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"Vienna Blood"-Star Luise von Finckh: „Ohne uns Frauen geht nichts“

Mord, psychische Abgründe und Intrigen des Wiener Adels: Die neue Serie „Vienna Blood“ mit Luise von Finckh nimmt den Zuschauer mit in die Österreichische Hauptstadt zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Im Interview erzählt die Schauspielerin, ob sie gerne in der Zeit zurückreisen würde und warum sie eigentlich nie Hüte trägt.

GZSZ Luise von Finckh
Luise von Finckh über ihre Rolle "Clara" in der neuen Serie "Vienna Blood" Foto: Instagram/luisevonficnkh

Bekannt wurde Luise von Finckh durch ihre Rolle als „Rosi“ bei Schloss Einstein. Später mischte sie als „Jule“ bei GZSZ mit, widmete sich danach einigen Produktionen der öffentlich-rechtlichen Sender. Jetzt ist sie am Sonntag um 22:15 Uhr in der zweiten Folge „Vienna Blood“ als Clara Weiss im ZDF zu sehen.

"Vienna Blood" am Sonntag im ZDF: Darum gehts

"Vienna Blood": Die ursprünglich für den britischen Sender BBC produzierte Miniserie feierte vergangenen Sonntag in Deutschland Premiere. Die historische Serie basiert  auf den „Liebermann-Krimis“ von Frank Tallis und spielt in Wien zu Beginn des 20. Jahrhundert. Der Dreiteiler folgt einem Ermittler-Team, bestehend aus einem Inspektor und einem angehenden Psychologen, die diverse Kriminalfälle in der Hauptstadt lösen. Luise von Finckh spielt als Clara Weiss die Geliebte des Psychologen Max Liebermann. Diese Woche wird der Dreh der zweiten Staffel abgeschlossen.

Im Interview mit tvmovie.de verrät die Schauspielerin jetzt, dass ihre Rolle Clara in der zweiten Folge ihre eigenen psychischen Abgründe kennenlernt.

tvmovie.de: Die neue Serie „Vienna Blood“, aber auch Ihr Projekt „Deutschland 89“, finden in der Vergangenheit statt. In welche Zeit würden Sie reisen, wenn Sie es sich aussuchen könnten? Was würde Sie reizen?

Luise von Finckh: Ich glaube, es wäre für meine Generation total spannend West-Berlin nochmal in den 80ern zu sehen, kurz bevor die Mauer gefallen ist. Und dann natürlich den Mauerfall selbst. Die Atmosphäre muss einfach unglaublich gewesen sein und diese ganze Techno-Zeit finde ich auch sehr spannend, als Berlin einfach noch ziemlich dörflich war. Das hätte ich echt gerne gesehen. Also 1989 trifft die Zeit schon ganz gut.

tvmovie.de: Ist Techno Ihre Musikrichtung?

Luise von Finckh: Ich bin selbst nicht der größte Techno-Fan, höre eher HipHop, aber ich mag den Schlag Leute. Und ich mag das Nachtleben in Berlin. Beim ersten Lockdown dachte ich noch, das fehlt mir gar nicht, aber jetzt merke ich so langsam, es fehlt mir doch ziemlich.

tvmovie.de: Ihre Rolle „Clara“ in „Vienna Blood“ kommt als sehr höflich und gut situiert rüber. Wie würden Sie „Clara“ beschreiben?

Luise von Finckh: Ich glaube, Clara macht in diesen drei Filmen eine ziemliche Wandlung durch. Erst ist sie ein verwöhntes Mädchen, das daran glaubt, dass die Ehe alles ist, dann erkennt sie so langsam, dass eine Beziehung an sich nicht das ist, was sie glücklich macht. Besonders für diese Zeit ist das wahnsinnig fortschrittlich, weil Frauen eben damals nicht ganz so viel zu sagen hatten. Sich das zuzugestehen, war da schon etwas sehr Revolutionäres. Am Anfang ist Clara also sehr naiv, aber dann wacht sie auf.

tvmovie.de: Wie haben Sie sich auf die Rolle vorbereitet?

Luise von Finckh: Das wichtigste war mein englischer Vocal-Coach. Mit ihr habe ich viel gearbeitet, um diesen alten britischen Akzent hinzubekommen. Die deutsche Version haben wir ja erst später nachträglich synchronisiert. Die Sprachmelodie ist im Englischen einfach ganz anders und bis ich da Sprache und Gefühl miteinander verknüpft hatte, das hat schon eine Weile gedauert. Ansonsten habe ich ganz viel über die Zeit gelesen.

tvmovie.de: „Clara“ ist ja eine gut situierte Frau und trägt immer sehr schöne Kleider und vor allem auch Hüte. Durften Sie etwas davon behalten?

Luise von Finckh: Ja, Claras Garderobe war unglaublich schön. Die Kleider wurden alle auf meinen Körper maßgeschneidert, besonders die türkisen und rosafarbenen fand ich toll. Aber behalten durfte ich leider nichts davon, die gehen wahrscheinlich jetzt in einen Kostümverleih.

tvmovie.de: Hätten Sie gerne, dass Hüte wieder in sind? Die standen Ihnen ganz gut.

Mhmm, ich weiß nicht. Ich habe da irgendwie immer meine Cousine im Kopf, die mal gesagt hat, ,Menschen mit Hüten sind blöd‘ (lacht), was sicherlich ein Vorurteil ist, aber ich bin privat nicht der Hut-Typ, zumindest nicht so extravagante, wie die von Clara.

tvmovie.de: In der Serie geht es viel um psychische Abgründe, meinen Sie, dass „Clara“ auch einen Abgrund hat?

Luise von Finckh: Ich möchte nicht zu viel verraten, aber Clara zeigt sich in den nächsten Teilen auch noch einmal von einer anderen Seite. Am Anfang kommt sie ja nur sehr dezent vor, im zweiten Teil geht es dann aber richtig los.

tvmovie.de: Wenn Sie „Claras“ beste Freundin wären, was würden Sie ihr raten in Bezug auf die Beziehung zu „Max“?

Luise von Finckh: Die Beziehung zwischen den beiden besteht ja schon von Kindesbeinen an, die steht fest. Beide kennen sich schon ewig, die Familien kennen sich, sind sehr wohlhabend. Für Clara ist die einzig logische Konsequenz, dass er sie auch heiratet, und sie fragt sich natürlich, wieso er das nicht endlich macht. Als sich die beiden dann endlich verlobt haben, merkt sie aber, dass ihr in der Beziehung irgendwie etwas fehlt. Das zu hinterfragen, diese Erkenntnis ist für sie sehr wichtig.

tvmovie.de: Wie unterscheidet sich das Frauenbild in der Zeit „Claras“ zu heute?

Luise von Finckh: Ich finde, dass der größte Unterschied in der Partizipation von Frauen im Alltag liegt. Früher war die Rollenverteilung sehr extrem. In „Vienna Blood“ arbeiten ja auch nur die Männer, Frauen spielen keine Rolle im Arbeitsalltag. Heute ist das anders. Natürlich gibt es noch Situationen und Systeme, in denen Frauen schlechter gestellt sind als Männer, aber zumindest haben wir jetzt eine Stimme und finden im Alltag statt. Gerade in Corona- Zeiten sieht man doch, dass ohne uns Frauen nichts geht. Jetzt ist nur die Frage, wann Frauen auch finanziell gleichgestellt sind.

Interview und Text: Clara Dembinski

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