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"Trautmann": David Kross über die gesellschaftliche Kraft des Fußballs

In dem autobiographischen Film "Trautmann" spielt Darsteller David Kross den Torhüter Bert Trautmann. Im Interview erzählt er uns von schmerzhaften Paraden und der Macht des Fußballs.

David Kross - Trautmann
David Kross spielt Bert Trautmann, den ehemaligen deutschen Fußball-Torhüter und ersten ausländischen Fußballer, der in England Spieler des Jahres wurde. SquareOne Entertainment

Sein Weg war ein ganz besonderer. Am Anfang verhasst, am Ende eines der größten Idole des britischen Fußballs. Der Film "Trautmann" erzählt die Geschichte von Bert Trautmann, einem zu Beginn deutschen Soldaten und Kriegsgefangen des 2. Weltkrieges in England. Doch aus dem Gefangenenlager 1948 und aus dem Bild eines verabscheuten Nazis spielte er sich als Torhüter des Manchester City in die Herzen der englischen Fußballfans.  

Im Rahmen der Premiere in Hamburg trafen wir Hauptdarsteller David Kross, der im Interview verrät, was Bert Trautmann für ein Mensch war, wie er sich auf die Rolle vorbereitete und was der Fußball in unserer Gesellschaft für einen Stellenwert hat.

TVMovie.de: Wie ging es dir mit der Rolle? Wie hast du dich da hineingedacht in diesen Menschen?

Als der Regisseur und Produzent sich zum ersten Mal mit mir getroffen haben, das war 2012, da war ich sehr überrascht davon, dass ich von dieser Geschichte nie zuvor gehört habe. Gerade weil ich auch großer Fan des Fußballs bin. Dann habe ich viel über die Geschichte gelesen, ganz besonders Biographien über ihn. Um die Herausforderung eine echte Persönlichkeit zu spielen, habe ich mir auch sämtliche Videos auf YouTube von ihm angeschaut.

Wie ist es für dich als Schauspieler eine Autobiographie zu spielen?

Man hat immer eine Art Schablone, in der man sich bewegen muss. Ich konnte also nie einfach frei heraus spielen und eine komplett eigene Interpretation von Bert Trautmann machen. Da ich eine einst lebende Person gespielt habe, schaute ich mir täglich Bilder von ihm an, um seine typische Haltung zu verinnerlichen und letztendlich möglichst echt darzustellen.

Trautmann verstarb leider 2013. Hast du ihn noch kennenglernt?

Ich hätte ihn unglaublich gerne persönlich getroffen, doch dazu kam es nie. Nachdem ich mich nun so sehr mit seiner Persönlichkeit beschäftigt habe denke ich, dass er ein sehr bescheidener und höflicher Mann war. Auf der anderen Seite aber ein ehrgeiziger Sportler, der für den Sport gelebt hat.

Hast du Angehörige von Bert Trautmann getroffen?

Ja. Bei der Premiere in Bremen war seine Nichte anwesend. Es hat mich unglaublich glücklich gemacht, dass sie sehr begeistert war vom Film. Sie hatte eine alte unterschriebene Autogrammkarte von Trautmann dabei, die ich auf der Rückseite unterschreiben sollte. Das war für mich eine große Ehre.

Wie ist das Drehbuch des Films genau entstanden? War Trautmann persönlich Teil davon?

Der Regisseur Markus Rosenmüller hat Bert Trautmann eine Woche lang getroffen, interviewt und ausführlich mit ihm über sein Leben gesprochen. Mit Markus habe ich dann wiederum sehr viel über das Leben von Trautmann geredet, um die Hintergründe im Detail zu erfahren.

Welche Worte würdest du an ihn richten, wenn du ihn heute treffen könntest?

Ich würde unglaublich gerne seine Meinung zu dem Film erfahren wollen. Aber auch einfach neben ihm zu stehen und seine Aura wahrzunehmen wäre für mich etwas ganz besonderes.

 

"Bert merkte, dass im Krieg einiges falsch lief."

Wie hat der Krieg die Person Bert Trautmann beeinflusst?

Dieser Teil von ihm, als Soldat im Krieg, war extrem wichtig für den Charakter Bert Trautmann. Er hat sich ja freiwillig für die Wehrmacht gemeldet, jedoch später gemerkt was für eine Gehirnwäsche er unterzogen wurde. Dann im Kriegsgefangenenlager kommt er das erste Mal mit Demokratie in Berührung und merkt, was alles im Krieg und in Deutschland falsch läuft. Und genau das war für mich als Schauspieler toll zu spielen, diese Veränderung, die Trautmann da durchmacht.

David Kross in "Trautmann"
Bert Trautmann (D. Kross) als Kriegsgefangener. SquareOne Entertainment

Glaubst du Trautmann war Mitläufer oder schon teils überzeugter Nazi?

Das ist sehr schwer zu beantworten. Das muss natürlich alles im Kontext betrachtet werden. Was ich weiß ist, dass Trautmann, wie man ja auch im Film sieht, mit vielen Vorkommnissen in der NS-Zeit nachhaltig zu kämpfen hatte.

Hast du da ein Beispiel?

Er hat dem Regisseur Rosenmüller beispielweise davon berichtet, wie er zufällig eines Nachts eine Erschießung mehrerer Juden mitbekam. Er sagte, dass er es bis heute bereute, nichts dagegen unternommen zu haben.

Wie lief die Co-Produktion mit den britischen Kollegen am Set?

Es waren viele großartige britische Schauspieler dabei: Freyor Mavor, die Trautmanns Frau Margaret spielt, Harry Melling, der damals in Harry Potter den Cousin Dudley spielte, haben beide ein echtes Talent. Das hat viel Spaß gemacht.

Hast du selber denn auch mal gekickt?

Ja. Mit fünf Jahren habe ich bei dem Dorfverein VFR Todendorf in Schleswig-Holstein angefangen zu kicken. Später habe ich bei Bargteheide gespielt und hatte natürlich auch diesen klassischen Kindheitstraum vom Fußballprofi. Allerdings war ich nie Torwart, immer nur Stürmer.

Musstest du denn Torwart-Training  für den Film nehmen?

Das musste ich. Trautmann war damals einer der besten Torhüter der Welt und das wollte ich glaubhaft rüberbringen. Ich musste lernen wie sich ein Torwart bewegt, wie er die Bälle fängt. Meine ersten Versuche an den Paraden waren am Anfang noch sehr schmerzhaft. Gerade dieses furchtlose Torwartspiel mit dem Kopf voraus war das, was Trautmann ausmachte und weshalb er sich ja auch das Genick brach.

 

David Kross als Fußball-Fan

Verfolgst du den Profi-Fußball im Fernsehen?

Absolut. Ich bin zwar kein Fan einer bestimmten Mannschaft, aber auch besonders seit dem Film schaue ich gerne englischen Fußball und die Spiele von Manchester City. Wir haben da auch bald Premiere in Manchester, falls da einer der Spieler anwesend wäre und ich mir ein Autogramm holen könnte, würde schon ein kleiner Traum in Erfüllung gehen.

Welche Bedeutung hat die Liebesgeschichte zwischen Bert Trautmann und Margaret Friar?

Die Beziehung ist für die gesamte Geschichte des Trautmann-Falls extrem wichtig. Man könnte sagen, dass die Beziehung zwischen Bert und Margaret die Beziehung von Trautmann zu England symbolisiert. Erst verhasst, dann geliebt.

David Kross und Freya Mavor
David Kross und Freya Mavor als Bert Trautmann und Margaret Friar. SquareOne Entertainment

Welche Relevanz hat der Fußball in unserer Gesellschaft?

Ich denke, der Fußball hat extrem viel in unserem Land bewirkt. Häufig, wenn es wirklich um den Fußball geht, spielt es keine Rolle mehr, welche Herkunft der einzelne Spieler hat. Dieses Gemeinschaftsgefühl und der Teamgeist in diesem Sport kann in Zukunft noch viel bewirken – und das hat er schon.

Was bedeutet das für den Film?

Trautmann war einer der ersten, der wenn auch unbewusst zu einer Staatendiplomatie zur Nachkriegszeit beigetragen hat.  Der Film und die Geschichte Trautmanns zeigen das große Potential des Fußballs und den Persönlichkeiten im Sport. Daher werden die Person und der Sportler Bert Trautmann immer ein Teil des englischen Fußballs bleiben.

 

*Frederik Harms



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