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TV Movie bei der Histo Monte: Rallye ist, was du draus machst!

Zwischen Tal der Tränen und Gipfel des Glücks: Zusammen mit dem Team von Škoda fuhr TV Movie Online-Redakteurin Constanze Lerch ihre allererste Rallye, die Histo Monte. Eine riesige Herausforderung mit überraschendem Ausgang.

TV Movie auf der Histo Monte: Rallye ist, was du draus machst!
Die Histo Monte ist die Königsdisziplin der Rallyes. Foto: Skoda Auto Deutschland
 

Histo Monte: Kurve um Kurve

Kurve rechts, Kurve links, dann mehrere Kilometer geradeaus: Mein Blick ist auf die Karte auf meinen Schoss geheftet. Immer mal wieder schaue ich auch voraus auf die Straße oder werfe einen Blick auf den Geschwindigkeitszähler direkt vor mir. Die Verantwortung, die ich als Beifahrer bei der Histo Monte trage, ist größer als gedacht. Wer gut im Multi-Tasking ist, ist bei einer Rallye ganz klar im Vorteil. „Wo muss ich an der nächsten Kreuzung abbiegen?“, fragt mich mein Fahrer Jens Herkommer, der schon diverse Male die Histo Monte gefahren ist. Ich kann nur hilflos in die Karte starren und spucke dann die erste Richtung aus, die mir in den Sinn kommt – falsch. Nicht zum ersten Mal legen wir an diesem Tag den Rückwärtsgang ein. Auf ein Neues.

Es gibt Dinge, die mir Spaß machen und mit denen ich mich wohlfühle, Schreiben zum Beispiel. Es gibt aber auch vieles, das ich in meinem bisherigen Leben noch nie ausprobiert habe: Fallschirmspringen, Surfen und: eine Rallye fahren! Seit ich vom Dorf nach Hamburg gezogen bin, fahre ich nur noch sehr selten Auto. Und großes Talent habe ich anscheinend auch nicht: In der Abizeitung wurde ich vor ein paar Jahren zum „größten Verkehrsrisiko“ gewählt. Und nicht nur das, wie genau so eine Rallye abläuft, das war mir zuvor auch völlig schleierhaft.

Das Team mit der Startnummer 26: Constanze Lerch und Jens Herkommer. Foto: Skoda Auto Deutschland

Mein erster Gedanke, als das Angebot kam, mit Škoda Deutschland bei der Rallye Histo Monte mitzufahren, die von Rothenburg ob der Tauber bis nach Monte Carlo führt, war deshalb: Da bekomme ich bestimmt wunderschöne Landschaften zu sehen, während ich mich von meinem Fahrer nach Monte Carlo bringen lassen. Während die Landschaften meine Erwartungen tatsächlich bei Weitem übertroffen haben, hätte ich bei der Sache mit dem Fahren nicht falscher liegen können.

 

Die Königsdisziplin der Rallyes

Schon am ersten Tag werde ich meilenweit aus meiner Komfortzone katapultiert und lande ziemlich schnell und sehr hart auf den Boden der Tatsachen: Die Histo Monte zu fahren ist ein echtes Erlebnis, zurücklehnen ist nicht angesagt.

Die Veranstaltung wird von Rallyeleiter Peter Göbel und seinem Team in Zusammenarbeit mit dem Automobilclub von Deutschland (AvD) organisiert und findet nun bereits zum 22. Mal statt. Škoda gehört zu einer der Hauptsponsoren von Deutschlands größte Winter-Rallye. Insgesamt 89 Duos nehmen mit ihren Autos an dem Wettbewerb teil.

Als ich die Oldtimer sehe, die in Rothenburg an den Start gehen, bin ich, ein Laie, sichtlich beeindruckt. Bei der Histo Monte sind unter den Fahrzeugen richtige Schätze dabei. Vom Porsche 356 B 1600 bis hin zum Riley 12/4 Special, das mit Baujahr 1936 das älteste Modell der Rallye ist. Auch der Oldtimer in dem ich unterwegs bin, ist ein echtes Schmuckstück: der Škoda 130 LR.

Auf dem Marktplatz von Rothenburg reiht sich ein Oldtimer an den anderen. Foto: Skoda Auto Deutschland

Bereits bei meiner Ankunft verrät mir Service-Chef Herkommer: „Die Histo Monte ist eine Rallye der Beifahrer und die absolute Königsdisziplin!“ Vor dem Start kann ich darüber noch lachen. Wie kompliziert kann eine Rallye mit Oldtimern schon sein?

 

Gleichmäßigkeit vor Schnelligkeit

Doch schon knapp drei Stunden später werde ich eines Besseren belehrt: Für eine gelungene Histo Monte braucht es nicht nur einen sicheren Fahrer, sondern auch einen ebenso aufmerksamen Beifahrer. Der heilige Gral für denjenigen, der die Rallye über navigieren muss, ist das sogenannte Roadbook: Die Rallye-Bibel umfasst 175 Seiten – für zwei Tage wohlgemerkt! Dann gibt es ein weiteres Roadbook, das ungefähr die gleichen Seiten zählt. In dem Wälzer sind die Karten zu finden, mit denen der Co-Pilot dem Fahrer den richtigen Weg weist. Doch wer glaubt, das Buch übernehme die Denkarbeit für den Beifahrer, der täuscht. In die Karten sind auch kleine Kniffe eingezeichnet. Öfter als mir lieb ist, muss ich erahnen, wann die nächste Kreuzung kommt und in welche Richtung abgebogen werden muss. Für eine Person aus der Generation Google Maps eine echte Herausforderung!

Es geht los! Spät abends starten wir zu unserer ersten Etappe. Foto: Skoda Auto Deutschland

Kurz vor Start des Prologs – eine erste Aufwärmübung, bevor es am nächsten Tag richtig losgeht – geben mir Jens Herkommer und sein Team einen entscheidenden Tipp: Den Fahrverlauf in den Karten mit einem Textmarker bereits vorher einzuzeichnen. Die Histo Monte ist eine Gleichmäßigkeits-Rallye, Schnelligkeit spielt also eine eher untergeordnete Rolle. Stattdessen ist hier Genauigkeit gefragt. In den sogenannten GLPs, den Gleichmäßigkeitsprüfungen, muss eine bestimmte Strecke in einer vorgegebenen Durchschnittsgeschwindigkeit befahren werden. Im Vorteil ist da, wer einen Schnittrechner besitzt, der die genaue Fahrzeit für die jeweilige Prüfung ausrechnet.

Eine Herausforderung sind die GLPs besonders für den Fahrer, doch auch der Beifahrer hat einiges zu tun: Navigieren, auf kleine Abweichungen achten und den Tripmaster kontrollieren, ein Kilometerzähler, mit dem die Angaben auf der Karte abgeglichen werden können.

 

Ein katastrophaler Start

Während ich beim Start noch betont locker bin, ist die gute Laune nach den ersten Kilometern bereits vorbei. Ein ums andere Mal verfahren wir uns, weil ich mit der Karte zunächst komplett überfordert bin. Und auch die zweite Prüfung läuft katastrophal. Am Ende der rund 100 Kilometer langen Strecke rund um Rothenburg bin ich völlig fertig. Schlechter hätte es kaum laufen können! Nach dem desaströsen Start bin ich ernüchtert und denke sogar ans Aufgeben. Ist die Histo Monte vielleicht doch eine Nummer zu groß für mich?

„Sportlicher Ehrgeiz ist wichtig, doch man sollte auch mit Spaß bei der Sache sein“, betont Jens Herkommer. Und auch die anderen Fahrer von Team Škoda sprechen mir Mut zu. Am Ende des Abends die Entscheidung: Ich mache trotz mulmigen Gefühl weiter – Aufgeben gilt nicht!

Einen wunderschönen Ausblick genießen die Fahrer während der fünftägigen Rallye. Foto: Skoda Auto Deutschland

Als es am nächsten Morgen dann wirklich losgeht, ist meine Anspannung trotzdem riesig. Was mache ich, wenn es noch einmal schief läuft? Am ersten Rallye-Tag lerne ich die wohl wichtigste Erkenntnis der verrückten Reise: Fehler sind menschlich und keine der 89 Teams schafft es ohne Misserfolge ins Ziel. Zwar leite ich Jens Herkommer auf der Strecke nach Freiburg auch immer mal wieder in die falsche Richtung, doch endlich kommt mir die Karte nicht mehr so fremd vor. Auch die GLPs laufen überraschend gut. Als wir nach fast zehn Stunden Fahrtzeit endlich am ersten Ziel ankommen, bin ich richtig stolz. Am Anfang unserer besonderen Reise kommen der Service-Chef und ich noch nicht auf einen Nenner: sportlicher Ehrgeiz trifft auf völlige Unerfahrenheit. Nach und nach können wir uns dann aber auf eine Zielsetzung einigen: Wir wollen konzentriert an die Sache rangehen, aber niemals den Spaß bei der Sache verlieren – und den habe ich von Stunde zu Stunde mehr.

 

Von den Alpen bis zur Côte d’Azur

Aber nicht nur die Freude an der Rallye kommt nach dem ersten Schock an Tag 1 zurück, auch im Navigieren werde ich von Kilometer zu Kilometer sicherer. Endlich kann ich auch die wunderschönen Landschaften der knapp 1.800 km langen Rallye bewundern. Die Histo Monte führt uns durch Deutschland, die Schweiz und Frankreich bis hin zur Côte d’Azur  - eine Offenbarung, diese Strecke. Auf dem Weg zum Ziel jagt ein landschaftliches Highlight das nächste. Verschlafene Dörfer, beeindruckende Gebirge und natürlich die wunderschönen Seealpen sind einige der Punkte, die ich ohne die Histo Monte wahrscheinlich nie zu sehen bekommen hätte. Eine einzigartige Erfahrung ist auch der Col de Turini. Der wohl bekannteste Pass der Seealpen zeichnet sich durch unzählige Kurven und Kehren aus. Kein Wunder also, dass ich mich bei der Fahrt wie in einem Karussell fühle und am Ende der Etappe ordentlich durchgerüttelt bin.

Auch in den kommenden Tagen passieren mir immer wieder kleine Fehler. Je näher wir dem Ende unserer Fahrt kommen, desto mehr ärgere ich mich darüber. Ob ich es will oder nicht: Auch als Anfänger entwickele ich einen gewissen Ehrgeiz und möchte die Histo Monte mit einem positiven Ergebnis abschließen. Wie gut es für mich und meinen Fahrer tatsächlich läuft, ahne ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Ganz bewusst habe ich mich bis zum Schluss von jeglichen Ergebnistabellen ferngehalten – zu groß war mir die Gefahr, sich durch Misserfolge demotivieren zu lassen. Als der letzte Tag anbricht, habe ich gemischte Gefühle. Auf der einen Seite bin ich glücklich, dass ich meine erste Rallye wider Erwarten so gut gemeistert habe, auf der anderen Seite fällt nun endlich alle Anspannung von mir ab. Eine Rallye zu fahren, bedeutet Nervenkitzel, Anspannung und ja, manchmal auch Überforderung. Gleichermaßen bedeutet es aber auch jede Menge Spaß und Abenteuer.

 

Rallye mit Happy End

Als wir nach fünf Tagen in den imposanten Hafen von Monte Carlo einfahren, das Ziel passieren und die ersten Glückwünsche annehmen, realisiere ich erst, welche Meisterleistungen nicht nur mein Team, sondern alle Duos der Histo Monte auf den vergangenen neun Etappen an den Tag gelegt haben. Die Histo Monte ist kein Spaziergang, will es aber auch gar nicht sein. Und wie so oft gilt: Die Rallye ist, was du draus machst!

Bei der großen Gala am Abend wartet auf mich und Jens Herkommer eine Überraschung: Am Ende landen wir auf einen sensationellen 10. Platz und können bei der letzten Strecke von Cannes über San Romolo nach Monte Carlo sogar den Tagessieg verbuchen. Als Laie ein tolles Ergebnis, doch spielt die Platzierung für mich irgendwie dann doch eine untergeordnete Rolle. Auch ein 20. Platz wäre ein Erfolg. Viel größer ist bei mir die Freude darüber, wie sich die Histo Monte für mich entwickelt hat. Am ersten Tag war ich mir sicher: Die Winterrallye ist nicht das Richtige für mich und die kommenden Tage ein kräftezehrender Akt, auf den ich – ganz ehrlich – keine große Lust habe. Die Herausforderung dennoch anzunehmen, war eine Entscheidung, die ich nicht bereut habe. Ganz im Gegenteil: Ich komme zu der Erkenntnis, dass ich man sich viel öfter aus seiner ach-so-gemütlichen Komfortzone bewegen sollte – Am Ende steht dann auch der ganz persönliche Sieg, versprochen.

Mehr Infos und aktuelle Eindrücke zur Histo Monte gibt es auf www.avd-histo-monte.com

 


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