WDR verkauft altes „Lindenstraße“-Gelände: Wie hoch sind die Kosten?
Mehr als 30 Jahre lang wurde auf dem WDR-Gelände in Köln-Bocklemünd die „Lindenstraße“ gedreht. Nun soll ein Teil des riesigen Areals verkauft werden – für einen stolzen Preis.

Wo einst Mutter Beimer, Helga, Hans und Co. Fernsehgeschichte schrieben, steht eine große Veränderung bevor: Der WDR bereitet den Verkauf seines Produktionsgeländes in Köln-Bocklemünd vor. Betroffen ist der nördliche Teil des Areals, auf dem unter anderem jahrzehntelang die ARD-Kultserie „Lindenstraße“ entstand.
Doch wie viel könnte das ehemalige „Lindenstraße“-Gelände eigentlich kosten beziehungsweise beim Verkauf einbringen? Eine genaue Summe steht noch nicht fest. Anhand der bislang bekannten Flächengröße und des offiziellen Bodenrichtwertes lässt sich jedoch zumindest ein theoretischer Wert errechnen.
„Lindenstraße“-Gelände: Knapp 60 Millionen Euro allein für den Boden?
Das gesamte WDR-Areal in Bocklemünd umfasst laut den Ausschreibungsunterlagen rund 58 Hektar und erstreckt sich nördlich und südlich des Freimersdorfer Weges. Verkauft werden soll allerdings nicht die komplette Fläche, sondern der nördliche, teilweise bebaute Bereich. Wie groß dieser Teil exakt ist, hat der WDR aktuell nicht öffentlich angegeben. In früheren Angaben war allerdings von etwa 30 Hektar die Rede. Der offizielle Bodenrichtwert für das betreffende Gebiet liegt laut dem Bodenrichtwertsystem des Landes Nordrhein-Westfalen bei 195 Euro pro Quadratmeter. Bei angenommenen 30 Hektar (also rund 300.000 Quadratmetern) ergibt sich rein rechnerisch: 300.000 Quadratmeter × 195 Euro = 58,5 Millionen Euro.
Damit könnte allein der Boden theoretisch einen Richtwert von rund 58,5 Millionen Euro erreichen. Das bedeutet jedoch nicht, dass das Gelände tatsächlich für diese Summe verkauft wird. Der Bodenrichtwert ist kein verbindlicher Kaufpreis. Die konkrete Nutzungsmöglichkeit, vorhandene Gebäude, notwendige Abriss- oder Erschließungsmaßnahmen, Altlasten sowie die spätere Planung können den tatsächlichen Marktwert erheblich beeinflussen.
Wann wird das ehemalige „Lindenstraße“-Gelände verkauft?
Der Verkauf wird sich voraussichtlich über mehrere Jahre ziehen. Das Unternehmen, das den Prozess für den WDR begleiten soll, soll seine Arbeit Anfang 2027 aufnehmen. Noch wird ein Teil des Standorts genutzt. Unter anderem befinden sich dort Bereiche für Veranstaltungstechnik, Ateliers, Multimedia und Großproduktionen sowie Hallen für Studioproduktionen. Die betroffenen WDR-Einheiten sollen nach bisherigen Planungen ab 2028 schrittweise an andere Standorte wechseln.
Vollständig geräumt werden soll das Gelände spätestens bis 2035. Allerdings heißt es in den Ausschreibungsunterlagen ausdrücklich, dass ein Verkauf auch schon erfolgen kann, bevor sämtliche Nutzer:innen ausgezogen sind.
Darum verkauft der WDR den Standort in Köln-Bocklemünd
Als Grund nennt der Sender vor allem die veränderten Produktionsbedingungen. Durch digitalere und schlankere Produktionsprozesse würden die großen Flächen nicht mehr so stark benötigt wie früher. WDR-Intendantin Katrin Vernau erklärte bereits Anfang 2026: „Das sehr große Betriebsgelände in Bocklemünd passt nicht mehr zu den Anforderungen unseres digitalen, smarten Produktionsbetriebs.“ Noch deutlicher wurde sie mit Blick auf die Wirtschaftlichkeit: „Ein weiterer Erhalt des Standortes ist für den WDR schlichtweg unwirtschaftlich.“
Was passiert künftig mit dem „Lindenstraße“-Gelände?
Noch ist offen, wer das Areal letztlich kaufen wird und wie es danach genutzt werden könnte. Auch die Stadt Köln interessiert sich für die weitere Entwicklung des Geländes. Der Kölner Stadtrat hatte bereits Anfang 2026 angeregt, zu prüfen, wie die Stadt Einfluss auf die künftige Nutzung nehmen könnte – und ob möglicherweise sogar ein eigener Ankauf infrage kommt. Mittlerweile beschäftigt sich eine Projektgruppe der Verwaltung mit dem Thema. Eine Entscheidung über einen Kauf durch die Stadt gibt es bislang jedoch nicht.
„Lindenstraße“ wurde mehr als 30 Jahre in Bocklemünd gedreht
Für viele Fernsehzuschauer:innen ist das Gelände untrennbar mit der „Lindenstraße“ verbunden. Die ARD-Serie startete 1985 und wurde bis zu ihrer Einstellung im Jahr 2020 ausgestrahlt. Mehr als drei Jahrzehnte lang entstanden die Geschichten rund um die Bewohner:innen der fiktiven Münchner Lindenstraße auf dem Produktionsgelände in Köln-Bocklemünd. Die Außenkulisse gehörte damit zu den bekanntesten Serien-Sets Deutschlands. Nach dem Ende der „Lindenstraße“ wurde das Gelände weiterhin für andere Produktionen und Aufgaben des WDR genutzt. Nun soll auch diese Ära schrittweise enden.



