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„Terra X: Faszination Erde: Dirk Steffens über das Zeitalter der Menschen

Nächstes Jahr zeigt das ZDF eine Ausgabe von „Terra X: Faszination Erde“ über das Zeitalter der Menschen. Wissenschaftler nennen diese neue Epoche Anthropozän. Die Folgen sind erschütternd, denn die Artenvielfalt nimmt immer weiter ab. Die Sprache ist von einer sechsten Aussterbenskatastrophe. Doch wenn wir die Bedingungen nachhaltig verbessern, kann diese Katastrophe noch abgewendet werden.

„Terra X: Faszination Erde: Dirk Steffens über das Zeitalter der Menschen
Dirk Steffens spricht über das Zeitalter der Menschen / © ZDF Johanna Brinckman

Dirk Steffens moderiert seit zehn Jahren „Terra X: Faszination Erde“. Im Interview mit Michelle Welsing spricht er über die neue dreiteilige Doku, die 2019 erscheint, und die Folgen des Zeitalters der Menschen.

Nächstes Jahr erscheint eine neue dreiteilige Doku über das Zeitalter der Menschen. Können Sie dazu schon etwas verraten?

Dabei dreht sich alles um den Begriff Anthropozän. Dieser Begriff ist noch nicht so gängig. Er bedeutet: das Zeitalter des Menschen. Die Geschichte des Planeten Erde wird in Erdzeitalter eingeteilt. Zum Beispiel Ordovizium oder Perm. Diese Erdzeitalter werden benannt nach den Umweltfaktoren, die sie am stärksten geprägt haben. Die Kreidezeit heißt zum Beispiel so, weil die Überreste von Krebstieren, Korallen usw. aus dieser Zeit eine Schicht gebildet haben, die wie Kreide aussieht, ein spezieller Kalkstein. Wenn man in ein paar Millionen Jahren Ausgrabungen anstellt, dann wird man Plastik und die Überreste unserer Bauwerke in den entsprechenden Erdschichten finden. Also: Überreste der Menschenzeit. In der Doku-Reihe wird es darum gehen, wie wir die Erde jetzt schon grundsätzlich verändert haben. Das Augenfälligste ist der Klimawandel, aber auch die Veränderungen von Lebensräumen. Zum Beispiel, wie wir aktiv Tiere vom anderen Ende der Welt in Europa eingeschleppt haben oder auch anders rum. Das komplette natürliche Gefüge wird durcheinander gebracht. Das ist das Thema des Anthropozän, im Guten wie im Schlechten. Es gibt auch Beispiele in denen das Einmischen des Menschen positiv ausfällt.

Können Sie positive Beispiele nennen?

Um mal ein großes Missverständnis aus der Welt zu schaffen. Menschliche Eingriffe haben nicht immer negative Folgen. Den höchsten Artenreichtum hier in Deutschland gab es beispielsweise um das 16. Jahrhundert. Nicht vorher, als es kaum besiedelt war, denn damals hatte die Landwirtschaft ganz Deutschland durchdrungen. Es wurde Platz gemacht für Tiere, die es vorher gar nicht gegeben hatte. Bewohner offener Flächen wie Feldhasen existierten in dem vollständig bewaldeten Deutschland kaum. Der Wechsel von Wald und Flur hat einen höheren Artenreichtum hervorgebracht als der reine Urwald, den wir hätten, wenn es keine Menschen gäbe. Solche Beispiele haben wir auch auf Sri Lanka. Vor hunderten von Jahren wurden Staudämme und tausende  von Seen gebaut. Das sorgt bis heute dafür, dass es viel mehr Elefanten oder andere wilde Tiere gibt, als es normalerweise geben würde. Veränderungen durch den Menschen sind also nicht immer schlecht.

Sie haben in einem Vortrag gesagt „Die Welt hat Tränen im Gesicht.“ Können Sie das erklären?

Damit meine ich die vielen Orte der Zerstörung, die ich gesehen habe. Die Natur kann überwältigend schön sein. Ich habe so viele tolle Momente erlebt. Zum Beispiel in den Anden, wenn ein Lichtstrahl die Wälder beleuchtet. Manchmal stellt sich dann ein fast spirituelles Gefühl ein. Und das sage ich als nicht religiöser Mensch. Die Natur ist von einer unglaublichen, unnachahmlichen Schönheit. Aber wenn man dann heutzutage genauer hinguckt, sieht man, dass immer mehr zerstört wird. Das ist eine traurige Geschichte.

Was können wir dagegen tun?

Die Antwort darauf ist leider kompliziert. Keine Plastiktüten mehr zu kaufen, reicht leider nicht aus. Wir müssen auf allen Ebenen etwas verändern. Wenn ich einkaufen gehe, muss ich darauf achten, dass ich nachhaltige Produkte kaufe. Die Unternehmen müssen ihr ganzes Geschäftsmodell auf Nachhaltigkeit umstellen. Und die Politik muss die Rahmenbedingungen schaffen. Ich weiß, das hört sich an wie Politiker-Gewäsch, aber es ist die Wahrheit. Auf solche schwierigen Fragen gibt es leider keine einfache Antwort.

 


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