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Tim Mälzer bei "Kitchen Impossible": "Ich feiere mich für Kartoffelsalat!"

Tim Mälzer
Er ist wieder zurück: Tim Mälzer wächst bei "Kitchen Impossible" immer mehr über sich hinaus. MG RTL D / PA / Thomas Wieck

Überheblichkeit, Frauen und die japanische Küche - Bei der 3. Staffel der Erfolgsshow "Kitchen Impossible" stößt Tim Mälzer körperlich, physisch und psychisch an seine Grenzen. Mit TV Movie spricht er über Grenzerfahrungen und Kartoffelsalat. 

 

TVMovie.de: Welche Situation hat dich während der Dreharbeiten besonders an deine Grenzen gebracht?

Tim Mälzer: "Ich komme schnell an mein Limit. Vor allem an meine körperlichen Grenzen. Vietnam war für mich z. B. sehr schwierig. Ich hab geschwitzt, es war heiß, kulturell bedingt war es hygienisch auch etwas schwierig. Ich wollte mein eigenes Essen teilweise gar nicht mehr probieren. Aber das ist halt das Besondere an "Kitchen Impossible" – diese psychische und physische Grenzerfahrung.

Es gab auch Momente, in denen ich mich provoziert gefühlt habe – in Japan zum Beispiel. Man glaubt es kaum, aber ich bin wirklich demütig als Koch. Und ganz besonders der japanischen Küche gegenüber. Weil ich sehe, mit welcher Ernsthaftigkeit und mit welcher kulturellen Tiefe die Japaner ihre Gerichte zelebrieren und mich meine Aufgabe bei 'Kitchen Impossible' in ein wahres kulturelles Mekka geführt hat.

Allein, dass ich sowas für ein TV-Format machen musste, ist mit Hinblick auf die Jahrhunderte alte Tradition fast schon anmaßend und nicht demütig genug. Da hab ich mich echt nicht wohl gefühlt. Ich stehe den Original-Köchen immer mit sehr viel Respekt gegenüber und möchte ihnen nicht das Gefühl geben, dass sie Kamera-Futter für Firlefanz-Fernsehen sind. Ich nehme mein Gegenüber und die Gerichte immer sehr ernst, und das sollen die Original-Köche möglichst auch spüren."

 

Was ist das für dich das Faszinierende an "Kitchen Impossible"?

"Dass diese Geschichte an sich nie zu Ende erzählt ist. Es wird immer tolle und faszinierende Gerichte und Köche geben, die das Format am Leben erhalten. Kulinarik ist nie auserzählt, das finde ich faszinierend. Und ich finde es auch spannend, große Sterneköche an vermeintlich einfachen Gerichten scheitern. Und ich fühle mich auch mit einem Hot Dog oder Kartoffelsalat, der besonders zubereitet wird, herausgefordert."

 

Wenn du dir jemanden für ein nächstes Duell wünschen könntest – gäbe es da jemanden den du gerne mal bezwingen würdest?

"Ja, dem Henssler würde ich gerne mal kulinarisch das Maul stopfen (lacht). Aber nur, weil wir freundschaftlich verbunden sind. Ich glaube, er ziert sich noch ein bisschen. Aber ich meine, mehr Groß-Fressen kannst du ja nicht in eine Sendung packen. Mehr Überheblichkeit mit begrenzten Möglichkeiten gibt’s ja gar nicht auf einen Schlag. Der eine kann nur Reis und Fisch und der andere kann Eintöpfe. Und trotzdem tun wir so, als wären wir der Mittelpunkt der kulinarischen Erde (lacht). Nein, ein Grund ist auch einfach, dass Steffen auch ein Wettbewerbstyp ist. Er hat Humor und diese gewisse Grundaggressivität, die du auch in der Küche benötigst, um die nächste Ebene zu erreichen."

 

Wen würdest du in der Küche eher nicht herausfordern?

"Jemanden, vor dem ich sehr viel Respekt habe, weil er einfach zu gut ist, ist Jamie Oliver. Da hätte ich Bedenken, ob ich gegen ihn bestehen könnte. Obwohl ich schon ein bisschen Bock darauf hätte."

 

Welche Frau könnte dich denn blass aussehen lassen?

(Lacht) "Alle! Aber ich würde mir in der Tat für „Kitchen Impossible“ mal ein paar mehr Frauen wünschen. Ich weiß nicht ob, das genetisch bedingt ist, aber die sind meistens zu bescheiden. Die feiern sich einfach nicht so sehr wie wir Männer, obwohl wir exzellente Köchinnen haben. Ich meine, ich feiere mich für Kartoffelsalat oder ein wachsweiches Ei und kann damit eine Dreiviertelstunde füllen. Das traut sich kaum eine Frau."

 

Als Koch hast du im Laufe deines Lebens bestimmt schon so einige kulinarische Highlights genossen. Welches Gericht war denn als Kind für dich ein absolutes Highlight?

"Ich verbinde Gerichte sehr stark mit Emotionen, Situationen, Atmosphären und Personen. Ich hatte mit meiner Familie besondere Momente, die mich bis heute prägen: Das Roastbeef mit Röstkartoffeln und Remoulade von meiner Oma, der Steckrübeneintopf meiner Urgroßmutter, der Butterkuchen meines Opas. Das Nackensteak mit TK Balkan-Mischgemüse und Kräuterbutter meines Vaters. Aber ein Klassiker: Die Spaghetti Bolognese mit einer Spezi und zum Nachtisch zwei Schaumstoffmäuse - da kriege ich gleich Gänsehaut! Ich habe GENAU diesen Geschmack heute noch auf der Zunge."

 

Worauf bist du während der Dreharbeiten besonders stolz gewesen?

"Da gibt es zwei Momente in der nächsten Staffel. Auf einen bin ich so richtig, richtig, richtig stolz. Da war ich quasi nochmal elf Jahre alt und einfach nur stolz auf mich. Ich bin zwar an dieser Aufgabe gescheitert, aber ich habe gezeigt, dass ich schon der Richtige bin und eine ganze Menge Ahnung habe, von dem was ich da tue. Es gab auch Aufgaben, auf die ich keinen Bock hatte. Einfach weil sie so scheiße schwer waren. Und ich weiß direkt, wie ich mich in 24 Stunden fühlen werde: Ich bekomme eine blöde Aufgabe und weiß, wie ich da wieder stehen werde, mich ärgere und dann bin ich manchmal an einem Punkt, wo ich am liebsten abbrechen würde. Aber dennoch überwinde ich mich und gebe mein bestes! Darauf bin ich dann schon stolz."

 

Gab es denn schon Momente, in denen du wirklich aufgeben wolltest?

"Ja, es gab eine Situation, da wollte ich alles abbrechen. Da war mir alles egal, ich habe mich vorgeführt gefühlt, beleidigt, in meiner Ehre angegriffen durch die Art der Aufgabe. Aber man hat mich dann einfach nur ein paar Minuten in Ruhe gelassen. Dann geht es meistens auch schon wieder- Und ich wusste ja, dass solche Situationen kommen würden. Ich habe es trotzdem durchgezogen und war echt ein bisschen stolz auf mich, dass ich mich dann doch professionell der Herausforderung gestellt hatte."

 

Bei den ganzen neuen Eindrücken, die du gesammelt hast – konntest du auch etwas für dich persönlich mitnehmen?   

"Die große Fresse aus der ersten Staffel ist einer gewissen Demut gewichen. Was nicht unbedingt von Vorteil ist, weil Demut immer Bescheidenheit bedeutet. Und Bescheidenheit gehört nicht zu den Sachen, in denen ich besonders gut bin. Ich habe auch wieder wahnsinnig viel über Traditionen gelernt. Ich meine, ich bin kein Teenager mehr. Ich habe viele Dinge gesehen, aber ich werde immer wieder mit neuen Sachen konfrontiert, die mich bewegen, berühren und verändern. Auch mein Kochen verändert sich durch 'Kitchen Impossible'. Ich bin einerseits demütiger und gleichzeitig noch ein bisschen überheblicher geworden (lacht)."

 

Du bist ja nicht dafür bekannt, zurückhaltend zu sein. Hat dich das in der Vergangenheit nicht das ein oder andere Mal ein blaues Auge gekostet? Erinnerst du dich da an eine bestimmte Situation?

(Lacht) "Oh ja! Ich habe tatsächlich physisch schon ein paar Mal einen drauf abbekommen. Aber ich habe auch schon durch meine Attitude ein paar Schlägereien verhindern können. Es gab da eine irre Geschichte, in der ich von drei richtigen Kampfmonstern (braun gebrannt, tätowiert, Bodybuilder-Typen) angelabert worden bin. Beziehungsweise haben sie eine Frau angeredet, mit der ich unterwegs war und ich habe dann, weil mir das zu bunt wurde, gesagt: „F… euch“! Dann haben sie mich in die Mangel genommen und eingekreist. Ich dachte, dass die Situation hoffnungslos verloren sei und ich sofort eins auf die Zwölf kriegen würde…und dann hab‘ ich einen Laberflash gekriegt und mich im wahrsten Sinne des Wortes herausgeredet (grinst). Erstaunlicherweise hat das funktioniert."

 

Interview und Text: Mara Rehfisch 



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