„Tatort Jugendfußball“ heute im ZDF: Jonas Hummels warnt Eltern – „Sie müssen selbst hinschauen“
Für seine ZDF-Doku recherchierte Jonas Hummels zu sexuellem Missbrauch im Jugendfußball. Dabei stieß er auch auf Widerstände aus der Fußballbranche.

Der Fußballverein kann für Kinder ein zweites Zuhause sein: Freundschaften entstehen, Trainer werden zu Vorbildern, vielleicht rückt sogar der Traum von einer Profikarriere näher. Doch was passiert, wenn Erwachsene dieses Vertrauen ausnutzen? Dieser Frage geht die Dokumentation „Tatort Jugendfußball – Missbraucht im eigenen Verein“ nach, die das ZDF heute, am 7. Oktober 2026, um 22.45 Uhr zeigt.
Der frühere Profifußballer Jonas Hummels und Filmemacherin Marie Bröckling lassen darin Männer unterschiedlicher Generationen zu Wort kommen, die als Heranwachsende Übergriffe durch Trainer, Funktionäre oder Spielerberater erlebten. Ihre Recherche beschäftigt sich auch damit, warum Taten lange verborgen bleiben konnten – und welche Verantwortung Vereine und Verbände tragen.
„Tatort Jugendfußball“: Jonas Hummels kennt verurteilte Trainer persönlich
Wie nah das Thema an seiner eigenen Lebenswelt liegt, machte Hummels im Interview mit dem SPIEGEL deutlich: „Allein im Kreis München kenne ich zwei verurteilte Fußballtrainer persönlich“, verrät er.
Hummels geht davon aus, dass die bekannten Fälle nur einen Ausschnitt zeigen. Angesichts der zahlreichen Fußballvereine in Deutschland vermutet er eine deutlich größere Dunkelziffer. Im Gespräch zog er zudem einen Vergleich zum Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche: Rein rechnerisch könnten es im Fußball sogar mehr Fälle sein, weil dort wesentlich mehr Jungen aktiv seien. Dabei handelt es sich um Hummels’ Einschätzung, nicht um eine belegte Fallzahl.
Viele Betroffene wollten laut dem SPIEGEL-Beitrag nicht vor die Kamera treten. Scham und die Angst vor presserechtlichen oder strafrechtlichen Verfahren hätten sie davon abgehalten. Unter ihren Erfahrungen litten sie bis heute.
Jonas Hummels berichtet von Widerständen gegen seine Recherche
Doch auch innerhalb der Fußballbranche traf die Aufarbeitung nach Hummels’ Darstellung nicht überall auf Unterstützung. Im Interview berichtete er: „Für manche bin ich ein Nestbeschmutzer. Einige meiden mich seit der Recherche.“
Andere hätten auf die sportlichen Verdienste eines in der Dokumentation thematisierten Spielerberaters verwiesen oder dessen mutmaßliche Übergriffe verharmlost. Der Berater, im Beitrag als N. bezeichnet, betreute zahlreiche Talente der SpVgg Unterhaching. Hummels schilderte, Spieler hätten ihm von Situationen in dessen Büro erzählt, in denen sie nur Unterwäsche getragen hätten oder nackt gewesen seien. Dass Nacktheit zum Sportleralltag gehörte, habe mögliche Grenzüberschreitungen aus seiner Sicht schwerer erkennbar gemacht.
Auch den Umgang mit Kindern im Training hinterfragt Hummels. Der SPIEGEL zitierte ihn auf Instagram mit den Worten: „Kinder werden von Trainern angeschrien, sie bekommen Klatscher auf den Po. Das macht es für Eltern schwer zu unterscheiden, wo gezielte Grenzüberschreitungen beginnen.“
ZDF-Doku über Missbrauch im Fußball: Was muss sich ändern?
Die Dokumentation führt Hummels unter anderem ins Ruhrgebiet. Dort soll ein Trainer über mehrere Jahre Kinder misshandelt und gedemütigt haben. Erst nachdem sich ein Betroffener an die Polizei gewandt hatte, kamen die Taten ans Licht. Ein weiterer Fall betrifft einen Jugendtrainer bei Union Berlin, der laut ZDF das Vertrauen seiner Spieler und ihre Hoffnungen auf eine Profikarriere für sexuelle Übergriffe ausnutzte.
Neben Betroffenen trifft Hummels auch Eltern, Trainer und Vereinsfunktionäre. Der Blick nach England zeigt, wie eine umfassende Aufarbeitung aussehen kann: Nachdem 2016 der jahrelange Missbrauch zahlreicher Kinder durch einen Trainer öffentlich geworden war, begann der englische Fußballverband mit der Aufarbeitung. Hummels spricht mit einem damaligen Betroffenen und konfrontiert den DFB mit der Frage, was sich in Deutschland ändern muss.
An Eltern richtet er im SPIEGEL-Interview einen konkreten Appell: „Man muss mit Kindern sprechen, nachbohren und sie über die Gefahren aufklären. Man kann nicht von ihnen verlangen, dass sie den Mund aufmachen. Eltern müssen schon selbst hinschauen.“
„Tatort Jugendfußball – Missbraucht im eigenen Verein“ läuft heute, Mittwoch, 7. Oktober 2026, um 22.45 Uhr im ZDF. Die 45-minütige Dokumentation ist seit 9 Uhr auch im ZDF-Streaming-Portal verfügbar.






