich sehr nah, das überrascht die Menschen oft. Von Berlin aus fliegt man nach St. Petersburg zum Beispiel nur eineinhalb Stunden. Freunde, die mit mir in Russland waren, waren total überrascht und meinten, das wäre hier wie im Märchen. Es ist unbeschreiblich und wirklich wie aus dem Märchenbuch hingebaut. Die Menschen sind zudem super freundlich und zuvorkommend. Dennoch ist die Berührungsangst wahnsinnig groß und das möchte ich gerne ändern. Das Bild von Russland ist sehr politisch geprägt und auch sehr einseitig, muss man sagen. Sobald irgendwo Bilder von Russland erscheinen, wird sofort Agententhriller-Musik daruntergelegt.

Was glaubst du wird die Zuschauer am meisten überraschen, wenn sie deine Reportage sehen?

Ich sehe das ehrlich gesagt nicht mehr, weil alles in Russland für mich völlig normal ist. Aber meine Freunde hat vor allem überrascht, wie bunt und fröhlich das Land ist.

Du hast in deiner TV-Karriere schon allerhand Dinge tun dürfen, vor allem im Unterhaltungsbereich. Die Arbeit als Reporterin in Russland geht in eine etwas andere Richtung. Bereits bei deinen Reportagen zum Confed Cup hat man aber gesehen, dass du trotzdem mit Humor und Witz auftrittst. Ist dir das bei denen Reportagen besonders wichtig?

Ich glaube, das ist einfach, wie ich bin. Ich interessiere mich für ganz viele Dinge und lese immer irgendwas. Ich mag so Bücher wie „Die 1000 Fragen an die Wissenschaft“, aber gleichzeitig lache ich auch sehr gerne dabei, wenn ich solche Bücher lese. Und deswegen kommt das durch meine Person einfach ganz automatisch so rüber. Aber ich freue mich natürlich auch wahnsinnig, dass ich Informationen vermitteln darf.

Palina Rojinski ist mit Udo Lilischkies in Russland unterwegs. Foto: SWR

Was an dir ist denn typisch Russisch?

Aberglaube, das ist auf jeden Fall etwas typisch Russisches. Ich kann nichts dafür, ich bin so erzogen worden. Wenn man mir auf dem Fuß tritt, muss ich sofort zurücktreten. Wenn ich jemanden auf den Fuß trete, egal wer - auch wenn es Jogi Löw wäre - dann muss ich einfach fragen: ‚Jogi, kannst du mir auch auf den Fuß treten?’. Meine Freunde kennen das mittlerweile und machen das automatisch auch.
Was ist noch typisch? Ich habe sehr viel Hausschuhe bei mir in der Wohnung. Ich nehme aus jedem Hotel Hausschuhe mit, damit ich genug habe, wenn Gäste kommen und die ihre Schuhe ausziehen können. Was auch typisch Russisch an mir ist, ist meine Pflege. In der Pubertät hat meine Mama immer mit mir geschimpft, wenn ich nicht einmal die Woche eine Maske aufgetragen habe. Und einmal pro Woche war ihr sogar zu wenig! Das habe ich von klein auf schon gelernt, mich hübsch zu machen.

Und gibt es traditionelle russische Gerichte und Getränke, die du liebst?

Schwarzer Tee ist wichtig, ich muss immer schwarzen Tee trinken, mit viel Zucker und Zitrone. Gerne auch abends vor dem Schlafengehen. Borschtsch mag ich gerne, das ist eine Rote-Bete-Suppe. Ansonsten ist die russische Küche aber sehr deftig und vor allem darauf bedacht, dass man zu viel trinkt.

Du bist mit sechs Jahren von Russland nach Deutschland gekommen. Wie stark ist für dich die Bindung zur Heimat?

Mein ganzes bewusstes Leben ist in Berlin. Ich bin aber ein Hybrid. Ich merke das zum Beispiel an meiner Seele, wenn ich lange nicht mehr in Russland gewesen bin. Dann muss ich meine russische Seite wieder auftanken. Am liebsten fahre ich natürlich mit meiner Familie dort hin, denn dann werden alle Verwandten besucht und es geht zusammen in die Banja, das ist eine typisch russische Sauna, der Wahnsinn! Normalerweise bin ich einmal im Jahr in Russland, in diesem Jahr wird es aber wohl ein bisschen öfter werden und das freut mich sehr.

Der dritte Teil von "Unser Russland" läuft heute Abend um 18:00 Uhr in der ARD. Den letzten, vierten Teil gibt es wenige Tage vor WM-Start am Sonntag, 10. Juni, um 18:00 Uhr. Auch während der Weltmeisterschaft wird Palina Rojinski als Reporterin aus Moskau berichten und Land und Leute vorstellen.

Von Constanze Lerch



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