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"Tatort: Du allein" basiert auf wahrer Begebenheit: Bankkunden ignorierten sterbenden Rentner

Der Stuttgarter TatortDu allein" mit Lannert und Bootz sorgt für positive Kritiken – was viele jedoch nicht wissen: Er basiert auf wahren Begebenheiten.

Tatort Felix Klare Richy Müller Lannert und Bootz
„Tatort: Du allein“ basiert auf wahrer Begebenheit: Bankkunden stiegen über sterbenden Rentner. Foto: SWR/Johannes Krieg

Der 25. Fall von Lannert (Richy Müller) und Bootz (Felix Klare) stellt die Ermittler vor ein Rätsel. Scheinbar wahllos ermordet ein Scharfschütze Menschen. Am Ende stellt sich jedoch heraus, dass alle Opfer etwas gemeinsam haben, denn als Jahre zuvor ein Handwerker in einer Bankfiliale zusammengebrochen war, hatte ihm keiner von ihnen Hilfe geleistet. Dafür nahm die Freundin des Opfers nun Rache. 

Was wie der perfekte, jedoch frei erfundene Stoff eines Krimis klingt, basiert in Wirklichkeit auf einer wahren Begebenheit. Wer mit dem Fall eines Rentners, der 2016 in Essen in einer Sparkassen-Filiale zusammenbrach, vertraut ist, der ahnte dies bereits. Der SWR bestätigt die Annahme gegenüber „BILD“ noch einmal offiziell: „Der Autor Wolfgang Stauch hat die Anregung durch einen realen Fall, der sich vor einigen Jahren ereignete, aufgegriffen.“

Bei dem echten Fall ignorierten vier Menschen einen 83-jährigen Rentner – stiegen teilweise sogar über ihn - der beim Versuch Geld abzuheben zusammengebrochen war. Ganze 20 Minuten und einen fünften Bankkunden brauchte es, bis endlich ein Notarzt gerufen wurde. Der 83-Jährige verstarb wenige Tage darauf im Krankenhaus.

Die unterlassene Hilfeleistung all jener Menschen, die die sterbenden Rentner nach eigener Aussage für einen Obdachlosen hielten, kam nur an Licht, weil die Tochter des älteren Herren annahm, er sei bestohlen wurde. Die Polizei sichtete daraufhin die Überwachungsbänder und traute ihren Augen kaum.

Der Fall ging vor Gericht. Da der Richter den Angeklagten ihre Version der Geschichte nicht abnahm, da der Rentner mitten im Raum gelegen hatte und hochwertige, saubere Kleidung trug, wurden sie zu Geldstrafen zwischen 2400 und 3600 Euro verurteilt. Das Urteil fiel relativ milde aus, da nachgewiesen wurde, dass die Untätigkeit nicht direkt zum Tod des Rentners geführt hatte. Die höchste Strafe erhielt eine Frau, die keinerlei Reue zeigte und sogar Berufung gegen das Urteil einlegte.

So erschreckend der Vorfall auch sein mag – es handelt sich dabei bei weitem nicht um einen Einzelfall. Immer wieder werden Menschen, die Hilfe brauchen, von ihren Mitmenschen ignoriert. Man spricht dabei vom sogenannten „Kitty-Genovese-Syndrom“. Genovese war eine 28-jährige Kellnerin, die 1964 in New York auf dem Nachhauseweg brutal vergewaltigt und ermordet wurde. Sage und schreibe 38 Personen wurden Zeugen der Tat, kein einziger schritt ein.

 


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