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Tour de France 2018: Hinter der Zielgeraden steigt die nächste Party

SKODA Aktiv Training
Die 15. Etappe der Tour de France führte die Fahrer durch malerische Berglandschaft. Lars Wehrmann

Im Rahmen der Tour de France 2018 reiste Mitarbeiter Lukas Weisselberg für TV Movie Online nach Südfrankreich, um sich das bedeutenste Radrennen der Welt genauer anzuschauen. Gemeinsam mit dem SKODA Veloteam konnte er die Tour de France hautnah aus einer anderen Perspektive miterleben. 

 

Tour de France 2018: Aller Anfang ist schwer 

Höre ich genau hin, nehme ich nur ein feines Surren wahr. Immer wieder und unaufhörlich surrt es. Sonst höre ich nichts. Ich konzentriere mich nur auf das melodische Surren meines Rads. Wie ich so in die Pedale trete, könnte ich ewig die Landstraße von Les Tricheries entlangfahren. Die Landschaft wird mit jedem Meter eindrucksvoller. 

Frei und leicht sause ich um die Kurven der Bergstraße. So schnell habe ich mich noch nie gefühlt. Ich werde eins mit der Strecke und der Wind umgibt mich. Ich habe das Gefühl ohne Widerstand durch die Luft zu sausen. Frei wie ein Vogel, auf und davon.

Das SKODA Veloteam hat uns - eine kleine Gruppe von Redakteuren - dazu eingeladen, die "ultimative Tour de France-Erfahrung" zu machen. So dürfen wir vor dem eigentlichen Rennen auf der offiziellen Strecke von Brassac bis nach Carcassonne ins Finale radeln.

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Lukas Weisselberg bekommt letzte Anweisungen. Foto: Lars Wehrmann

SKODA ist schon seit 15 Jahren Partner der Tour de France. Ich bin zum ersten Mal dabei, und gewinne schnell einen Eindruck von der Härte der Strecke, als aus der geraden Strecke plötzlich eine Steigung wird. Meine Beine beginnen an zu zittern. Ich komme ins Schwitzen, mein Atem wird schneller. Ich komme nur noch mühsam voran. Wie im Schlamm stecke ich fest, meine Bewegung wird immer träger und langsamer, mein Puls rast. Ich höre nur noch wie mir jemand entgegenschreit: "Schalten! Du muss in einen anderen Gang schalten!", doch da ist es schon zu spät. 

 

Tour de France 2018: Der Weg ist das Ziel

Brassac. Eine kleine südfranzösische Gemeinde mit 1.289 Einwohnern. Hier ist es verschlafen und zugleich malerisch. Doch heute sind alle putzmunter. Es ist Tour de France und  die 15. Etappe von Millau nach Carcassonne führt durch die kleine Gemeinde. Kurz vor 10 am Morgen: Sowohl bei den Fahrern, als auch bei den Zuschauern macht sich die Anspannung breit.

Die Tour de France ist für die Franzosen nicht nur irgendein Sportevent. Sie gehört zum Kulturgut der "Grande Nation"- und das schon seit 1903. Der Journalist Géo Lefèvre hatte die Idee das Publikum mit einem noch längerem und schwierigerem Radrennen, das die Maße aller überschreitet, zu fesseln. Gleichzeitig wollte er die Absatzzahlen für die Sportzeitung "L'Auto" steigern. Der Rest ist Geschichte. 

Bis heute begeistert die Tour de France Menschen jeden Alters. So steht am Rand der Radstrecke die Großmutter mit ihrem kleinen Enkel und jubelt begeistert den Sportlern entgegen, wie auch der jugendliche Amateurfahrer. Es ist ein Tag an dem die ganze Familie zusammenkommt. Mütter und Kinder picknicken auf dem Grünstreifen der Route, daneben sehe ich lauter Caravans, die geschmückt sind mit tausenden von Flaggen und Radtrikots. Es ist eine unfassbare Atmosphäre!

Im Wind tanzen Fahnen auf denen "Vous êtes des héros" steht. "Ihr seid Helden", denn auch wenn es um den Sieg der Leistungssportler geht, ist jeder Teil des Riesenspektakels. Einer freut sich heute ganz besonders: Der Rennfahrer Cort Nielsen, der an dem Tag in Carcasonne den Etappensieg holt. Für den 25-jährigen Dänen wird damit ein Traum wahr.

Tour de France 2018: SKODA Aktiv Training
Die Tour de France ist mehr als nur ein Sportevent. Lars Wehrmann
 

Tour de France 2018: Sag niemals nie!

Die Landstraße ist inzwischen eine Höllenfahrt geworden. Mein Puls rast weiter, jeder Tritt in die Pedale ist schmerzhaft. Kraftlos keuche ich: "Ich kann nicht mehr!" Ich bin 19 Jahre und würde mich als sportlichen Typen beschreiben, aber dieser verdammte Berg ist echt nicht ohne. Bei einer Steigung von sieben Prozent kann man schon mal ins Straucheln geraten. Mist! Ich habe vergessen zu schalten, doch es ist zu spät. Ich steige kurz vom Rad und sehe wie meine Beine heftig zittern. Aufgeben ist nicht, ich will weitermachen und schwinge mich wieder auf mein Rad. Die nächsten Meter gehen wieder leichter und da spüre ich, wie eine Hand mich von hinten packt und ich wieder zu fliegen beginne.

Tour de France 2018: SKODA Aktiv Training
 Der Aufstieg ist nicht leicht. Lars Wehrmann

Es ist der ehemalige Rennfahrer Christian Henn, der mir den kräftigen Ruck verpasst, und mich wieder auf die Strecke gebracht hat. So fühlt sich Teamgeist an: Alle achten aufeinander, egal welche Leistungsstufe. Wie kleine Blitze sausen wir wieder gemeinsam Südfrankreichs Straßen entlang. Mein Atem beruhigt sich, es geht bergab. Während wir den Berg hinunterfahren, komme ich mit Henn ins Gespräch. Wir unterhalten uns über Anfänge und Rückschläge. Er erzählt, dass er eher zufällig zum Radsport gekommen sei. "Mit 14 haben meinem Bruder und ich an unseren Fahrrädern rumgeschraubt. Wir haben alles Mögliche drangebastelt, um sie irgendwie aufzupeppen", schwelgt er in Erinnerung. So habe er die Freude am Radsport entdeckt und sei dabei geblieben. Bis heute sei er vom Sport fasziniert. 

Christian Henn & Lukas Weisselberg
Lukas Weisselberg (l.) und Christian Henn (r.) im Gespräch. Lars Wehrmann
 

Tour de France 2018: Eine unfassbare Atmopshäre 

Ich hingegen bin fasziniert von der überwältigenden Atmosphäre bei der Ankunft in Carcassonne. Es scheint als gelte der Applaus mir. Auch wenn die eigentlichen Stars des Tages noch in weiter Ferne sind, stehen die Fans schon in ihren Startlöchern. Doch es ist mehr als nur die pure Vorfreude auf die rasenden Sportler zu warten. Während die Profi-Sportler ihre letzten Kräfte aktivieren und ich meine Batterien wieder auflade, geht an der Zielgerade jetzt schon die Party los. Es ist eine Stimmung, wie bei einer Parade. Plötzlich regnet es um mich herum Süßigkeiten und Wasserbälle. Musik wummert aus den Lautsprechern. Über riesige LED-Bildschirme wird der Fortschritt der Rennfahrer übertragen.

Tour de France 2018
Tour de France 2018: 15. Etappe in Carcassonne. Lars Wehrmann

Wir sind auf den letzten 400 Metern, der Spanier Jon Izaguirre versucht sich in Cort Nielsens Windschatten zu retten. Noch 320 Meter, Cort Nielsen drängt das Duo aus Spanier Izaguirre und Niederländer Bauke Mollema an die Absperrung zu drängen, um den Abstand zu seinen Mitstreitern abschätzen zu können.

Die letzten 100 Meter, Izaguirre versucht vergeblich den Dänen einzuholen. Plötzlich kommt der Däne um die letzte Kurve gesaust. Es wir ohrenbetäubend laut, Carcassonne ist umhüllt von einem Freudensturm. Als Nielsen über die Ziellinie jagt, rasten die Fans komplett aus - ein Gänsehautmoment! Er ist der Etappensieger und jeder freut sich für den Athleten. Die Kommentatoren bewundern die sportliche Meisterleistung, und ich bin von der Stimmung überwältigt. Es ist ein Moment, den niemand mehr vergisst. Jeder von uns war Teil vom großen Ganzen. Wir waren die Tour de France 2018

14 Stunden später befinde ich mich schon wieder auf dem Rückflug von Toulouse nach Hamburg. Zum Glück sitze ich in einem Flugzeugsitz, anstelle eines Fahrradsattels. Bei dem Gedanken muss ich schmunzeln und bestelle mir was zu trinken. So endet meine Reise.



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