Zum Hauptinhalt springen
Nicht so fiktional wie erhofft

„Wayward“: Die schreckliche wahre Geschichte hinter dem Netflix-Hit

„Wayward“, Netflix' düsterer Psychothriller über ein „Erziehungsinstitut“ für Jugendliche, wirkt erschreckend real – und ist es leider auch.

Hilary McCormack als junge Evelyn in „Wayward“.
Was auf Netflix spannend wirkt, ist für manche Kinder und Jugendliche Realität. Foto: Michael Gibson/Netflix

Seit seiner Veröffentlichung am 25. September hat sich „Wayward“ schnell in die Top 10 von Netflix katapultiert – eine Fortsetzung ist nicht ausgeschlossen. Die Serie stammt von Mae Martin, die nicht nur als Schöpfer:in, sondern auch als Hauptdarsteller:in neben Toni Collette zu sehen ist.

Im Mittelpunkt steht das fiktive Tall Pines Academy, ein angeblich therapeutisches Internat im US-Bundesstaat Vermont, das „auffällige“ Jugendliche auf den richtigen Weg bringen soll – in Wahrheit aber ein Ort systematischer psychischer Manipulation, Gewalt und Gehirnwäsche ist.

Innerhalb der Mauern von Tall Pines werden die Schüler:innen gebrochen, erniedrigt und zu gehorsamen Hüllen ihrer selbst gemacht. Die Leiterin Evelyn Wade (gespielt von Toni Collette) präsentiert sich nach außen als charismatische Visionärin, entpuppt sich jedoch als sektenähnliche Herrscherin.

Das sogenannte „Leap“-Ritual, bei dem Schüler in einem dunklen Kellerraum unter Drogen gesetzt werden, soll ihren „Weg zur Heilung“ symbolisieren – tatsächlich ist es ein grausames Initiationsritual in Evelyns Kult.

Parallel dazu beginnt Polizist Alex (Mae Martin) zu ahnen, dass nicht nur Tall Pines, sondern auch der gesamte Ort tief in die Machenschaften der Schule verstrickt ist. Selbst seine schwangere Frau Laura (Sarah Gadon) hat eine erschütternde Vergangenheit mit der Institution – sie war einst eine der „absolvierten“ Schülerinnen.

Die Realität hinter „Wayward“

So schockierend die Ereignisse in „Wayward“ erscheinen – sie sind von echten Fällen inspiriert. Mae Martin erklärte im Gespräch mit Forbes, dass die Serie auf der Geschichte von Maes bester Freundin Nicole basiert, die als Teenager in ein reales „Therapiecamp“ gebracht wurde.

„Sie wurde mitten in der Nacht über die Grenze gebracht, in Handschellen, und war zwei Jahre lang verschwunden“, erzählte Martin. „Am Ende flüchtete sie barfuß durch den Wald und trampte quer durchs Land. Sie war in Lebensgefahr.“

Diese Erfahrung prägte Martin nachhaltig. Das Gefühl der Schuld, nicht selbst an Nicoles Stelle dort gewesen zu sein, fließt direkt in die Figuren der Serie ein. „Die Freundschaft zwischen Abbie und Leila basiert auf unserer“, so Martin weiter. „Ich bin eher wie Leila – und habe mich oft gefragt, was passiert wäre, wenn ich ihr gefolgt wäre.“

Nicole diente nicht nur als Inspiration, sondern auch als Beraterin im Writers’ Room. Gemeinsam mit Überlebenden ähnlicher Einrichtungen half sie dem Team, das Thema so authentisch wie möglich umzusetzen.

Die dunkle Wahrheit über die „Troubled Teen Industry“

Alex, gefesselt an einen Stuhl in einem gefluteten Raum. Evelyn beugt sich zu ihr herunter.
Leider ist vor allem der Versuch, das Schreckens-Internat aufzuhalten, der fiktivste Aspekt der Serie. Foto: Michael Gibson/Netflix

Martin stieß bei der Recherche auf eine verstörende Realität: Die sogenannten „Troubled Teen Institutes“ sind kein Relikt der Vergangenheit. Sie existieren bis heute – oft als private, kaum regulierte Einrichtungen, die Eltern horrende Summen abverlangen, um „schwierige“ Jugendliche zu therapieren. In Wahrheit kommt es dort regelmäßig zu Misshandlungen, Isolation, psychischer Folter und sogar Todesfällen.

Viele dieser Schulen gehen auf die Selbsthilfe-Kulte der 1970er-Jahre zurück, allen voran Synanon. Diese Organisation begann als Drogenrehabilitationsprogramm, entwickelte sich jedoch zu einem totalitären Kult, in dem „Therapie“ mit Zwang, Erniedrigung und „Tough Love“-Methoden gleichgesetzt wurde.

„Ich hatte keine Ahnung, dass diese sogenannten Schulen direkt aus diesen Kulten hervorgegangen sind“, sagte Martin. „Vieles, was in der Serie wie übertriebener Thriller-Stoff wirkt, basiert tatsächlich auf Fakten.“

Synanon prägte ganze Generationen von „Therapieeinrichtungen“, die auf Verhaltensmodifikation und psychischen Druck setzten. Das System wuchs unreguliert und wurde unter Schlagwörtern wie „Resozialisierung“ oder „Charakterbildung“ vermarktet – ein Geschäftsmodell, das bis heute weiterlebt.

Tall Pines Academy – Fiktion mit realem Fundament

Das in „Wayward“ gezeigte Internat Tall Pines Academy ist fiktiv, doch erschreckend realistisch. Laut Martin basiert es lose auf den Schulen, die Maes Freundin Nicole besuchen musste. In der Serie wirbt Tall Pines mit „innovativen therapeutischen Methoden“ und „einer heilenden Verbindung zur Natur“ – genau wie viele echte Institute, die Jugendlichen angeblich helfen sollen, während sie sie tatsächlich systematisch brechen.

Martin betont jedoch, dass die Serie keine 1:1-Nacherzählung realer Ereignisse ist. „Es ist ein wilder Thriller mit einem ernsten Kern“, so Martin gegenüber Tudum. „Aber wenn er hilft, Gespräche über diese Industrie anzustoßen, dann ist das unglaublich wertvoll.“

Gemeinsam mit Co-Showrunner Ryan Scott ließ sich Martin außerdem von Filmen wie „Durchgeknallt“, „Get Out“ und „Fargo“ inspirieren – Geschichten, die psychologische Spannung mit Gesellschaftskritik verbinden.

Eine Serie mit echtem Schrecken

Der vielleicht beunruhigendste Aspekt an „Wayward“ ist, dass die Serie nicht übertreibt. Sie spiegelt Mechanismen wider, die in realen Einrichtungen weltweit angewendet wurden – und zum Teil noch immer werden. Kinder, die angeblich therapiert werden sollen, werden isoliert, manipuliert und ihrer Identität beraubt.

„Viele Überlebende versuchen herauszufinden, wer sie eigentlich sind – wer sie waren, bevor man ihnen mit 14 Jahren einredete, sie seien Psychopathen“, erklärt Martin.

Quellen
Ed Sheeran Game of Thrones - Foto: HBO
Stars
Ed Sheerans Vermögen: So reich ist der Sänger!

Er zählt zu den erfolgreichsten Musikern seiner Zeit – und ist damit reich geworden. Wie hoch das Vermögen von Ed Sheeran ist, erfahrt ihr hier.

Der Cast von „Club der Reality Detektive“ - Foto: Joyn
Neue Reality-Strategie-Show
„Club der Reality Detektive“: Alle Infos zum neuen Format im Überblick

Ein verschwundener Hund, drei Diebe und jede Menge Reality-Stars unter Verdacht: Mit „Club der Reality Detektive“ startet im Oktober 2026 eine neue Strategie-Show auf Joyn. Doch wie funktioniert das Format, wer ist dabei und wann laufen die Folgen? Hier findest du alle wichtigen Infos.

Lilly in roter Bluse steht neben Moritz im ärmellosen „Rodeo Club“-Shirt. Beide blicken ernst nach rechts. - Foto: RTL / Rolf Baumgartner
Schauspielerin wird Mutter
GZSZ-Babypause für Iris Mareike Steen: Termin für Abschied steht schon fest

GZSZ-Schauspielerin Iris Mareike Steen erwartet ihr erstes Kind und verrät jetzt, wann sie sich vorübergehend von der RTL-Serie verabschiedet.

Nicholas Ofczarek mit graumeliertem Vollbart und zurückgekämmtem Haar trägt ein schwarzes Sakko über einem dunklen, offenen Hemd. - Foto: Imago/Future Image
Bislang verschwiegen
„Tatort“-Star Nicholas Ofczarek: Seit fast 30 Jahren lebt er mit MS

Über eine persönliche Belastung sprach „Tatort“-Star Nicholas Ofczarek lange nicht öffentlich. Jetzt erzählt der Schauspieler, wie die Diagnose MS sein Leben und seine Arbeit verändert hat.

Jimi Blue Ochsenknecht trägt eine schwarze Kappe und einen violetten Pullover und blickt zu Yeliz Koc, die im Profil zu sehen ist. - Foto: IMAGO / Sven Simon
Erneuter Rechtsstreit!
Jimi Blue Ochsenknecht: Ex fordert wohl 12.000 Euro – nach Haftbefehl und RTL+-Panne

Laura-Marie Geissler fordert laut einem Bericht 12.000 Euro von Jimi Blue Ochsenknecht. Er bestreitet die Forderung. Was über den Rechtsstreit bekannt ist.

Andrej Mangold und Paul Janke in Blau sowie Dr. Nick und Dr. Rick in Rot sind als Comicfiguren um das Logo „Schlag den Star“ montiert. - Foto: ProSieben
KI-Hinweis: realistisch wirkendes Bild, das mithilfe künstlicher Intelligenz erzeugt oder wesentlich inhaltlich verändert wurde.
Rosenkavaliere treffen auf Schönheitschirurgen
„Schlag den Star“ am Samstag: Bachelors gegen Beauty-Docs – Das musst du über die Teams wissen

Bei „Schlag den Star“ treten am Samstag zwei ehemalige Bachelors gegen die Beauty-Docs Rick und Nick an. Wer die vier Kandidaten sind und was sie heute machen.