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"Wenn Angst krank macht": Sänger Nicholas Müller im Interview

Etwa 15 % Prozent der Deutschen leiden an einer krankhaften Angststörung – einer von ihnen ist der Ex-'Jupiter Jones'-Sänger Nicholas Müller. Wie es sich mit einer Angststörung lebt, erzählt der Schriftsteller und Musiker in der neuen arte-Dokumentation „Wenn Angst krank macht - Anatomie eines Gefühls“ – und im Interview mit TV Movie Online-Redakteurin Janna Fleddermann.

Nicholas Müller Wenn Angst krank macht
Nicholas Müller litt unter schweren Angst- und Panikattacken. / Foto: Frank Bellmann, Cinecentrum

„Meiner Meinung nach ist das ein Thema, über das nicht oft genug gesprochen werden kann“, erklärt Nicholas Müller zur Frage, wieso er sich entschieden hat, bei der Doku mitzuwirken. „Wenn ich gefragt werde, ob ich mich zum Thema Angst, Depressionen und ähnliches äußern kann, dann versuche ich, das auch zu machen und fühle mich geehrt. Denn jeder, der öffentlich darüber spricht, ist eine gute Hilfe für diejenigen, die einfach noch nicht darüber sprechen können, dürfen oder wollen.“

 

"Ich bin damals bei 'Jupiter Jones' ausgestiegen, weil es mit der Angst nicht mehr ging"

Mit dem Song „Still“ feierte seine Band 'Jupiter Jones' 2011 ihren ersten großen Hit, drei Jahre später stieg der Sänger jedoch aus. Er begann unter schweren Angst- und Panikattacken zu leiden, an Auftritte vor Publikum war damals nicht mehr zu denken. Die Bühne, der Ort, an dem er einst sicher vor Panikattacken war, wurde zum Angstraum. „Ich bin damals bei 'Jupiter Jones' ausgestiegen, weil es mit der Angst nicht mehr ging“, stellt er klar. „Dann habe ich mein Buch geschrieben, und es wurde mir schnell klar, dass es gut ist, dass darüber gesprochen wird.“

 

Ein schwieriges Thema - aber eines, über das gesprochen werden muss

Ganz offen spricht Nicholas Müller also über seine Erkrankung. So will er anderen helfen, die ebenfalls unter Angststörungen leiden: „Ich musste da selber teilweise drunter gelitten, dass es eben ein Tabu ist und ein total schwieriges Thema. Aber trotzdem ein Thema, das so viele Menschen betrifft. Allein Patienten mit Angststörungen haben wir in Deutschland in Millionenhöhe. Es ist halt der Wahnsinn, denn es ist etwas, das eigentlich so alltäglich ist. Man muss ja nur in den Supermarkt gehen, und der Statistik zufolge begegnet man höchstwahrscheinlich jemandem, der daran erkrankt ist. Trotzdem ist es eben leider noch ein Thema, über das nicht viele reden.“

Mittlerweile kann Nicholas Müller wieder angstfrei auf der Bühne stehen – mit seiner neuen Band ‚von Brücken‘. „Das hat seine Zeit gedauert, ist also nichts, was sich mit zweimal drüber nachdenken und Akutgespräch erledigt hat. Das hat schon eine ganze Zeit Therapie gebraucht“, verrät er.

 

Musik als Kanal und Katalysator

Musik zu machen, aber auch, sie zu hören, war ihm dabei eine große Hilfe: „Musik jeder Art, ist, gerade für seelische Erkrankungen, einfach eine unheimlich gute Therapieform. Also mir hat es total geholfen. Ich habe einen Kanal, einen Katalysator, mit dem ich einfach ausdrücken kann, was ich denke, was ich fühle. Wenn ich Musik von anderen Künstlern höre, weiß ich eben auch, dass es anderen Menschen auch so geht. Musik kann außerdem eine total beruhigende oder motivierende Funktion haben. Musik ist einfach eine unglaublich gute und universelle Ausdrucksform.“

 

"Wenn Angst krank macht" auf arte

In der arte-Dokumentation berichtet der Sänger und Schriftsteller, wie sich die Angstzustände bei ihm entwickelt haben, wie er mit der Krankheit im Alltag umgeht und trotz allem versucht, ein normales Leben zu führen. Auch führende Angstforscher kommen als Experten zum Thema zu Wort – und stellen neue, vielversprechende Therapieansätze vor. Arte zeigt „Wenn Angst krank macht - Anatomie eines Gefühls“  am Samstag, den 23. Februar um 22 Uhr; online ist die Dokumentation bis zum 25. Mai 2019 in der Mediathek des Senders abrufbar.



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