Filme

„Verschwörung“: „Niemand zeigt mit einem Blick so viele Emotionen wie Claire Foy.“

„Verschwörung“: „Niemand zeigt mit einem Blick so viele Emotionen wie Claire Foy.“
Regisseur Fede Alvarez ist begeistert von Claire Foys Talent / © Sony Pictures

Lisbeth Salander kehrt auf die Leinwand zurück. „Verschwörung“ läuft ab 22. November im Kino. Regisseur Fede Alvarez traf sich mit TV Movie-Redakteurin Michelle Welsing zum Interview. Er verriet warum er Claire Foy für den Film unbedingt haben wollte, inwieweit der Film an ein düsteres Märchen erinnert, und wieso er hauptsächlich in Deutschland und nicht in Schweden gedreht hat.

Regiesseur Fede Alvarez © Sony Pictures
 

Verschwörung": Inhalt

Lisbeth Salander (Claire Foy) gerät immer wieder in die Schlagzeilen. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht Männer, die Frauen misshandel, das Fürchten zu lehren. Keiner kann sie stoppen, denn sie ist seit drei Jahren untergetaucht. Nicht einmal Mikael Blomkvist (Sverrir Guonason), der Enthüllungsjournalist, konnte sie aufspüren. Eines Tages wird Lisbeth von Frans Balder (Stephen Merchant) engagiert. Er hat ein gefährliches Programm entwickelt, mit dem weltweit alle Atomwaffen kontrolliert werden können. Lisbeth soll sich bei der NSA einhacken und das Prgoamm stehlen, damit Balder es vernichten kann. Doch alles läuft schief. Eine kriminelle Gruppe wird auf Salander aufmerksam und will ihr einen Mord anhöngen. Dabei hat sie auch noch die Verantwortung für den kleien August (Christopher Convery). Nur Mikael kann sie noch retten. Doch auch er ist hilflos, als eine alte, totgeglaubte Bekannte bei Lisbeth auftaucht.

Fede Alvarez, wie kam es dazu, dass Sie in Berlin gedreht haben?

Wir brauchten Schnee, jedoch gab es den in Stockholm nicht. Außerdem ist es günstiger in Deutschland zu drehen. So war es uns möglich mehr Geld in den Film stecken zu können und nicht in das ganze Drum-Herum. Die Crew in Deutschland war toll. Das ist wichtig, denn ich bin ein Teil des Teams und jemand, der richtig mitanpackt. Ich bin kein Regisseur, der aus dem beheizten Zelt heraus Befehle brüllt, während das restliche Team draußen in der Kälte zittert.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Back in the trenches #thegirlinthespidersweb

Ein Beitrag geteilt von Fede Alvarez (@iamfedealvarez) am

Wann und wie kamen Sie zu diesem Filmprojekt?

Ungefähr vor zwei Jahren. Ich fand die Idee das vierte Buch zu verfilmen toll. Da „Verblendung“ unter der Regie von David Fincher schon sieben Jahre alt ist, war es mir möglich neue Schauspieler zu engagieren. Das Letzte, was ein Regisseur will, ist die Besetzung eines anderen zu übernehmen. Die Auswahl der Schauspieler ist nämlich schon die Hälfte deiner Vision des Films. Mit dem vierten Buch weiterzumachen, erlaubte mir meine eigene Vision zeigen zu dürfen.

Was für eine Vision schwebte Ihnen damals vor?

Im Vergleich zu Fincher habe ich einen weicheren Film gemacht. Die Bücher werden mit der Zeit ebenfalls etwas ruhiger. Lisbeth ist in den ersten Büchern brutaler und verrückter. Sie bekämpft ihren eigenen Bruder und nagelt ihn mit einer Nagelmaschine am Boden fest. Mein Film erinnert eher an ein düsteres Märchen: „Es waren einmal zwei kleine Schwestern, die hatten einen bösen Vater. Eine von ihnen rannte weg, die andere starb.“ Der Film endet damit, dass die beiden Schwestern sich im Wald hinterherjagen. Eine von ihnen in einem dramatisch, strahlend, rotem Kleid. Ich interessiere mich mehr dafür, was in der wirklichen Welt anfängt und sich in eine Fantasiewelt entwickelt, als für die rohe wirkliche Welt, in dem das erste Buch spielt.

© Sony Pictures

Was haben Sie in Claire Foy als Lisbeth Salander gesehen?

Lisbeth Salander würde niemals verraten, was in ihr vorgeht. Also wusste ich, dass ich eine Schauspielerin brauche, die diese inneren Gefühle ohne viele Worte herüberbringen kann. Sie können mir glauben, das können nur sehr, sehr wenige. Für „The Crown“ brauchte Claire Foy genau diese Gabe. Die Queen ist immer höflich und nett zu den Menschen, aber man weiß nie was sie wirklich denkt oder fühlt. Nicht viele Menschen sind wie Claire Foy in der Lage diese inneren Gefühle zu spielen und den Zuschauern zu präsentieren.

Gab es eine bestimmte Szene in „The Crown“ bei der sie dachten `Wow, tolle Schauspielerin´?

Ja die gab es. In der ersten Folge heiratet Queen Elizabeth. Es gibt diesen einen Moment in dem sie ihren Mann anschaut und versucht zu zeigen wie glücklich sie ist. Der Zuschauer kann jedoch sehen wie viel Angst sie hat und wie besorgt sie ist. Ich sah all diese Emotionen und Gedanken, die ihr durch den Kopf schossen während sie ihm eigentlich vermitteln wollte, dass sie nicht glücklicher sein könnte, weil sie ihn heiraten darf. Es gibt ein Close-Up von Claire, das in einem einzigen Augenblick alles erzählt, was man über diese Person wissen muss. So etwas zu spielen ist wirklich sehr schwer.

© Sony Pictures

War Claire Foy ihre erste Wahl, oder gab es auch Diskussionen Rooney Mara zu engagieren?

Nein, das waren eher Diskussionen im Internet. Wenn ich Rooney Mara engagiert hätte, dann hätte ich auch die anderen Schauspieler übernehmen müssen. Die Atmosphäre und die Tonalität von „Verschwörung“ sind jedoch ganz anders, als bei „Verblendung“. Um das zu verdeutlichen wollte ich  eine andere Besetzung haben.

Worin besteht der Unterschied zwischen „Verschwörung“ und den vorherigen Filmen?

„Verschwörung“ handelt von Lisbeth Salander. Ich finde sie ist die faszinierendste Figur in den Büchern. Die anderen Filme drehen sich um Mikael Blomkvist. Das fand ich ein bisschen unfair. Sie ist nicht da um den Journalisten zu unterstützen und sich von ihm herumkommandieren zu lassen. So gut wie die anderen Filme sind, fand ich es spannend, was passiert wenn ich Lisbeth in den Vordergrund stelle. Deswegen ist dieser Film schneller und chaotischer als die anderen. Salander ist nämlich ganz anders als Blomkvist. Er ist sehr intellektuell und durchdenkt alles doppelt.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Lisbeth Salander: the righter of wrongs. #GirlintheSpidersWeb 11.9.18

Ein Beitrag geteilt von The Girl in the Spider’s Web (@spiderswebmovie) am

Fühlten Sie sich durch die anderen Film unter Druck gesetzt?

Ja klar. Jeder möchte den besten Film drehen. Aber es ist wie bei jedem anderen Film auch. Wenn du einen Film drehst, willst du dass Millionen von Menschen gespannt darauf sind was du zu erzählen hast. Sie bezahlen Geld dafür, setzen sich ins Kino und schenken dir ihre Aufmerksamkeit für zwei Stunden. Also hast du besser etwas Gutes zu erzählen anstatt sie zu Tode zu langweilen. Jeder andere Druck ist dagegen ziemlich nebensächlich. Ich will sie Zuschauer unterhalten und überrascht. Ich will Nervenkitzel erzeugen und  sie sollen etwas geboten bekommen, das sie nicht erwarten.

Lisbeth Salander wird oft mit Batman verglichen. War es Ihre Intention aus Lisbeth eine Superheldin zu machen?

Auch das Auto erinnert an das Batmobil / © Sony Pictures

Nein eigentlich nicht. Ich mag keine Superhelden. Figuren mit Superkräften sind großartig und selbstlos. Ich finde das ziemlich erdrückend und sie inspirieren mich nicht dazu ein besserer Mensch zu werden. Ich fühle mich durch Superhelden wie Dreck, weil ich niemals so sein kann wie sie. Ich bin mehr daran interessiert Humanität durch Fehler zu zeigen. Der Film handelt von Schuld, Geheimnissen und Schamgefühl. Am Ende muss Lisbeth sich ihrer dunklen Seite stellen. Das zeigt den Zuschauern, dass wir alle Fehler machen. Wir alle lassen jemanden zurück und müssen die Realität und auch unsere schlechten Taten akzeptieren. Genauso wie Salander am Ende des Films. Das finde ich faszinierend.

 


Tags:
Das könnte Sie auch interessieren
TV Movie empfiehlt