Fernsehen

Wladimir Klitschko: "Ich habe Angst um meinen Bruder"

Einen wilden Schläger vor der Brust, die Ukraine im Herzen: Vor dem Titel-Fight gegen Alex Leapai spricht Wladimir Klitschko mit TV Movie über Politik, Träume und Olympia.

Wladimir Klitschko
Wladimir Klitschko

Ein Jubiläum, das den Champion kalt lässt: Vor seinem 25. WM-Kampf gegen den Australier Alex Leapai (34) denkt Wladimir Klitschko vor allem an die politischen Tubulenzen in seiner Heimat Ukraine. Und seinen vom Boxsport zurückgetretenen Bruder Vitali, der als Spitzenpolitiker der Partei UDAR im Zentrum der stürmischen Ereignisse steht. Schwierig, da kühlen Kopf für die Titelverteidigung zu behalten. Einen Tag nach seinem 38. Geburtstag stellt sich Wladimir im Interview den Fragen von TV Movie.

Herr Klitschko, wie ist der Stand der Vorbereitungen, wie fit fühlen Sie sich?

Wladimir Klitschko: Danke, ich fühle mich mit meinen „28“ (lacht) so fit wie noch nie.

Die Ereignisse in der Ukraine berühren Sie stark. Wie sehr werden Sie dadurch von Ihrer Trainingsarbeit abgelenkt?

Wladimir Klitschko: Es beunruhigt mich schon seit mehreren Monaten, was in meinem Heimatland passiert. Ich weiß aber, dass ich den Fokus nicht verlieren darf – und das werde ich auch nicht tun. Natürlich, mit dem Herzen bin ich drüben, aber mit dem Kopf in der Vorbereitung.

Was können Sie im Boxring den Menschen in der Ukraine geben?

Wladimir Klitschko: Ich glaube ganz stark an die Botschaft von Nelson Mandela, der gesagt hat, Sport habe die Kraft, die Welt  zu verändern. Mein Boxkampf wird sicherlich eine Rolle spielen. Die  Menschen in der Ukraine sind  durch  die  viele Gewalt, getötete Demonstranten und zunehmende wirtschaftliche Probleme emotional sehr stark belastet. Ich glaube schon, dass es für die Ukrainer psychologisch sehr wichtig sein kann, wenn ich den Kampf gewinne.

Ihr Bruder Vitali steht als Politiker im Fokus der Ereignisse. Haben Sie Angst um ihn?

Wladimir Klitschko: Selbstverständlich habe ich Angst um meinen Bruder und um jeden Ukrainer im Land. Aber ich bin auch stolz auf Vitali, dass er unabhängig geblieben ist und sich nicht verkauft hat. Er zeigt wahren Charakter – und eine unglaubliche Ausdauer. Seit November ist er im Volleinsatz.

Vitali steckt im Präsidentschaftswahlkampf für den Kandidaten Petro Poroschenko. Werden Sie ihn nach Ihrem WM-Fight unterstützen?

Wladimir Klitschko: Ich habe meinen Bruder immer unterstützt und werde das auch jetzt tun: Nach dem Kampf fliege ich zu ihm nach Kiew. 

Wird er in Oberhausen am Ring sein?

Wladimir Klitschko: Das kann ich leider noch nicht sagen. Das hängt von der Situation in der Ukraine ab. Hoffentlich wird es dort ruhiger, so dass sich für ihn die Möglichkeit ergibt zu kommen.

Zum Kampf: Wie gefährlich kann Ihnen Herausforder Alex Leapai werden?

Wladimir Klitschko: Er ist kein großer Techniker. Aber er hat unglaublich viel Kraft, ist pure Gewalt im Ring. Das Schlimmste, was ich machen kann, wäre Alex Leapai zu unterschätzen. Denn ich möchte ihm nicht die Gelegenheit geben, seine „Rocky“-Geschichte zu leben.

Wie lebendig ist Ihr Traum, nach Vitalis Rücktritt alle WM-Gürtel der großen Verbände zu vereinigen?

Wladimir Klitschko: Sehr lebendig. Ich bin hoch motiviert, habe weiter Hunger nach Erfolg. Vitalis früherer WBC-Titel wird im Mai zwischen Bermane Stiverne und Chris Arreola neu vergeben – hoffentlich ergibt sich irgendwann die Chance einer Titelvereinigung.

Sie träumen auch von einer Olympia-Teilnahme 2016 in Rio…

Wladimir Klitschko: Es gibt noch keine endgültige Entscheidung des ukrainischen Verbandes, ob ich antreten darf und wie man mit den Profis bei den Olympischen Spielen umgehen will. In zwei Jahren kann viel passieren – aber es wäre ein schönes Ziel, 20 Jahre nach meinem Olympiasieg nicht nur dabei zu sein, sondern auch erneut Gold zu gewinnen.

Werden wir Sie nach Ihrer Karriere auch als Politiker erleben?

Wladimir Klitschko: Mein Bruder und ich teilen die gleichen Visionen. Und man soll im Leben nie etwas ausschließen. Aber ich bin kein Politiker. Ich weiß, dass ich auch als Privatperson  und  Unternehmer wahnsinnig viel bewegen kann. Ein Politiker muss darauf achten, was er sagt, muss sich an die Regeln der Politik halten. Ich hingegen, kann mich über alles und jeden so äußern, wie ich das möchte.

INTERVIEW: Thomas Hillmann



Tags:
Das könnte Sie auch interessieren
TV Movie empfiehlt